Heft 
(1906) 25
Seite
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Übermacht san, da haben s' koan Zaum und Zügel nimmer!" Dem Weißbacher kam ein beklommener Ton in die Stimme. Do Sach is mer aa sunst no a bißt unglegen. Wissen S', n:ei Hannerl, hat mi halt so viel gern. Und da eifert s' halt allweil a bisserl. Ja! Da is glei allweil Fuier am Dach! Drum mach i liaber an Umweg, bal i a Weibsbild siech. Und iatz glei dreiazwanzg beinander auf oam Schüppel! Lassen S' es guat sein, Herr Dokter! Morgen führ i Eahna auf an guaten Hirsch. Verlaubt is uns freili koaner. Aber dös will i scho verantwortigen beim Förstner. Bloß mei Hannerl macht i net gern verdriaßen."

Die Angst, die der Weißbacher hatte, reizte mich noch mehr. Wenn du nicht willst, so geh ich allein. Das muß ich sehen."

Brummend steckte Mickei eine Kerze in die Laterne und strich auf der Schattenseite seiner Lederhose ein Zündholz an. In Gottsnamen! Probieren mer's halt!"

Wir wanderten durch die Finsternis hinunter. Ich ging vor dem Weißbacher her, und der Schein der Laterne warf meine gaukelnden Schattenbilder als ungeheuerliche Schwarz­gestalten über die Steine und zwischen die Bäume.

Während wir durch den Wald hinunterstiegen, erfuhr ich vom Weißbacher noch die Geschichte eines seltsamen Lebens­

laufes, die Chronik einer ungewöhnlichen Familientradition. Die Resl nämlich, die heute als Lampelspritzerin fungierte, war ein fünfzigjähriges Mädchen, das mit seiner fünfund­zwanzigjährigen Tochter Marei in der ,obersten^ Almhütte hauste. Mutter und Tochter waren die Bäuerinnen venu

,ledigen Hoff. Seit Menschengedenken hatte auf diesen: Hof immer nur eine Bäuerin regiert, nie ein Bauer. Kam die junge Bäuerin in die flebfroherü Jahre, so nahm sie sich einen, der ihr gefiel. Aber von: Heiraten wollte sie nichts wissen, sondern blieb die ledige Bäuerin, gebar eine Tochter und zwanzig Jahre später ging die Sache wieder von vorn an. In: Dorfe kannte man bereits vier Generationen dieser Art. In: ledigen Hof war immer nur eine Tochter geboren worden, nie ein Sohn. haben si seit hundert Jahr allweil oanseiti furtpflanzt!" sagte der Weißbacher. Und während er das erzählte, klang von: Almfeld immer deutlicher das plätschernde Gelächter und Geschrei der dreiundzwanzig Sennerinnen herauf.

Ehe wir den Waldsaun: erreichten, blies der Mickei das Licht in der Laterne aus.Da müassen mer uns hoamli zuawimachen. Bal d' Madln mirken, daß a Mannsbild über­zwerch is, lassen s' uns nimmer eini." (Schluß folgt.)

Fledermäuse.

Von vr. Kurt Lamport.

eit offen stehen in lauer Sommernacht die Fenster des Schlafzimmers. Verloren dringen mancherlei Nacht­töne herein, das Zirpen einer Grille, ein ängstlicher Ruf eines Vogels, den eine wildernde Katze aufgescheucht hat, das Quaken eines Laubfrosches. Da huschen im fahlen Schein des Mondlichts dunkele Schatten an der Zimmerdecke entlang; der Blick vermag die Erscheinung kaum zu fassen; ein Kommen und Gehen im Rahmen des Fensters von flüchtigen Gestalten. Immer mehr werden ihrer, bald herrscht ein toller ge­spenstischer Tanz im ganzen Zimmer. Fledermäuse sind her­eingeraten. Jedes Jahr wiederholt sich mehrfach in meiner Wohnung dieser eigenartige Besuch, und ich freue mich seiner. Flüchtig wie ein Gedanke, un­greifbar, kaum sichtbar, durch­schwirren Dutzende dieser Nacht­gesellen das Zimmer, lautlos, geräuschlos, ihre Gegenwart fast mehr dem Gefühl ver­ratend, als den Sinnen sich offenbarend. Wie ein Traun: erscheint uns das ganz spuk­hafte Treiben, und traumhaft vermischen sich allerlei Vor­stellungen mondbeschienene Ruinen, von Fledermäusen um­kreist, dunkele Höhlen, durchschwirrt von Wolken von Fleder­mäusen, gespenstisch beleuchtet vom roten Schein der Fackel, die sie aus ihren Schlupfwinkeln aufgescheucht, und dazwischen klingen Wiener Walzertöne und neckischer Gesang.

