geworden ist. Die wegen ihres großen Publikumserfolges fast alljährlich mindestens einmal angebotenen Lustspiele von Charlotte Birch-Pfeiffer (vor allem Mutter und Sohn, Die Grille, Dorf und Stadt und Die Waise von Lowood) sind ihm — wenigstens in den ersten Jahren — in ihrer „schlimmen Insipidität“ unerträglich. Es reicht für das Lustspiel jedoch auch nicht die bloße Situationskomik, wie er einmal in einer Unterscheidung zwischen Lustspiel und Schwank feststellt. Der Schwank, so Fontane, zielt auf die Komik der Situation, während das Lustspiel darüber hinaus die Wahrheit beziehungsweise Möglichkeit der Charaktere zu beachten hat (I, 96). So ziehen ihn denn auch an den Lustspielen der Birch-Pfeiffer mehr als deren „sentimentale Liebenswürdigkeit“ die Charaktere an, insbesondere der von Fanchon-Grille. Sie sind es letztlich, die ihm überhaupt einer Besprechung Wert scheinen. 0
Das „Amüsement“, das die Lustspiele bereiten, ihre ästhetische Wirkung, liegt — so wird deutlich — in der künstlerisch überzeugenden kontrastierenden Mischung der Elemente: Komische Situation — liebenswürdige Gesinnung — Charaktere. Das Medium, in dem diese Mischung unmittelbar und wirksam vollzogen werden kann, ist der Dialog. Er hat denn auch für Fontane — über das Lustspiel oder die Dramenproduktion allgemein hinaus — eine grundlegende Bedeutung (man denke nur an den letzten Roman Der Stechlin, in dem die Konversation die Handlung fast vollständig überlagert 7 ). Durch das Spiel von Rede und Gegenrede bietet der Dialog nicht nur Gelegenheit zur Herstellung komischer Situationen, sondern auch die Möglichkeit der Personencharakterisierung im bewährten Mittel des dialogischen Kontrastes. Die in den siebziger Jahren in Deutschland aufkommende Mode der „Plauderei“, des einaktigen Lustspielsketches, nach seinem französischen Vorbild auch „Proverbe“ oder „Cau- serie“ genannt, findet bezeichnenderweise in Fontane einem durchweg geneigten Kritiker. In seiner Besprechung der Plauderei von Otto Franz Gensichen übernimmt Fontane dessen Definition: „Eine Plauderei ist eine liebenswürdige Unterhaltung, begleitet von einem scheinbaren Nichts von Handlung und zugespitzt auf eine Schlußpointe“ — eine Definition, die, zumindest in ihrem ersten Teil, ohne weiteres auch auf die äußere Form seiner letzten Romane zutreffen könnte. Auch in der Plauderei Gensichens ist der in der „Pointe“ gipfelnde dialogische Kontrast von „Liebenswürdigkeit“ begleitet, und, wie Fontane im folgenden ausführt, mit Humor und Komik gepaart. Im allgemeinen sieht Fontane sonst dieses glückliche Zusammenspiel eher in den französischen Causerien gegeben, die zunehmend auch das Königliche Schauspielhaus eroberten, und die Fontane zu den „Konfliktstücken mit noch nie dagewesenen Situationen“ (S. 176) rechnet.
b) Das Französische Gesellschaftsstück
Der Krieg hatte dem französischen Einfluß auf das deutsche Theater keinen Einhalt geboten. Vor allem das sogenannte „Sitten“- oder „Gesellschaftsstück“, das im wesentlichen im ersten Dezennium des zweiten Empire florierte (einige Arbeiten waren ohne nachhaltigen Erfolg schon