Heft 
(1879) 25
Seite
118
Einzelbild herunterladen

F. Reuleaur in Berlin.

U8

als Rohstoffe zur Herstellung von Geräthen dienten, so oft in Anhäufungen vor, daß wir zu der Annahme gedrängt worden sind, darin Werkstattabfall zu erblicken. Es waren also Einzelne, die sich mit der Geräthherstellung und anderen handwerklichen Arbeiten befaßten. Dabei werden wir indessen schwerlich an freie Arbeit zu denken haben, vielmehr entweder Sclavenarbeit oder, nach Analogie mit dem, was bei wilden Völkern beobachtet worden, den gezwungenen Fleiß der Gebrechlichen, der Krüppel, Lahmen und Siechen voraus­setzen müssen. Die Starken, Gesunden giengen hinaus zur Jagd, auch wohl oft zu Kampf und Streit, die Bresthaften daheim mußten schwere, mühsame Arbeit verrichten, aber auch solche, welche Verstandesschärfe beanspruchte, und sie sannen Kluges und Nützliches aus, wurden kunstfertig, auch geschickt im Helfen bei Verwundung und Krankheit, machten sich dadurch unentbehrlich, kurz hoben ihre sociale Stellung ; und so dürfen wir denn früh den merkwürdigen Prozeß beginnen sehen, welcher eme Ausgleichung bildet beim Menschengeschlecht gegen das durch seine materialistische Härte uns abstoßende Gesetz der Darwinischen Lehre, die Ausgleichung durch geistige Vorzüge, den mit leisein Hauch heran­wehenden Grundsatz der Gleichheit der Menschen vor der Menschheit.

In den durch viele Jahrtausende sich hinzichenden Zeiten, in welchen der vorgeschichtliche Mensch in der Steinzeit herauflebte zu den Fähigkeiten, welche ihn in die Geschichte einrückten, sind zahlreiche Erfindungen auf dem mach malen Gebiete gemacht worden. Man lernte die Thierwolle und Pflanzenfaser zu Fäden drehen bis zu der Gleichmäßigkeit, welche ihre Verbin­dung, zuerst zu Flechtwcrk, zu Netzen, dann zu Geweben, ermöglichte. Das gewebte Kleid ersetzte nach und nach die Hülle von Thierhäuten. Aus dem rollenden Baumstamm formte man die Walze zum Fortschaffen schwerer Lasten, aus der Walze in langsamem Fortschritt das rohe Wagenrad, darauf den Wagen selbst, lernte das Pferd zähmen und zum Lastträger und Zug­thier ausbilden. Die thönernen Töpfe, entstanden aus dem mit Lehm aus­geschlagenen Nuthengeslecht, die man zuerst mit der bloßen Hand auf ebenem Boden knetete und mit den Fingern mühsam dünnwandig bildete, so daß wir an zahllosen Fundstücken noch heute die Eindrücke der Finger und Nägel sehen können, diese Töpfe lernte man auf der Drehscheibe Herstellen. Wir kennen einzelne äußerst rohe Anfänge dieser merkwürdigen Urmaschine und sehen noch heute bei einzelnen Völkern niedrig ausgebildete Formen derselben in Gebrauch, Man schuf sich Waffen von mancherlei Art und Verwendung, zunächst solche zum Schlageu und Stechen, dann zum Wurf aus freier Hand, dann zum Schleudern mit der Leine, dann zum Fortschnellen mit dem Bogen.

Halte man diese flüchtige Auszahlung nicht für eine willkürliche Aneinander­reihung, geordnet nach leichten Schlußfolgerungen, vielmehr für Andeutungen einer großen Reihe von Resultaten peinlich genauer Forschung, welche die vorgeschichtliche Wissenschaft mit langsamen Schritten geliefert hat. Von der Vorsicht, mit welcher jeder einzelne Schritt gemacht werden muß, nur ein Beispiel. Oskar Peschel, der treffliche, leider der Wissenschaft auch viel zu früh