Heft 
(1906) 32
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und zu finden, und genaue Kenntnisse sind notwendig, um die Versteinerungen gewissermaßen ins Leben zurückzurufen und sich die Gestalt und Lebeweise des Tieres zu vergegenwärtigen. Was dem Geologen und Sammler aber die größten Schmerzen bereitet, ist das Kulturland und der Wald, mit denen das Gestein wie mit einem undurchdringlichen Schleier bedeckt ist. Nur selten hat diese Decke ein kleines Loch, sei es an Wasser­rissen, Bergrutschen oder an Wegböschungen und Steinbrüchen, und zu unserem Leidwesen ist jeder Verschönerungsverein bemüht, ein solches Loch so rasch wie möglich wieder mit einem grünen Rasen zuzustopfen. Am sichersten bleiben da immer noch die Steinbrüche, und in erfreulicher Weise gehen uns Steinbruchbesitzer und Arbeiter an die Hand, denn sie sind längst so weit aufgeklärt, daß sie den Wert und die Bedeutung

von Voll entspringt einem schwarzen bituminösen Schiefer­gestein, das nach seiner Stellung zu den übrigen Schichten der Juraformation als das obere Glied der unteren Haupt­gruppe der schwarzen Jura oder Lias betrachtet wird und von den Geologen nach dem massenhaften Vorkommen einer kleinen Muschel, der kosickovom^a Uronni, als Posi- donienschiefer bezeichnet ist. Es gibt kein anderes Schichten­glied des Jura, das so sehr unser Interesse fesselt als dieses, und keines, das so viele und schöne Fossilien liefert; kein Wunder auch, daß schon der alte Historiograph Bauhinus von ihnen zu berichten weiß.

Glücklicherweise finden die Schieferplatten auch technische Verwendung, indem sie geschliffen zu Wandverkleidungen, Tischplatten, Ofensteinen, Schultafeln usw. verarbeitet werden,

Schiefersteinbruch bei Lwlzmaden, Fundstätte der Liassaurier.

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der Fossilien erkennen und diesen deshalb auch einige Sorgfalt zuwenden. Ganz besonders kommt uns dies in der Gegend zustatten, die wir jetzt besuchen wollen, da sie sehr reich an Steinbrüchen ist, aus denen eine solche Menge der schönsten Fossilien stammt, daß damit fast alle größeren Museen der Welt versehen sind.

Wir befinden uns in dem fruchtbaren Vorlande der Alb, zwischen den beiden alten Städten Kirchheim und Göppingen, dort, wo am Fuße des waldigen Bosler und Fuchseck schon seit Jahrhunderten derWunderbrunnen" von Bad Voll der leidenden Menschheit Linderung bringt, wie uns der gelehrte Arzt Johannes Bauhinus in seiner Mstoria novi et aclmiradilis kontis balneigue UolIenZis" 1598 belehrt, einer Beschreibung, die um so interessanter ist, weil in ihr bereits auf die vielen Versteinerungen der Gegend aufmerksam gemacht wird, als da sind der schwarze Agstein (Gagatkohle), die verschiedenen Alb- schosse (Belemniten) und Scherhörner (Ammoniten), die nach den Abbildungen leicht zu bestimmen sind. Die Schwefelquelle

denn diesem Umstande verdanken wir es, daß in der dortigen Gegend zahlreiche Steinbrüche im Betrieb sind, von denen weitaus die meisten auf die Umgebung von Holzmaden, einem Dorfe einige Kilometer westlich von Voll, entfallen. Unser obenstehendes Bild führt uns in einen dieser Schieferbrüche von Holzmaden und zeigt uns sofort die mühsame Arbeit. Wir erkennen an der Wandung des Bruches von oben nach unten erst die erdige Auflagerung mit etwa 2,5 Metern Mäch­tigkeit, dann folgt das Schiefergestein mit 6 bis 7 Metern, aber der hohe Abraum auf der linken Seite beweist uns, daß keineswegs alle Schiefer brauchbar sind; im Gegenteil, alles was wir auf dem Bild sehen, ist unbrauchbar und wurde nur ausgebrochen, um auf die 60 bis 80 Zentimeter dicke untere Lage desSchieferfleins" zu kommen, die sich in drei, höchstens vier Platten spalten läßt; sie bilden die Sohle des Bruches auf unserem Bild, und der Unternehmer freut sich, daß er endlich die Abraumarbeit von Wochen durch das Aus­heben der Tafeln belohnt sieht.