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Jllustrirte Deutsche Monatshefte.
sich etwa das Bild jener Zeiten theilweise erneuern kann. Nun aber treten ergänzend Abbildungen hinzu, welche eine deutlichere Vorstellung gestatten. Und ein Zusammenhang des ganzen Lebens jener alten Tage kann schließlich nur an der Hand der Dichter wiederhergestellt werden, welche in behaglich breiter Darstellung die Sitten jener Zeit schildern.
Das etwa sind die Mittel für die Vergegenwärtigung des 12. und 13. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung.
Aus diesem Material hat der Kunsthistoriker ein prächtiges Mosaik zusammcngestellt, welches uns die Sittengeschichte jener Tage in einer Fülle kleiner Bilder veranschaulicht. Hierbei war er leider mehr auf dichterische Darstellungen angewiesen, als wünschenswcrth gewesen ist. Der Ueberreste und Abbildungen sind, wie wir sagten, wenige, und auch von diesen hat er nur den kleineren Theil einsehen können. Daher konnte das Werk die Grundlage der Kunstdenkmäler nicht so zum Ausgangspunkt wählen, wie nöthig gewesen wäre, um ganz sichere Resultate zu gewinne». Dazu scheint uns der Verfasser in Bezug auf die Benutzung dichterischer Stellen doch zuversichtlicher verfahren zu sein, als die Natur solcher Quellen gestattet.
Das vortrefflich ausgestattete Buch enthält in 111 Holzschnitten Abbildungen von Resten mittelalterlicher Gebäude und Geräthe, und man empfängt hierdurch eine außerordentlich werth- volle Veranschaulichung. So füllt es auf würdige Weise eine bedeutende Lücke auf dem immer noch so vernachlässigten weiten Gebiet der Culturgeschichte aus.
W. Jordan's Nibelungen. Erstes Lied. Sigfriedsage. Zehnte Auflage. (Frankfurt a.M., W. Jordan's Selbstverlag.) Es genügt, mit- zutheilen, daß diese neue zehnte Auflage vorliegt; denn das Urtheil über dieses Werk des
Verfassers hat sich seit lange festgcstellt. Als Rhapsode ist Jordan von Stadt zu Stadt gezogen, sein Epos vorzutragen, und der bedeutende Erfolg, den dieser Dichter-Rhapsode überall erwarb, ist eine Thatsache. Zartes und Starkes, Erhabenes und Liebliches folgen in buntem und doch natürlichen! Wechsel einander in diesem Epos.
Noma Capitale. Römische Lebens- und Landschaftsbilder von Rudolf Kleinpaul. (Leipzig, F. A. Brockhaus.) Bunte Bilder, welche wohl ans fcuilletonistischen Arbeiten entstanden sind und unter denen wir besonders Darstellungen socialer Verhältnisse in der merkwürdigen Stadt wie die über Santo Spirito und über die italienischen Todtenbrüderschaftcn mit Vergnügen gelesen haben.
Pathologie der Bevölkerung. Von Eduard Reich. Studien über menschliche Gebrechen und deren Bedeutung für das Leben des Einzelnen und der Gesellschaft. (Berlin, Verlag von Theobald Grieben.) Der Verfasser des vorliegenden Werkes verfolgt unermüdlich die Beziehungen zwischen dem psycho-physischen Leben des Individuums und der Gesellschaft. Nachdem er in einem früheren Werke die allgemeine Theorie vom Leben des Individuums zu dem der Gesellschaft in Beziehung gebracht hat, somit die Physiologie der Gesellschaft gewissermaßen ausgestellt, behandelt er in dem vorliegenden Werke die Pathologie; und sieht man einmal von dem Mangel gründlicher philosophischer Wissenschaft ab, so machen die umfassende Kenntniß von hier in Frage kommenden Thatsachen, welche ihm zu Gebote steht, die lebhafte Begeisterung, welche Reich der großen Aufgabe der Gesellschaft entgegcnbringt, auch dieses Buch zu einer interessanten Lectüre.
LW
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