Das verlorene Paradies.
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zurückgebend, —- „zu Helsen, wenn wir ihren Mann bewögen, daß er sich bekehrte, daß er wiederkäme und Liebe mit einer Liebe erwiderte, die vielleicht ebenso unvermerkt in ihm glimmt wie in ihr!"
„Das ist nicht möglich, bester Herr Gras! Ein Manu, der solch' ein Weib so lange verkannte, ist unverbesserlich. Und wie sollen wir uns ihm, anfdrängen? Wer gibt uns das Recht der Einmischung in diese innerste Angelegenheit seines Hauses und Herzens?"
„Vielleicht treffen wir ihn doch irgendwo zur rechten Stunde und öffnen ihm die Augen, wenn wir Beide uns nur recht sest zu diesem Zwecke Verbünden. Wollen Sie das? Ich bin bereit. Schlagen Sie ein!"
Der Professor erhob sich und ergriff die dargebotene Hand. Es war ein feierlicher Moment, wie sich die beiden wohldenkenden Männer, so leidenschaftlich zu dem guten Werke verbrüderten.
„Da wir Beide uns nun wieder ein Stückchen naher gerückt sind," sagte der Graf, „so erlauben Sie mir noch eine Frage. Ich habe mich nie nach Ihrer Familie erkundigt, noch Sie nach der meinigen. Sind Sie verheirathet?"
„Allerdings! — Erst seit drei Jahren, — und sehr glücklich dazu. Meiner Frau einziges Leidwesen sind diese Ferieureisen, diese Vortragsfahrteu, die mich so oft und lang von Hanse entführen und gerade zu einer Zeit, wo ich mich der Häuslichkeit am schönsten widmen könnte. Allein es ginge nicht an, die Frau aus Reisen mitzunehmen, bei denen ich keinen Tag mir selbst gehöre, und wenn Sie, lieber Graf, jemals Wandervorträge halten sollten — dem: nächstens tragen alle Stände vor — rathe ich Ihnen gleichfalls dringend: Ihre Frau Gemahlin zu Hause zu lassen. Aber sind Sie denn überhaupt verheirathet?"
„Allerdings! — Nur leider nicht ganz glücklich. Doch beschloß ich gerade darum, meine Frau in Zukunft aus meine Arbeitsreisen mitzunehmen. Und wenn Sie, lieber Professor, jemals politische Reisen machen sollten, sei es zum Landtag, zur Enquete oder in irgend welcher Mission — denn nächstens ist ja Jedermann ein Staatsmann — dann rathe ich Ihnen gleichfalls dringend: lassen Sie sich von Ihrer Frau begleiten."
Unter diesem Gespräch kehrten sie der Mosaik den Rücken, ohne sie überhaupt nur ordentlich angesehen zu haben, und gingen gegen die Villa hinab.
Halbwegs, als sie eben um die Ecke des Laubgangs bogen, kam ein Franen-Paar von drüben ans sie zu.
Der Professor blieb wie angewurzelt stehen und hielt den Grasen am Arme zurück. „Unmöglich!" rief er — „und doch! Sie ist es! sie selber!"
Er hatte kaum das Wort gesprochen, als Frau von Bechen schon vor ihm stand und ihn freundlich begrüßte, indeß der Gras auf der einen, die englische Gesellschaftsdame aus der andern Seite gleicherweise zurücktraten.
„Ich bin um einen Tag früher heimgekehrt, als ich vorgehabt," fügte die Dame dem Gruße hinzu, „und freue mich nun herzlich dieses kaum
Nord und Süd. XI, 25 . 3