Heft 
(1881) 297
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Jllustrirte Deutsche Monatshefte.

sich etwa das Bild jener Zeiten theilweise er­neuern kann. Nun aber treten ergänzend Ab­bildungen hinzu, welche eine deutlichere Vor­stellung gestatten. Und ein Zusammenhang des ganzen Lebens jener alten Tage kann schließ­lich nur an der Hand der Dichter wieder­hergestellt werden, welche in behaglich breiter Darstellung die Sitten jener Zeit schildern.

Das etwa sind die Mittel für die Ver­gegenwärtigung des 12. und 13. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung.

Aus diesem Material hat der Kunsthistoriker ein prächtiges Mosaik zusammcngestellt, wel­ches uns die Sittengeschichte jener Tage in einer Fülle kleiner Bilder veranschaulicht. Hier­bei war er leider mehr auf dichterische Dar­stellungen angewiesen, als wünschenswcrth ge­wesen ist. Der Ueberreste und Abbildungen sind, wie wir sagten, wenige, und auch von diesen hat er nur den kleineren Theil einsehen können. Daher konnte das Werk die Grundlage der Kunstdenkmäler nicht so zum Ausgangs­punkt wählen, wie nöthig gewesen wäre, um ganz sichere Resultate zu gewinne». Dazu scheint uns der Verfasser in Bezug auf die Benutzung dichterischer Stellen doch zuversicht­licher verfahren zu sein, als die Natur solcher Quellen gestattet.

Das vortrefflich ausgestattete Buch enthält in 111 Holzschnitten Abbildungen von Resten mittelalterlicher Gebäude und Geräthe, und man empfängt hierdurch eine außerordentlich werth- volle Veranschaulichung. So füllt es auf wür­dige Weise eine bedeutende Lücke auf dem immer noch so vernachlässigten weiten Gebiet der Culturgeschichte aus.

W. Jordan's Nibelungen. Erstes Lied. Sigfriedsage. Zehnte Auflage. (Frankfurt a.M., W. Jordan's Selbstverlag.) Es genügt, mit- zutheilen, daß diese neue zehnte Auflage vor­liegt; denn das Urtheil über dieses Werk des

Verfassers hat sich seit lange festgcstellt. Als Rhapsode ist Jordan von Stadt zu Stadt ge­zogen, sein Epos vorzutragen, und der bedeu­tende Erfolg, den dieser Dichter-Rhapsode über­all erwarb, ist eine Thatsache. Zartes und Starkes, Erhabenes und Liebliches folgen in buntem und doch natürlichen! Wechsel einander in diesem Epos.

Noma Capitale. Römische Lebens- und Landschaftsbilder von Rudolf Kleinpaul. (Leipzig, F. A. Brockhaus.) Bunte Bilder, welche wohl ans fcuilletonistischen Arbeiten entstanden sind und unter denen wir besonders Darstellungen socialer Verhältnisse in der merk­würdigen Stadt wie die über Santo Spirito und über die italienischen Todtenbrüderschaftcn mit Vergnügen gelesen haben.

Pathologie der Bevölkerung. Von Eduard Reich. Studien über menschliche Gebrechen und deren Bedeutung für das Leben des Ein­zelnen und der Gesellschaft. (Berlin, Verlag von Theobald Grieben.) Der Verfasser des vorliegenden Werkes verfolgt unermüdlich die Beziehungen zwischen dem psycho-physischen Leben des Individuums und der Gesellschaft. Nachdem er in einem früheren Werke die all­gemeine Theorie vom Leben des Individuums zu dem der Gesellschaft in Beziehung gebracht hat, somit die Physiologie der Gesellschaft ge­wissermaßen ausgestellt, behandelt er in dem vor­liegenden Werke die Pathologie; und sieht man einmal von dem Mangel gründlicher philoso­phischer Wissenschaft ab, so machen die um­fassende Kenntniß von hier in Frage kommenden Thatsachen, welche ihm zu Gebote steht, die lebhafte Begeisterung, welche Reich der großen Aufgabe der Gesellschaft entgegcnbringt, auch dieses Buch zu einer interessanten Lectüre.

LW

Unter Verantwortung von Friedrich Westernmnn in Braunschweig. Redacteur: vr. Gustav Karpeles. Druck und Vertag von George Westermann in Braunschweig.

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