Heft 
(1881) 297
Seite
399
Einzelbild herunterladen

399

Literarische Notizen.

die aber nicht als eine , Landkarten-Beschrei­bung' höherer Ordnung aufgefaßt sein will; der dcscriptive Theil des Werkes soll vielmehr die plastische und klimatische Eigenart der ein­zelnen Länder vorführen, er soll durch Zeich­nung und Farbe die zu durchwandernden Ge­biete dem Leser vermitteln und sodann auf dem so gewonnenen Hintergrund die bedeutsamsten Ereignisse summarisch abrollen, mögen dies nun Bilder der Geschichte oder eigenartige Cnlturkundgebungcn oder Bilder aus dem Völkerleben älterer und neuester Zeit sein." Vorzügliche Illustrationen, von denen das Bild von Konstantinopcl nur eine Probe geben soll, erläutern den populär geschriebenen Inhalt des Buches, dessen Autor bekanntlich einer der ersten Kenner des Orients ist.

Beide Bücher, sowohl die Geschichte der Nordpolfahrten von Hellwald wie die Schilde­rung des Orients von Schweiger-Lerchenfcld, nehmen unter den illustrirteu Reisewerken einen hervorragenden Rang ein. Es ist kein Text, der zu Illustrationen geschrieben worden, son­dern die Illustrationen sind um der wissen­schaftlichen Arbeit willen da und sollen sie erläu­tern und verdeutlichen. Es verdient das gegen­wärtig besonders hervorgchoben zu werden.

Die Erde in vierniidpvansig gemeinverständ­lichen Dorträgen über die allgemeine Erdkunde. Von Friede. Ratzel. (Stuttgart, I. Engel- Horn.) Ein geographisches Lesebuch nennt unser geschätzter Mitarbeiter sein neues Werk. Es verdankt sein Entstehen zwanzig Vorträgen, welche derselbe in einem sogenannten Frauen- curse zu München 1878 gehalten hat. Diese Vorträge wurden, wie die Vorrede sagt, des faltenreicheren Vortragsgewandes entkleidet; da­für sind sie reicher an Thatsachcn und breiter in manchen Ausführungen geworden und sollen in dieser Form ein Buch zum lesenden Lernen vorstellen. Ratzel hat seine Absicht vollständig erreicht und in einfacher und leichtverständlicher Weise das ganze Gebiet der mathematischen und physischen Geographie vorgeführt. Aus­

gehend von der Erde als Stern unter den Sternen, werden nach einander die geologischen Grundlagen, die vulcanischen Erscheinungen, die Vertheilung von Land und Wasser, die Hydrographie, die Luft- und Dunsthülle, die Verbreitung des Lebens auf der Erde und schließlich der Mensch behandelt. Eine Reihe von Abbildungen und Specialkarten erleichtern das Verständniß. Die großen Fortschritte, welche die physische Geographie in den letzten Dcccnnien gemacht hat, werden sich aus diesem vortrefflichen Werke leicht erkennen lassen.

Deutsche Rundschau für Geographie und Sta­tistik. Unter Mitwirkung hervorragender Fach­männer herausgegcben von Prof. I)r. Karl Arendts in München. (Wien, Hartlebcn.) Die sich mehrende Zahl der geographischen Zeitschriften beweist am besten das immer mehr zunehmende Bedürfniß nach denselben. DieDeutsche Rundschau für Geographie und Statistik" hat sich die Aufgabe gestellt, den weiten Kreis geographischer Kenntnisse und die neuesten Fortschritte und Entdeckungen ihren Lesern darzustellen. In der allge­meinen Abtheilung bringt sie größere Auf­sätze aus allen Zweigen der Geographie mit Illustrationen und Karten. So giebt der zweite Jahrgang eine auf die neuesten For­schungen sich stützende Karte Centralasiens von 1)r. Chavanne, deren technische Ausführung leider zu wünschen übrig läßt, während die anderen Karten gut ausgeführt sind. Es folgen Mit­theilungen aus der Astronomie und physikali­schen Geographie, ans der politischen Geogra­phie und Statistik, über Handel, Bergbau, Industrie, Landwirthschaft und Verkehrsanstal­ten. Sehr erwünscht sind die mit Bildern ge­schmückten Biographien berühmter Geographen, Naturforscher und Reisenden, denen sich eine geographische Nekrologie anschließt. Den Schluß jeder Lieferung bilden kleinere Mittheilungen und Besprechungen neuer Bücher. Der Inhalt ist sehr reichhaltig, und die Namen der Mit­arbeiter bürgen für den Werth desselben. Ein­zelnes hcrauszugreifen, würde uns zu weit führen. Wir wünschen der Zeitschrift guten Erfolg.

Literarische Notizen.

Das höfische Leben ?ur Zeit der Minne­sänger. Von vr. Alwin Schultz. Mit 111 Holzschnitten. (Leipzig, Verlag von S. Hirzel.) Der bekannte Kunsthistoriker hat mit diesem Werke der Culturgeschichte einen guten Dienst geleistet. Wohl sind die Denkmäler der kirchlichen Kunst aus den Tagen des Mittel­alters vielfach benutzt und zur Darstellung ge­

bracht worden; anders verhält es sich mit denen der weltlichen Kunst. Nur Weniges und sehr Trümmerhaftes von derselben hat sich erhalten. Von den alten Schlössern sind nur Ruinen übrig geblieben, aus den Städten hier und da ein Bürgerhaus des Mittelalters. Dazu in Museen und Kirchenschätzen zer­streute Geräthe, durch deren Anschauung man