Heft 
(1879) 25
Seite
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Lmile Augier.

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behaglichen Wohlstand und der Tochter dereinst eine schöne Mitgift zu erwerben; aber er thut nicht das Geringste, um seiner jungen Frau, die sich vom Leben eine idealere Vorstellung gemacht hat und einigen harmlosen Schwärmereien nachgeht, das Dasein zu erheitern und zu verschönern. Es ist wohl möglich, daß er im Innern seines Herzens seine Frau als seine Lebensgefährtin respeetirt, er verkehrt jedoch mit ihr wie mit seiner Haushälterin, die nebenbei noch die Mutter seines Kindes ist. Gabriele hat nicht Unrecht, wenn sie sagt: Ich bin sür ihn nichts weiter als die nothwendige Ergänzung seines Haus­standes und diene ihm lediglich dazu, nicht mehr Junggeselle zu sein."

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Während ihre Gedanken nach den Sternen am Himmel schweifen und sich all den Düften des Frühlings auf Erden berauschen, zerrt er sie durch Ausbrüche der brutalsten Nüchternheit in die gemeine Wirklichkeit herab und klagt darüber, daß an seinem Hemd ein Knopf fehlt. Er ist überdies bis­weilen auch ziemlich tactlos. Als er seinen Aerger darüber äußert, daß seine Frau das abgegriffene schmutzige Gesetzbuch, das im Salon liegen geblieben war, in eine Schublade gelegt habe, und diese darauf entgegnet, sie habe durch das fettige Buch die seidnen Möbel nicht beschmutzen lassen wollen, antwortet er: ,.6'sst muss gnil 68t N'L8 gus tou uisubls 68t äs sois."

Ja, er sagt seiner sensitiven Frau sogar, daß, wenn sein Einkommen sich fort und fort wie irr den letzten Jahren vermehrt, sie sich dann den Luxus gönnen könnten, die Familie zu vermehren.

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Im Vertraulichen Gespräche mit seiner Frau findet er keinen besseren Gegen­stand der Unterhaltung als den seiner Berufsthätigkeit. Er erzählt ihr von Processen, die er führt, und wundert sich, wenn Gabriele dabei gähnt; und nberkommt ihn null einmal eine weiche, edlere Regung, findet er beim Anblick seiner Tochter die rührenden, ja ergreifenden Accente der Vaterliebe, treten ihm die Thränen in die Augen, wenn er das hübsche, kleine Mädchen ansieht und streichelt, so schämt er sich gleichsam dieser Weichherzigkeit und hat förmlich Angst davor, seiner Frau zu verrathen, daß er bisweilen noch an Anderes denkt als an sein Bureau und seine Acten. So gelingt es ihm denn, sich Gabrielen, die keineswegs eine verschrobene und von krankhafter Poesie behaftete Person ist, sich völlig zu entsremdeu. Er vernachlässigt seine Frau in gemüthlicher und seelischer Beziehung vollkommen, beschäftigt weder ihr Herz noch ihren Geist und bereitet, man könnte sagen: geflissentlich, die Schuld seiner Frau vor. Als sich nun dieser mit ihrem Loose unzufriedenen und vom täglichen Einerlei gelangweilten, fein angelegten Natur ein junger Mann naht, der sie wirklich liebt, der für ihre zarteren Regungen ein volles Ver- ständniß zu besitzen scheint, ihre Schwärmereien begreift und theilt, da erscheint die Katastrophe unvermeidlich.