etwas Berechtigtes oder auch nur Zulässiges will und mich durch seine Person und Charaktere von Anfang bis zu Ende zu fesseln weiß (...), ein gutes Stück ist“ (1880, I, 931), tritt er nicht nur für die Aufführung leichter Unterhaltungsspiele an der Königlichen Bühne ein (II, 256—257), sondern urteilt bei diesen „Amüsementstücken“ — solange sie sich „anspruchslos geben“ (II, 664) — im allgemeinen am mildesten, in der wohl durchaus traditionellen Einschätzung der Komödie als minderrangig.'* Es geht ihm zunächst um die komischen Effekte, das Geschick, die Virtuosität, mit der der Handlungsfaden geschürzt wird, und eine „liebenswürdige Heiterkeit“, die als Grundtendenz die Handlung begleiten muß (I, 805). An Gustav von Moser schätzt er zum Beispiel vor allem die Virtuosität, das von allen dramatischen Regeln ungebundene Spiel der Phantasie:
Noch nie hab ich ihn glänzender operieren sehen (als in Mädchenschwüre, L. G.). An Virtuosität schlägt es vielleicht alle (vorherigen Arbeiten, L. G.). Nichts ist neu, und alles ist verzerrt; von Lebenswahrheit keine Spur, und natürlich ebensowenig von folgerichtiger Entwicklung. Alles Willkür; nie Verlegenheit, was zu tun, weil alle Mittel gelten. Die Szene, der Moment herrschen souverän. (1878, I, 715, Hervorhebg. v. Fontane)
Neben der Virtuosität hebt er die „Liebenswürdigkeit“ als positive Eigenart von Lustspielen hervor. Er sieht sie in Erinnerung an Goethe durch die „Frische“ eines Stücks gewährleistet (I, 48), und diese Frische ist, wie er in einer frühen Rezension der Jugendliebe von Adolf Wilbrandt feststellt, gleichbedeutend mit „Gesundheit des Fühlens und Denkens, gei- stige(r) Beweglichkeit, Güte“, und nicht zuletzt auch mit „deutschem Humor und deutschem Gefühlsleben“ (1871, I, 48). Solche Eigenschaften lobt er an Autoren wie Wilbrandt, Ernst Wiehert und, in nie versiegender Begeisterung, Roderich Benedix, dem „wunderbaren, noch immer nicht genug geschätzten Lustspieltalent“, in dem „der gesunde Menschenverstand Triumphe feiert“ (II, 428). Der 1878 verstorbene Lustspielautor Benedix, der mit seinen zahlreichen Gestaltungen von Liebesmißverständ- nissen mit glücklicher Auflösung in der Ehe — gewissermaßen als Gegengewicht zur französischen Ehebruchskomödie (vgl. S. 173 ff.) — ein Bild idealisierter deutscher Bürgerlichkeit beschwor (darin oft imitiertes Vorbild der wilhelminischen Trivialliteratur), besitzt nach Fontane den Vorzug, „innerhalb seiner bescheidenen Sphäre den deutschen Ton und das deutsche Bedürfnis am besten getroffen“ zu haben. So lautet noch sein Urteil in einer seiner letzten Besprechungen, zu einer Zeit, da er schon mitten in der Auseinandersetzung mit dem naturalistischen Drama stand, und nachdem er schon selbst gerade diesen Ton in seinen Romanen problematisiert hatte oder zu problematisieren begann (so z. B. in Irrungen, Wirrungen, Frau Jenny Treibei und Elfi Briest). Freilich mischt sich hier auch Distanz in die Zustimmung; „An Sentimentalität wird einem in fast allen seinen Stücken (...) viel zugemutet“. (II, 656) r>
Entscheidend für die ästhetische Wirkung eines Lustspiels sind ihm weder allein „liebenswürdige Gesinnung“, noch auch die „komische Situation“. Das erstere ergibt sich schon aus seiner scharfen Kritik an solchen Lustspielen, in denen die „sentimentale Liebenswürdigkeit“ zum Hauptinhalt
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