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die Hottentotten ihre einfachen Hütten aus Binsenmatten. Die Beschaffung dieses luftigen Baumaterials lag von jeher den Frauen und Mädchen ob. In Flußbetten und Niederungen wurden große Mengen Binsen gesammelt, an der Sonne getrocknet und vor der Verarbeitung in Wasser eingeweicht. Inzwischen hatte man aus dem Bast des Dornbaumes durch Kauen, Drehen zwischen den Händen und Rollen auf dem Oberschenkel bindfadenartige Schnüre bereitet. Nun wurden die aneinandergereihten Binsen mit Hilfe einer dünnen Ahle mit diesen Schnüren durchzogen; so entstanden 3 bis 4 Meter lange und 80 bis 150 Zentimeter breite Matten, die man an den Rändern noch besonders einfaßte oder verfestigte. Noch heute werden diese Matten gefertigt, aber die Arbeit ist nicht mehr so sauber wie früher. Die wohlhabenderen Hottentotten haben nämlich angefangen, für sich Steinhäuser zu bauen. Das Gerippe der Binsenhütte wird aus langen biegsamen Stangen einer Akazienart errichtet.
Man rammt die Stäbe auf kreisförmigem Grundriß in den Boden ein, verflicht sie halbkugelsörmig zusammen und bindet sie mit Bast und Lederriemen fest. Aus dieses Gerüst werden die Matten, womöglich in doppelter Lage gehängt.
Tür- und Fensteröffnungen werden so mit Matten belegt, daß man diese nach Belieben aufrollen oder herunterlassen kann. Der Fußboden wird festgestampft, mit Lehm und einer Mischung von Ochsenblut,
Dünger und Sand bestrichen, in der Mitte eine Feuerstelle mit Feldsteinen zum Aufstellen der Kessel angebracht und die Habe aufgestellt.
Diese Pontocks haben einen Durchmesser von 3 bis 4 Metern und bieten der gesamten Familie Unterkunft. Sie schützen gut gegen die Unbill der Witterung, denn beim Regen schwellen die Binsen allmählich an und lassen dann selbst bei heftigem Guß kein Wasser durch.
Zur Herstellung einer solchen Hütte sind bei doppelter Belegung 30 bis 40 Matten nötig. Vor dem Krieg kostete eine Matte 6 bis 7 Mark. Eine solche Mattenhütte ist also durchaus nicht spottbillig.
Hin WeLeran der Schießkunst. (Zu der untenstehenden Abbildung.) Das 15. Deutsche Bundesschießen in München, das einen so glänzenden Verlauf nahm, setzte den Teilnehmern und Besuchern auch eine Berühmtheit vor—den weitbekannten Adlerjäger Dorn. In Hindelang im Allgäu ist der Hochjäger Leo Dorn zu Haus, und es ist noch nicht lange her, daß der „Adler- lönig", wie man ihn nennt, seinen 72. Steinadler während seiner Jägerlaufbahn mit seinem sichern Jagdrohr herunterholte. Mer auch sonst steht der alte Recke mit der Büchse seinen Mann. Auf unzähligen Schützenfesten war er zu finden, und auch in diesem Jahr beim Münchener Bundesschießen war es eine Freude, den „alten Dorn" mit dem ewig jungen Jägerherzen in Tätigkeit zu sehen.
Hin Werk Giovanni Wellinis. (Zu der obenstehenden Abbildung.) Das Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin hat durch die Erwerbung eines Gemäldes von Giovanni Bellinis Hand eine kostbare Bereicherung
erfahren. Das Bild des berühmten italienischen Meisters, der nach dem Jahr 1427 geboren wurde, 1516 starb und Giorgwne und Tizian zu seinen Schülern zählte, gibt eine jener Madonnen mit dem Kind wieder, deren leuchtende Farbenpracht die rührende Lieblichkeit ihrer
Züge nicht in den Schatten stellt. Herrlich in der Farbentönung ist das prächtige, gold- und blaugemusterte Brokatgewand der Himmelskönigin, die auf dem Arm das lockige Kind hält. Ein kurzes, dunkelgrünes Gewand umhüllt das kleine Wesen, das wie nachdenklich den Finger in den Mund gesteckt hat. Ein leuchtend roter Vorhang steigert in der Farbenwirkung das Gemälde ganz besonders. Das Werk, das von Professer Hauser restauriert wurde, hat in dem venezianischen Kabinett des Kaiser- Friedrich - Museums seinen Platz gefunden.
Verfemt. (Zu unserer Kunstbeilage.) Bei dem Freistuhl auf roter Erde ist gegen den adligen Wegelagerer das Urteil gesprochen, vor dem es kein Entrinnen gibt. Die Femboten hatten ihn geladen, aber er wußte, daß er die Dingstätte nicht lebend verlassen würde, und erschien also nicht zur Mitternacht unter der tausendjährigen Eiche, wo die vermummten Schöffen um die schwarzverhangene Tafel sitzen und der Ankläger mit einem furchtbaren Eid seine Aussage erhärtet, dann nach kurzer Beratung das „Schuldig!" ertönt und der Freigraf den Stab bricht. Die finstere Nacht deckt den Schluß des schauerlichen Vorgangs: das Hinzutreten des „Fronen", den schnellen Todesstoß und das Verröcheln des Gerichteten. Am Morgen findet man dann seinen Leichnam einsam auf der Dingstätte, den wohl- bekannten Dolch in der Brust, dessen Zeichen weithin Schrecken und Furcht erregen. Stellte sich der Geladene aber nicht, wie der verwegene und tollkühne Raubritter unseres Bildes, so wurde die Acht gegen ihn ausgesprochen, die ihn dem rächenden Dolch preisgab, und die Fronboten folgten ihm nach, um sie zu vollstrecken. Nirgends gab es Sicherheit vor ihnen, ungesehen wandelten sie und tauchten plötzlich dort, wo es der Schuldige am wenigsten erwartete, empor: im einsamen Schlafgemach, abseits vom Fest oder, wie hier, auf der Jagd in Rufweite der Genossen. Ein Keines Stück nur blieb der Ritter hinter ihnen zurück, nun stürzen die Schwarzverhüllten auf ihn los und er erkennt verzweifelnd sein Schicksal. Der Streich, den er nach dem einen führen will, trifft nicht mehr, denn sein Pferd hat bereits den Dolch in der Brust, und während es mit ihm zusammenstürzt, wird der andere Femrichter ihm von rückwärts den Todesstoß versetzen. Die Jagdgenossen sehen wohl, was da vorgeht, aber sie wagen nicht, dem Verfallenen zu Hilfe zu kommen: ihr eigenes Leben wäre mit verwirlt. Ihn hat der Richterjprnch ereilt, der in der finsteren, rechtlosen Zeit des Interregnums gegen Ende des 13. Jahrhunderts allein Gewalt besah, ruchlose Frevel blutig zu strafen und in dem armen mißhandelten Voll das Vertrauen auf irdische Gerechtigkeit nicht ganz ersterben zu lassen.
Druck und Verlag Ernst Keil's Nachfolger G. m. b.H. M Leipzig. Verantwortlicher Redakteur: vr. Hermann Tischler; für den Anzeigenteil verantwortlich: Franz Boerner. beide in Berlin. — In Österreich-Ungarn sür Herausgabe und Redaktion verantwortlich: B. Wirth in V>wn.
Nachdruck verboten. Alle Rechte Vorbehalten.
Madonna mit Kind.
Gemälde von G. Bellini.
Kürzlich erworben für das Kaiser-Friedrich-Museum in Berlin.
NM
Adlerjäger Dorn auf dem Bundesschießen in München.