Heft 
(1906) 42
Seite
885
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Dev stille Weg.

(5. Fortsetzung.) Roman von Richard Skowronnek.

Mein lieber Herr von Sacrow, was macht man mit Leuten, die sich eine geschlagene Woche lang nicht sehen lassen?? Obwohl sie bei allem gerechten Dienst nachmittags oder abends wohl eine Stunde hätten finden können, um wie sonst auf einen Sprung in Ouessendorf vorzusprechen?! . . . Ich muß diesen Absatz schließen, sonst geht mir vor gerechtem Zorn allzu frühzeitig mein Vorrat an Interpunktionen aus!!

Die beifolgenden Erdbeeren haben Sie also nicht verdient! Auch darf ich um keinen Preis der Welt verraten, wer sie gepflückt hat ... auf Spaziergängen, die ihn nicht erreichten, immer den Maldeiner Weg entlang . . .

Zu übermorgen abend haben sich nun ein paar nette Leute bei uns angesagt, die garstigen und unartigen müssen wie immer leider erst extra eingeladen werden. Unter den erstgenannten Frau von Reichner, Groß-Klentzien, mit man denke Autobesuch aus Berlin! Aus Berlin!!

Ich bin ein wenig neugierig auf diesen Besuch, denn dem Mercedesmann geht oder rennt vielmehr ein merkwürdiger Ruhm voran. Ihm gehört nämlich so ziemlich das ganze Deutsche Vaterland zwischen Wilmersdorf und Charlottenburg, den Ouadratzentimeter, glaub' ich, zu einem Taler gerechnet! Sein seliger Herr Papa soll noch das Stiefeltragen als lästig empfunden und auf dem ihm gehörigen Teil Preußens die Kartoffeln höchstselbst ausgebuddelt haben, aber wenn eine derartige Tätigkeit so ganz im passe äellvi liegt und in einer nachmals so teuer gewordenen Gegend, so drückt man beide Augen zu, leider Gottes. Zitiert vielleicht noch das Bonmot eines verstorbenen römischen Kaisers und bedauert, daß die eigenen hochgeehrten Herren Vorfahren so wenig einsichtig waren, für Landbesitz und Ausbreitung des Christentums in der Umgegend von Maldeinen Zu fechten, statt in der von Berlin. Ich werde wieder einmal gehässig wie immer, wenn von so vielem Geld die Rede ist, und es ist an die Unrechte Stelle geraten.

Nämlich der Mercedesmann heißt: Schmielke! August Schmielke!! Ein bißchen viel auf einmal, nicht wahr? Hoffentlich hat er wenigstens einen Direktortitel von irgend- einer Aktiengesellschaft oder so etwas Ähnlichem, sonst denke ich mir den Moment des Vorstellens gräßlich!

Sie werden natürlich fragen, weshalb ich einen solchen Menschen empfange. Ja, mein lieber Herr von Sacrow, das hängt eben mit der betrübenden Entwicklung nicht nur Berlins,

sondern auch aller sonstigen Verhältnisse zusammen. Jur übrigen ist mein Mann immer noch Vormund der Eeckhenschen Kinder, und da dieser Herr Schmielke sich in hiesiger Gegend ankaufen will, gedenkt er ihm Heinrichswalde anzuhängen, damit die armen Würmer wenigstens ein bißchen für die Zukunft gesichert sind. Der verstorbene Eeckhen war auch einer von denen, die sich niemals einzuschränken verstanden.

Wenn das Wetter sich bis übermorgen hält, soll balcham- petert und im Freien gegessen werden. Überhaupt italienische Nacht mit Lampions, Feuerwerk und bengalischer Beleuchtung. Also es kann sehr nett werden übermorgen abend in Groß- Ouessendorf. Mit vielen herzlichen Grüßen Ihre alte Freundin

Fanny v. Ouessendorpf."

Frau Fanny warf die Feder auf die Platte des zierlichen Mahagonischreibtisches und reckte herzhaft die vollen Arme, so daß die weißen Spitzenürmel ihres rosafarbenen Morgenkleides bis zu den Schultern zurückfielen.Uff, ein Stück Ärbeit bei der Hitze! Und wenn ich dich nicht so lieb Hütte, Lirel! Aber da, lies mal erst selbst, was ich an Sacrow geschrieben habe, ehe ich den Brief dein Kutscher mitgebe."

Alix Prahlstorff, die mit dem letzten Modejournal in dein bequemen Schaukelstuhl zur Rechten des Schreibtisches kauerte, trotz der frühen Morgenstunde schon im eleganten Tennisdreß, streckte lebhaft die Hand aus:Du hast an Scarow ge­schrieben? Wie lieb von dir, Fanny!"

Na lies mal erst!" Und Frau Fanny langte nach einer der russischen Zigaretten, die in einein silbernen Kästchen auf dem Schreibtisch lagen, beobachtete, wie bei den ersten Zeilen über Alixens hübsches Gesicht ein leichtes Lächeln huschte, dann aber die feingeschwungenen, dunkeln Augenbrauen sich finster zusammenzogen. Und schließlich eine zornige Bewegung, als sollte der wappengeschmückte Briefbogen mitten durchgerissen werden. Da siel sie ihr in den Arm.Erlaube, lieber Schatz, dazu steckt in dem Schriftstück da denn doch zu viel diplomcu tische Arbeit!"

Alix war aufgesprungen, ihre feinen Nasenflügel Zitterten vor Erregung.Dann . . . dann wirst du vielleicht die Liebens­würdigkeit haben, mir zu erklären, was der Brief da be­deuten soll?"

Aber gern, Lixel, obwohl es eigentlich überflüssig ist, denn du scheinst ja recht gut verstanden zu haben. Morgen nach­mittag trifft Herr August Schmielke ein nebst Fräulein Schwester, nur sich nämlich Heinrichswalde anzusehen, na und da erschien

1906. Nr. 42.

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