Mit Kröte und Salamander, mit Käuzchen und Schuhu zählt seit alters die Fledermaus unter das Nachtgelichter, dem in früheren Zeiten ein braver Christ sich bekreuzigend aus dem Wege zu gehen pflegte, und bis in unsere aufklärungsstolzen Zeiten klingt die abergläubische Furcht, wenn nicht geradezu der Ausdruck des Abscheus vor diesen Tieren hinein.

Wie viele haben sich denn die Mühe genommen, eine Fledermaus zu betrachten! Freilich dürste es schwer sein, eine von unseren nächtlichen Besucherinnen zu fangen. Mit größter Gewandtheit weichen sie jedem Schlag aus, und eine Jagd auf Fledermäuse mit Tüchern und Besen betrieben, endigt meist mit Zerschlagenen Vasen und Lampen, selten aber wird das Wild zur Strecke gebracht.

Am Tage aber oder in: Winter haben wir vielleicht Ge­legenheit, eine schlummernde Fledermaus zu erbeuten und uns das gefürchtete Tier näher anzusehen. Welch bizarre Gestalt! Wir wundern uns nicht, wenn uns die Fledermäuse in alten zoologischen Lehrbüchern als halb Säugetier, halb Vogel vor­gestellt werden. Die Tiere selbst wußten hieraus Vorteil zu ziehen, wie uns eine im preußischen Samland von Reusch überlieferte verbreitete Sage mitteilt. Einst führten die Vögel

mit den vierfüßigen Tieren Krieg. Die kluge Fledermaus

wollte jedenfalls der siegenden Partei angehören und hielt sich immer dorthin, wohin der Sieg sich neigte. Unter den Vögeln gab sie sich für einen Vogel aus, unter den vierfüßigen Tieren

für eine Maus. Als aber der Friede geschlossen war und ihr Betrug erkannt wurde,

wurde sie für ihr Doppelspiel von beiden Parteien verurteilt. Seitdem läßt sie sich nimmer bei Tage sehen, und wir wissen hiermit zugleich, warum die Fledermaus ein Nacht- und Dämmerungstier ist.

Aus verschiedenen Klassen der Säugetiere kennen wir Beispiele von Anpassungen an das Wasserleben. Aber zum richtigen Luftleben haben es nur die Fledermäuse gebracht, und in interessantester Weise ist ihr Körperbau daraufhin verändert. Von Flügeln dürfen wir frei lich korrekterweise nicht sprechen, sondern nur von einer Flug­haut. Im Gegensatz zu fast allen anderen Säugetieren über­treffen die Vordergliedmaßen, die Arme, die Hintergliedmaßen bedeutend an Länge, und ganz unverhältnismäßig verlängert sind die Finger der Vordergliedmaßen (vergl. Abbildung 1). Zwischen ihnen spannt sich die Flughaut aus, die sich an den Armen und an den Körperseiten bis zu den Hintergliedmaßen fortsetzt, und auch diese sind untereinander durch eine den Schwanz einschließende dünne Haut verbunden. Auch bei eini­gen anderen Tieren, z. B. bei bestimmten Eichhörnchen, sehen wir eine Hautfalte sich von den Körperseiten zu den Gliedmaßen hinüberziehen; sie hat diesen Eichhörnchen den Namen Flug­hörnchen verschafft, obwohl wir sie nur als einen Fallschirm aufzufassen haben, der den Tieren weite Sprünge von oben

Abb. 1. Skelett einer Fledermaus.