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Allerdings spricht hierbei der Kostenpunkt ein entscheidendes Wort mit, namentlich so lange die Eisenbahntechnik sich nicht von der althergebrachten Schablone trennt und die Fortschritte der Mechanik im Maschinen- und Betriebswesen, wie sie besonders in Amerika erreicht worden sind, beim Bau und Betrieb unserer Gebirgsbahnen berücksichtigt. Selbst in letzterer Richtung möchte es der modernen Technik von erheblichem Nutzen sein, wenn sich deren Vertreter die römischen Ingenieure zum Vorbild nehmen wollten. Wie diese in Bezug auf Richtung, Ein- theilung und Technik der Straßen unseren heutigen Fachmännern vielfach überlegen waren, da diese nicht immer die natürlichsten Tracen wählen und alle Verkehrswege, ohne Unterschied, ob sie Hauptoder Nebenbahnen, Thal- oder Gebirgsbahnen, bis in die neueste Zeit über einen und denselben Leisten construirten, während die römischen Baumeister ganz genaue Unterschiede festhielten, — ebenso konnten unsere Ingenieure und Eisenbahnbetriebsleiter in Bezug auf die Verkehrsarten, Belastungsmengen und Ausnutzung der Zugkraft lehrreiche Anregungen bei den römischen Fuhrleuten sich holen. Es klingt uns fast unglaublich, mit welcher verhältnißmäßig großen Raschheit und Präcision die römischen Fuhrleute zu operiren und den Anforderungen der Armee und eines sehr bedeutenden Verkehres zu genügen verstanden.
Aehnlich bauen und arbeiten die Amerikaner. Ohne Karten, ohne Wege, Stege und Führer, weit entfernt von den Wohnstätten cnltivirter Menschen, unter beständigen Gefahren und Sorgen für Leib, Leben und Gesundheit dringen dort die Ingenieure in die entferntesten Gegenden vor, um mit den Verkehrswegen den Machtbereich der Union auszudehnen und die Civilisation in die entferntesten Gebiete zu tragen. Unter Berücksichtigung aller Verhältnisse bauen sie Eisenbahnen rasch, billig und zweckmäßig, den vorhandenen Mitteln und den nächsten Bedürfnissen entsprechend. Sie banen Eisenbahnen durch unabsehbare Prairien, durch wüste Einöden, über die höchsten Gebirge, von einem Ocean zum anderen. Indem sie
che Monatshefte.
den natürlichen Entwickelungen nachgehen, scheuen sie sich auch vor großen Steigungen der Bahn nicht, da die Anwendung specieller Systeme, die Verbesserung der Maschinen, die rationelle Zugsbewegung und die sorgsame Ausnutzung des Rollmaterials die Sicherheit, Regelmäßigkeit und Oekonomie des Betriebes wie die Befriedigung aller billigen Anforderungen an die Leistungsfähigkeit garantiren. Mit dem steigenden Verkehr geht die Ausstattung des Bahnkörpers Hand in Hand, während bei vielen unserer Bahnen die Bahnanlage dem Verkehrsbedürfniß vorauseilt.
Das Letztere gilt auch zum Theil von unseren Alpenbahnen. Unsere Ingenieure müßten eben weniger generalisiren, weniger nach der Schablone, dem Schema, dem Regulativ arbeiten, weniger mit Wahrscheinlichkeiten, Möglichkeiten und Wünschen calcnliren, sondern mehr das Noth- wendige berücksichtigen, die Bauart nach den wirklichen Bedürfnissen einrichten, die Anlagekosten durch Verbesserung der Zugkraft vermindern und die Technik des Betriebes nach den Grundsätzen einer vernünftigen, weisen und sparsamen Wirth- schaftspolitik resormiren.
Unsere Techniker und Eisenbahnpolitiker sind in der Regel keine Nationalökonomen, daher kommt es, daß wir wenn nicht zu viel, so doch zu theuer gebaut haben. Zu viel Eisenbahnen haben wir wohl hier und da im Flachlande oder im minder schwierigen Terrain, dagegen entschieden zu wenig in den Gebirgen, namentlich in den Alpen.
Sollen demnach die begangenen Fehler vermieden, die Aussichten des internationalen Verkehres gehörig verwerthet und ausgebeutet werden, so müssen wir den Alpenbahnen unser Augenmerk zuwenden und eine Bau- und Betriebsart zur Anwendung bringen, welche den Bedürfnissen entspricht und die Völker, auf deren Kosten die Verkehrswege errichtet und unterhalten werden, nicht drückend belastet. Müssen wir doch bedenken, daß die Alpenbahnen den ihnen zugesprochenen Haupthandelszug aus dem Orient deswegen nicht erhalten oder behaupten, weil ihnen in den Balkanbahnen überlegene Concurrenten erstehen werden.
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