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Aranz Joseph in Böhmen. (Zu der untenstehenden Abbildung.) Unser Bild hält eine Erinnerung an die böhmische Reise Kaiser Franz Josephs fest: die Begrüßung des Monarchen durch den Bürgermeister von Kuttenberg. Es waren Festtage für Böhmen, als der greise Kaiser seit langen Jahren zum erstenmal durch das Land zog, Festtage besonders deshalb, weil in die Mauer, die Tschechen und Deutsche trennt, zum erstenmal eine Bresche geschlagen ist, weil so etwas wie ein Zusammenschluß der beiden nebeneinander wohnenden Rassen sich vollzogen hat. Und wenn es auch nur auf wirtschaftlichem Gebiet war, nur aus Utilitätsgründen geschah, um das Zustandekommen und den Erfolg der Reichenberger Ausstellung zu sichern, so hat doch solch gemeinsames Arbeiten immer auch einen Rückschlag auf Politik und Gesinnung. Kaiser Franz Joseph, der oft so tief unter dem Zwiespalt gelitten hat, der seine Staatsbürger entzweite, war die Freude zu gönnen, auch einmal ein Stück Einigkeit und wirtschaftlichen Zusammenhaltens überschauen zu dürfen.
Are Krönung in Drontheim.
(Zu der nebenstehenden Abbildung.)
In der alten norwegischen Krönungsstadt Drontheim, in der herrlichen Domkirche, die dreimal aus Trümmern sich zu neuer, himmelanstrebender Pracht erhoben hat, ist am 22. Juni der Erwählte des norwegischen Volkes, der dänische Prinz Karl, der nun den Namen Haakon VII. trägt, in feierlichem Zeremoniell mit seiner Gemahlin gekrönt worden. Die Vertreter der europäischen Throne, die Gesandten des Auslandes und eine riesige Volksmenge wohnten der Handlung bei, deren Eindrücke keiner der Anwesenden je vergessen wird. Mehr als 600 Jahre sind es her, daß an gleicher Stelle der letzte Vertreter eines nationalen Herrschergeschlechts und der Stammesvorgänger des jetzigen Königs, auch ein König „Haakon", gekrönt wurde, und die jetzige Krönung hat sich ganz
Das norwegische Königspaar im Krönungsornat.
in dem altehrwürdigen Ritus vollzogen, der schon vor Jahrhunderten beobachtet wurde. Es war eiu wundervolles Bild, das die tausendjährigen Kirchenmauern am 22. Juni im Drontheimer Dom umschlossen. Die weißen und gelben Seidengewünder der Geistlichkeit, die schimmernden Schleppen der blonden Nordlandsfrauen, blitzende Juwelen, goldstrotzende Galauniformen der ausländischen Vertreter, und über dem allen das
Rippenwerk schlanker gotischer Säulen, das farbig gebrochene Licht der alten Kirchensenster. Während hoch in den Lüften die Glocken ihr ehernes Festlied sangen und die Kanonen Salut brüllten, salbte t.r Bischof das Königspaar an Stirn und Handgelenk zu seinem verantwortungsvollen Amt, und die Minister umkleideten den König mit den uralten Insignien königlicher Würde: mit Königsmantel, Zepter, Krone und Schwert. Kein Mißton hat die Feier gestört, aber in Wehmut mag manch ein Gedanke hinüber geirrt sein zu dem greisen König auf Schwedens Thron, der auch einmal die Krone Norwegens getragen hat.
Joseph Joachim. (Zu dem Bildnis aus Seite 584.) Seit Jahren steht das Bild des großen Geigemünstlers sest Umrissen, unveränderlich in der Erinnerung derer, die einmal seinen! begnadeten Spiel lauschen durften, und unmerklich gleiten die Jahre an diestin verehrten Bild vorüber, an den: weißhaarigen Künstlerhaupt, das mit geschlossenen Augen sich auf die Geige neigt, das in sich selbst hinein zu lauschen scheint und immer verklärter, immer hoheitsvoller wird, je höher das Jauchzen und Schluchzen der Geige schwillt, ;e süßere Weisen aus dem braunen Holz hervorquellen und über den lautlos horchenden Hörern dahinschweben. Nein, die Jahre ändern nichts an Joseph Joachims Bild und Spiel. Nur manchmal, wenn eine besonders markante Zahl erreicht ist, eine Zahl, die für viele bereits Ende des Weges, Schluß des Lebensliedes bedeutet, schreckt man aus und wird daran gemahnt, daß
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Begrüßung Kaiser Franz Josephs in Kuttenberg in Böhmen.