Heft 
(1906) 29
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Die Schöpfungstage.

Von Wilhelm Bölsche. Mit Illustrationen von Heinrich Harder.

VI. (Schluß)?)

bunten Wundergarten des Paradieses wird Mensch verbannt hinaus in ein rauhes, un-

wirtliches Land

Ich schaue über das grenzenlose Ein paar violette Felder schneiden

tiefgrüne Meer, in seine Fläche ein: Schatten von Wolken, die hoch darüber hinsegeln. Fallen auf das grüne Meer der Sage so auch noch einzelne Wolken­schatten der Wirklichkeit? Hat das große Kind Menschheit es immer noch in späten Tagen wie einen solchen Schatten ziehen sehen: die dunkle Erinnerung, daß es einst in einem Tropen­wald gespielt hatte- um dann eines Tags hinausverstoßen zu sein in die Schrecken der Eiszeit? Oder ist es auch hier nur mit der schaffenden Phantasie wieder die Wege der Welt­schöpfung unbewußt noch einmal gewandelt, wie der Künstler aus sich heraus ein Ornament, eine Arabeske wieder erfindet, die vor Jahrmillionen die Natur schon in einem Radiolar, einem Seestern, einem Schneckenhaus vorgezeichnet hatte?

Gewiß ist, daß auch die Geologie in ihrer Art eine Aus­treibung aus dem Paradies kennt. Von neuem, wie einst am Abend der waldfrohen Steinkohlenzeit, folgt auf die fabelhaft üppige, wahrhaft paradiesische Vegetation der älteren tropischen Tertiärzeit eine allmähliche Abnahme der Wärme, die um den Ausgang der Epoche zu einer Katastrophe führt. Die Flanken der neuen Gebirge bedecken sich mit immer tiefer rückendem Gletschereis; bis in die heutigen Tropen dringt eine allgemeine verstärkte Luftfeuchtigkeit langsam vor, die in den bisher so tropisch warmen nördlichen Landgebieten unaufhaltsam in eine zunehmende Abkühlung übergeht, als falle ein immerwährender kaltfeuchter Morgentau. Der eigentliche Temperaturherabgang

*) Vergl. die Nummern 14, 16, 18, 22 und 26 des laufenden Jahrgangs.

ist gegen heute gar nicht so groß, bloß etwa fünf Grad im Mittel. Aber von einen: Tropenstand niederwärts ist er un­geheuer. Endlich rückt das Eis selbst an: als zu Tal kom­mende Gletschermasse, die die ehemaligen Palmengründe der Voralpen verschüttet, als ungeheures Vinneneis, das wie eine Halbstarre Sündflut sich heranwalzt, die Ebene mit einer berg­hohen Kristallmauer langsam zu überschreiten eine Eis­walze, die das ganze Tier- und Pflanzenleben vor sich herschiebt, auf enge Gebiete zusammenquetscht, endlich Halt machend, die Moossteppe, die Tundra Nordsibiriens, vor sich herbreitet.

Man hört den Schritt eines neuen gigantischen, mit nichts zu hemmenden Schicksals, wenn man aus dieser Tundrasteppe, in deren Sturm kein Baum mehr aushält, wo die Birke und Kiefer platt am Boden kriechen wie Gewürm, das ein eiserner Tritt niederpreßt, der Tritt des Schneesturms wenn man dort plötzlich eine Herde von Elefanten austauchen sieht. Alte Paradieskinder auch sie, eins der höchsten Wunder der kaleido­skopischen Formkraft der Säugetiere in ihrer Blütezeit, fern auf afrikanischer Erde, wo heute noch ihre Ahnen im Wüsten­sand schlummern, wahrscheinlich entstände::, in zahllosen Scharen dann durch die Paradieshaine hinausgewandert bis gegen den Pol, jetzt beengt mit ihren Riesenleibern vor der himmelragenden Mauer von Eis. Sie, die einst sich förmlich einen Weg fressen mußten durch das Blätterdickicht des immer­grünen Urwaldes, scharren jetzt als rastlos umgetriebene Wanderer mühsam nach Flechten im halbverschneiten Plan oder weiden die karge Blütenflora eines kurzen polaren Sommers ab. Im alten Sumpfwald blank wie Wale, immer zun: Paddeln und Sühlen aufgelegt, umzottelt sie jetzt ein wirrer, rotbrauner Pelz wie der ungepflegte Bart eines Verwilderten. Ihre

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Höhlenbär.