Alfred Meißner in Bregenz.
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erlasse, kam Neptun an die Gräfin heran, fletschte aber gleichgiltig die Zähne dabei.
„Hui, was für ein böser Hund!" rief das Mädchen, aus ihren Thränen heraus finster auf die Danie blickend. „Er ist wie ein Wolf.über mein armes Hansel hergesallen . . . . "
Der Gras hatte sofort in die Tasche gegriffen. „Kind, Kind", sagte er, „Rehe aufziehen ist recht hübsch — aber —- Thierchen sind immer in Gefahr — früher oder später kommt ein Fleischerhund drüber! Diesmal war's ein Neufoundländer. Wohl selbst gefunden im Walde — im Winter dem Hause nahe gekommen — mit Brot und Milch aufgezogen —- das Thierchen sehr liebgewonnen? Bedaure den Schaden, den Neptun angerichtet. Wie ihn taxiren? Wie vergüten? Wirklicher Werth sehr gering, aber xrstinnr nll66t1oni8 sehr groß! Nun, laß mit diesem Thaler den schnöden Mord gesühnt sein — morgen trägst Du Dein Reh in die Stadt zum Wildpret- händler und erhältst auch etwas!"
„Behalten Sie Ihr Geld!" entgegnete die Kleine zornig. „Mir ersetzen Sie damit das Thierchen nicht. „O, das brave, liebe, treue Ding!" ries sie, das Rehlein noch leidenschaftlich liebkosend, indeß Helle Thränen aus ihren Augen brachen.
Da hob das Thier noch einmal das zierliche Köpfchen — noch einmal läutete die kleine Schelle, die es am Halse trug, ein winziges Todteuglöcklein, dann streckte es sich; sein kleines Leben war entflohen. Das braune, seidenweiche Fell war mit Blut übergossen.
„Da Mädchen, nimm!" wiederholte der Graf.
Aber das Mädchen fuhr empor.
„Geld kann nicht Alles wieder gut machen!" sagte es und finster vor sich hersehend, eilte es einem unfern gelegenen Häuschen zu.
„Geld kann nicht Alles wieder gut machen!" wiederholte die Gräfin. „Das hätte die größte Künstlerin nicht besser sagen können. Gehen wir, sonst kommen noch Vorwürfe von anderer Seite!"
„Dummer Stolz armer Leute!" sagte der Graf und steckte sein Geldstück wieder ein.
Die Gesellschaft setzte sich in Bewegung.
Ich aber zog in aller Stille ein Beutelchen, das ich bei mir trug, hervor, und legte es unbemerkt mit seinem allerdings nur mäßigen Inhalt neben das todte Thier. Ich wußte doch, daß das Mädchen es demnächst abholen werde.
An diesem Nachmittage wurde noch allerlei unternommen und sehr viel von Kunst gesprochen.
Aber Alles ging an mir vorüber. Mittendurch erschien vor mir immer wieder das Bild des stolzen, zornigen, weinenden Mädchens. Die kleine Idylle vom Waldkind mit dem Reh, die mir entgegengetreten, war echt und