mehr als die Armee.“ 7 Es sind Menschen, „die alles bei uns bevölkern, für alles gerade ausreichen, zuverlässig, brav, gerecht, tüchtig sind, aber langweilig bis zum Extrem, nicht weniger als klug und begabt oder von einem Dünkel, der alles übersteigt. Sie identifizieren sich mit dem Staat. Dazu haben sie eine Art Recht... “ 8
Schulzenschaft im Sinne von „etwas ganz und gar Durchschnittlichem“ (Wruck), von Begrenztheit, Unselbständigkeit und Entscheidungsschwäche entdeckte er sogar in der eigenen Familie. Bei aller Liebe und menschlichen Nähe zu seinem Sohn Theo galt ihm dieser doch als „Programm- Mensch, preußisch-conventionell abgestempelter Prinzipienreiter, zum Überfluß auch noch Biedermeier mit ner Hängelippe und so heißt es denn: ,es wird fortgewurstelt“. Er wird weiter ,einkaufen“ und in allerhand Kassen zahlen, Geheimer Kriegsrath werden und den Rothen Adler 2. Klasse kriegen und schließlich ... mit dem Preußenmotto sterben: ,ich habe meine Schuldigkeit getan““. 9
Auch der Protagonist der „preußischen Idee“ ist ein pflichtbewußter Beamter, der sich sein ganzes Leben hindurch gehorsam und subaltern verhält, eine sorgfältige Ausbildung erfährt, Examina besteht und Karriere macht. Mehrfach empfindet er schmerzlich, daß seiner unselbständigen Natur eine Stimme fehlt, die ihm ein „ja“ oder „nein“ zuriefe. Er avanciert vom Assessor zum Regierungsrat, wird schließlich Geheimrat und tritt, als konsequenter Träger der preußischen Idee gefeiert, siebzigjährig in den Ruhestand. Schulzes makelloser Bildungsgang darf allerdings, kennt man Fontanes Ansicht hierzu, weder als vorbildlich noch als unerläßlich und nachahmenswert verstanden werden. Vielmehr hat Fontane schon in den „Wanderungen“ wissen lassen: „Ich bekämpfe den Satz und werde ihn bis zum letzten Lebenshauche bekämpfen, daß der Normalabiturient oder der durch sieben Examina gegangene Patentpreuße die Blüte der Menschheit repräsentiere. Das Beste, was wir haben, ist ohne diese vorgängigen Proben geleistet worden.“ 10 Sohn Theo, der „Programm- Mensch“, hatte am Französischen Gymnasium in Berlin das Abitur abgelegt, „ein abnormer Zustand“, während sich der Vater ohne Reifezeugnis im Leben „weitergeschwindelt“ hatte, „das Beste Teil seiner Bildung aus Journalen dritten Ranges zusammenlesend“. 11 Zweifellos ermangelte Fontane nicht einer facettenreichen und differenzierten Kenntnis von Schulzenschaft aller Schattierungen, zu der auch „Graupen-Schulzes“, „Mehl-Schulzes“, Bonbonfabrikanten, Rechnungsräte gleichen Namens und „tz-Schultzes“, letztere als „Aristokratie“ innerhalb der großen Familie, sowie die kleinen „Lehrersleute aus Kyritz und Pyritz“ gehörten. Vorliebe brachte er ihnen nicht unbedingt entgegen. Schmerzlich vermißte er an seinem 70. und 75. Geburtstag Preußens Adel, von dem er trotz gegenteiliger Wahrnehmungen wünschte, er möge seiner Rolle als staatstragender Schicht verantwortungsbewußt nachkom- men und dadurch wieder „Bedeutung haben für das Ganze..., Vorbilder stellen, große Beispiele geben.“ 12 Davon unberührt blieb gleichwohl, wie er die künftige Rolle der Schulzes in Staat und Gesellschaft einschätzte, und das meint hier der zahlreichen kleinen Leute ohne Herkommen, Besitz und alten Namen. Ihr Einrücken in alle politisch, gesellschaftlich
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