Setzung mit Preußen gesehen. So nennt Jürgen Eyssen das Ganze eine Philippika „wider den verlogenen Opportunismus unter dem Deckmantel patriotischer Phraseologie '“. 1 Müller-Seidel sieht „in dieser Skizze die prinzipienlose Anpassung der neupreußischen Realpolitik ebenso parodiert, „wie den vorweggenommenen Mann ohne Eigenschaften“, der, genötigt, sich ständig auf neue Ideenvarianten einzustellen, im Wechsel der Zeiten am Ende nicht mehr wisse, wer oder was er eigentlich sei . 2 Ähnlich Helmuth Nürnberger, der von den „Verwirrungen und Verbiegungen eines durchschnittlichen Charakters“ spricht, der „den immer neuen, widersprüchlichen Abwandlungen der .preußischen Idee“ gerecht zu werden sucht “. 3 Demgegenüber will Kurt Schober nichts davon wissen, daß cs sich hier um eine Kritik Fontanes „an Preußen überhaupt“ handeln könnte / 1 Ausführlich und differenziert hat sich in jüngster Zeit Peter Wruck mit dem Textentwurf auseinandergesetzt und ihn dabei u. a. dem „Vorbereitungs- und Einzugsgebiet des ,Stechlin“‘ zugeordnet . 5 Wrucks in vielem überzeugender Studie soll im folgenden keine weitere Gesamtdeutung der „preußischen Idee“ hinzugesellt werden. Es gilt vielmehr, einige Beobachtungen vorzutragen, die sich auf den Typus Schulze richten, wie er im Verständnis Fontanes angelegt ist. Darüber hinaus werden das Kantverständnis der „preußischen Idee“ angesprochen sowie das Verhältnis des Zeitgenossen Fontane zur Stiftungslegende des Kaiserreiches.
In den Romanfragment Allerlei Glück, das, unausgeführt geblieben, dem Dichter bekanntlich mehrfach als Steinbruch für andere literarische Vorhaben diente, findet sich lange vor Konzipierung der „preußischen Idee““ eine geradezu klassische Beschreibung jenes Prototyps der „regierenden Klasse“. Dort liest man: „Alle diese Leute stammen von kleinen Beamten ab, Ihr Urgroßvater war ein K. Kammerdiener oder ein Bote beim Kammergericht; der Sohn wurde Geh. Rechnungsrat, der Enkel kam bis in den Vorhof der Hölle und der letzte (jetzige) sitzt drin. Diese Leute machen alles. Das Linienblatt kuckt überall heraus. Sie tuen liberal; sind aber die unreifsten Menschen von der Welt. Bourgeois. Sie kommen zur rechten Zeit auf das Gymnasium und gehen zur rechten Zeit vom Gymnasium ab, sie studieren die richtige Zeit und sind mit 28 f 4 bis 28 3 / 4 Assessor. Höchstens daß ihnen ein Spielraum von sechs Monaten gestattet wird. Ein Monat früher ist Anmaßung, ein Monat später ist Lodderei. Sie sind Reserve-Offizier. Sie heiraten immer ein wohlhabendes Mädchen und stellen bei Ministers die lebenden Bilder. Sie erhalten zu ganz bestimmter Zeit einen Adlerorden und zu noch bestimmterer Zeit den zweiten und dritten, sie sind immer in Sitzungen und sitzen immer am Webstuhl der Zeit. Im Vertrauen sagt ein jeder: Floren Sie, war ich nicht musikalisch oder sammelte ich nicht Goethe-Briefe, so hielt ich es nicht aus. Alles an ihnen ist mäßig, temperiert. Was anders ist, ist lächerlich .“ 0 An anderer Stelle heißt es: „Sie sind zuverlässig. Sie leben nach einem ungeschriebenen Kodex, der gute Sitte, Treue, Loyalität und den Glauben an die besondere Mission Preußens vorschreibt. Genies kommen unter ihnen nicht vor, sollen nicht Vorkommen; aber sie sind recht eigentlich die Träger des Staats, vielmehr als der Adel, der sehr zersplittert ist, und selbst
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