Heft 
(1879) 25
Seite
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-- Erinnerungen an Alexander petöfi. 5 s

wuchs ungrischer Barone, daß Versäumtes nachgeholt, Fehlendes erworben, Erworbenes behauptet und ergiebiger gemacht werden müsse. Was da faul war am Staate, das wollte man ausbrennen mit schleuniger Schonungslosigkeit; der Knecht sollte zum Bürger Heranreisen; die große Reformation nach jeder Richtung beginnen; man sah dem anrückenden Reichstag wie einem tiefernsten, eutsündigenden Buß- und Opserfest entgegen. Gleich den entthronten Franken­kaisern der Vorzeit hatte man die lateinische Sprache zu den Mönchen in's Kloster verbannt; wie Voreinst das magyarische Schwert, sollte von nun ab das magyarische Wort weithin tönen. Ein nationaler Dichter, Alexander Petöfi war plötzlich in die Erscheinung getreten. Sein Ruhm wuchs wie Gras über Nacht; im Salon wie auf der Straße, am Spinnrad, in Mühlen und Schenken, auf dem Ackerfelde und in den Casernen erklangen die Lieder des begnadeten Jünglings. Schon in Deutschland war mir das Unmittelbare feiner Strophen eine hohe Wonne gewesen; nun vernahm ich zu Budapest, daß es ihm begehrenswerth scheine, zwischen uns einen persönlichen Verkehr anzubahuen. Sein Wunsch deckte den weinigen, und ich harrte somit unge­duldig des Musenlieblings, wie eines Glücks, welches gütige Sterne mir bescheiden mochten.

Ich wohnte im Hotel zurKönigin von England" und schwelgte in der märchenhaft bestrickenden Aussicht. Buntbewimpelte Fruchtschiffe, rauschende Dampfer und tanzende Nachen bedeckten die blaue Donau, in deren Wogen sich stolze Paläste spiegelten. Ach, und sah ich erst nach Ofen hinüber, nach der lieblichen Margaretheninsel, welcher der reckenhafte Strom wie seinem Zarten Bräutchen hosirte, sah ich die bacchantisch bekränzten Höhen, die malerisch gelegene Wasserstadt, die historische Veste und den ernsten Gerhardsfelsen, der kleine, ärmliche Hütten gleich Schwalbennestern willig beherbergte, da feuchtete sich mein Auge, und ich stammelte: welch' ein Schauspiel!

Ein herzhaftes Pochen an der Thüre weckte mich aus meinen Träumen. Herein trat schwungvollen Schrittes ein unbefangener, schmächtiger Jüngling. Seine Stirne war hochedel, sein Haar verworren, im Auge sprühte das echte Poctenfeuer, die Napoleonische Farbe der Wangen verrieth den Choleriker, der Stutzbart über trotzig geworfener Lippe gab dem schwermüthigen Gesichtchen einen unternehmenden, fast kecken Ausdruck, die Hände, seit Jahren dem schützenden Ziegenleder entfremdet, waren bedeutend gebräunt; er trug einen enganschließenden Schnurenrock, der Hals war frei, der Hemdkragen wie bei deutschen Burschenschaftlern umgekippt, im Knopfloch, nahe dem Herzen, prangte das wahre Ordenszeichen des Frühlings und der Minne ein unschuldiges Rosenknöspchen.

Sie sind Alexander Petöfi," rief ich, freudig auf ihn zueilend,die Schilderung Ihrer Persönlichkeit ist genau nach dem Original."

Ich grüße Sie auf vaterländischem Boden. Es liegt mir so Manches auf dem Herzen, worüber ich gern ausführlich sprechen möchte; aber wie verständigen wir uns gegenseitig am schnellsten? Auch darin hat Gott gnädig