Heft 
(1881) 295
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Jllustrirtc Deutsche Monatshefte.

Macht auch darin, daß sie mit mehreren der gewaltigen Unholde zugleich fertig werden. So vor Allem Zeus, dessen Kampf auf vier Platten fast ganz erhalten geblieben durch eine der wunderbaren Fügungen, an welchen das Unternehmen so reich gewesen ist. (S. Jllustr. S. 49.) Diese Gruppe mit fast entschiedenem Siege hat gewiß der Athena nicht fern gestanden der Vater nahe der Tochter, auch der Fundort weist darauf hin, wenn auch schon der inneren Verschiedenheit wegen aus der Entsprechung mehrerer Haupt­linien nicht gefolgert werden darf, daß Athena und Zeus als Gegenstücke gebildet waren. Mit stürmischer Bewegung schreitet der Gott, dessen mächtige Brust frei bleibt vom wallenden Mantel, nach links; seine erhobene Rechte schleudert den Blitz; der flammt nieder, und mit durchbohrtem Oberschenkel sinkt ein menschlich gebildeter, gewasfneter Gigant zusammen; die Linke des Donnerers schüttelt die Aegis, und vor ihm stürzt ein zweiter Gigant wie getroffen oder auch in Krämpfen zu Boden, während ein schlangenfüßiger Genosse, der uns den herrlichen Rücken zeigt, noch drohend den linken, vom Fell umhüllten Arm gegen den Gott erhebt, dem ein Adler zusliegt. Diesem Gegner scheint noch ein vierter aus der anderen Seite des Zeus entsprochen zu haben. Wohl an der gleichen Ostfa^ade brauste ein Viergespann geflügelter Rosse über ge­fallene Giganten hinweg; krampfhaft greift noch die Hand des einen Todten in die Harnischfransen seines Genossen, der noch erstarrt den Schild wie schützend über der Brust hält. Es scheint nach Analogie an­derer Gigantomachien wohl annehmbar doch nicht mehr!, daß dieses Gespann, etwa von Iris gelenkt, dem siegenden Zeus zueilte, um nach vollbrachtem Kampf den Gott wieder ansznnehmen; dennsie sel­ber, sie bleiben in ewigen Festen."* Unzweifelhaft gehört der Ostseite, und zwar ihrem südlichen Ende, eine Reihe von Platten an, welche in Handlung und

* Sollten wir einen Rest der Iris in dem wunderschönen Obertheile einer weiblichen Figur besitzen, bei welcher der halb erhaltene, seitwärts gewendete Kopf mit unvergleichlicher Anmuth dem Körper sich anfügt? Uebrigens bemerke ich, das; nach den Anschauungen des Alterthums auch der Athena daS Flügelgejpann gehören könnte.

Ausführung den zwei Hauptgöttern nichts nachgeben. Hier ist Alles Kampf, Span­nung und Erregung. Der Ecke zunächst streitet die dreigestaltige Hekate gegen einen gewaltigen Schlangengiganten, ihre linken Hände tragen Schild und Schwert­scheide, von ihren rechten führt die eine das Schwert, die zweite zückt eine Lanze, die dritte hoch erhobene fährt mit brennen­der Fackel dein Giganten entgegen; dieser, ein bärtiger Mann mit etwas geneigtem Haupt von trübem Ausdruck, erhebt in der Rechten einen Stein gegen die Göttin, seine linke Schlange ringelt sich mit ge­waltigem Reif empor und zischt mit gierig geöffnetem Rachen der Göttin entgegen, die rechte aber faßt mit wüthendem Biß in den Rand ihres Schildes; aber auch der Göttin sind ihre Thiere, die Hunde, gefolgt, und schon greift der eine mit scharfen Zähnen und Klauen tief in den Oberschenkel des Giganten. Hinter dieser Gruppe eilt ein jugendlicher gewappneter Krieger von vollkommener menschlicher Schönheit mit Schild und Speer einer anderen Göttin entgegen; der Kampf ent­brennt über einem älteren Schlangen­giganten, den ein zweiter Hund der Hekate umgerissen und im Genick gepackt hält; dahin greift der Geworfene angstvollen Ausdrucks mit der Rechten; der schwere Oberkörper ist ans den linken Arm ge­fallen, dessen Ellenbogen in malerischer Weise im Hintergründe verschwindet und der durch die Belastung gleichsam außer Dienst gestellt ist; bewnndernswerth er­scheint, wie das die gelösten und nur noch willenlos bewegten Finger ausdrücken. Aber noch leben die Schlangen; rückwärts zur Hekate ringelt sich die eine in mehr­fachen Bogen und saßt ihr Gewand, am herbeieilenden Jüngling gleitet sie un­schädlich vorüber, und das würde ihn als Genossen der Giganten auch dann kennzeichnen, wenn seine Gegnerin fehlte. Diese ist Artemis, kenntlich an ihrer typischen, amnuthig jugendlichen Erschei­nung, am kurz geschürzten Gewände und der Bewegung des Bogenspannens; ihr nacktes rechtes Bein von vollendeter Wahr­heit und Schönheit tritt mit energischem Schritt weit vor auf einen gefallenen Körper. Hinter ihr erscheint in ähnlichen Linien, nur uach der anderen Richtung gewendet, eine dritte weibliche Gottheit.