Heft 
(1880) 37
Seite
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William Isarvey.

haben; denn einige Jahre nach der Veröffentlichung, im Jahre 1632, ward Harvey zum ordentlichen Leibarzte des Königs ernannt. Und dieser unter­stützte und ermunterte ihn sogar persönlich auf jegliche Weise, selbst durch Gegenwärtigsein bei seinen Versuchen, am meisten aber dadurch, daß er ihm trächtige Thiere aus seinem Wildparke gewährte, damit er seine zweite Lebensaufgabe, die er nunmehr in fast ausschließliche Bearbeitung für die nächsten dreiundzwanzig Jahre seines Lebens nahm, durchführen könne.

Freilich ward Harvey von nun ab oft durch sein Hofamt, das ihn verpflichtete, den König täglich zu besuchen, und durch anderweitige Aufträge des Hofes von seinen Studien abgezogen. So ward er z. B. zum Reise­begleiter des jungen Grafen Lennox bestimmt. Auch mußte er 1633 den König nach Schottland begleiten. Die während des Hoslagers daselbst ver­anstalteten rauschenden, ununterbrochenen Festlichkeiten waren aber nicht nach des ernsten Forschers Sinn. Um ihnen zu entgehen, und seiner großen Liebe zur Natur nachzuhängen, machte deshalb Harvey einen Ausflug nach den: Baß Rock im Frühe os Ford, wobei er zugleich seine naturhistorischen Kenntnisse bereicherte, wie aus der Beschreibung hervorgeht, welche sich in seiner Entwicklungsgeschichte findet.

Für die Dauer seiner Abwesenheit von London hatte man einen 1)r. Smith mit der Wahrung seiner Stellung am Bartholomäushospitale betraut. Um ihn von den Hospitalgeschäften fernerhin ganz zu befreien, gaben ihm die Governors nach seiner Rückkehr, gewiß ein Zeichen der Werth­schätzung, die er sich bei diesen erworben hatte, einen Assistenten in der Person eines Ur. Andrew und beließen ihm trotzdem seine voller: Gehalt­bezüge.

Wie sehr Harvey auch als Anatom geschätzt war, geht daraus hervor, daß er im Jahre 1635 vom Grafen Arundel bestimmt ward, die Section der Leiche eines gewissen Thomas Parr zu machen, der 152 Jahre 9 Monate alt geworden war, worüber ein musterhafter, kurzer und doch erschöpfender Sectionsbericht noch vorhanden ist.

Im darauffolgenden Jahre begleitete er den genannten Grasen als Gesandtschaftsarzt an den Kaiserhos nach Wien. Auf der Durchreise durch Deutschland besuchte er den berühmten Professor Casper Hofman in Altdors, um ihn durch Versuche von seiner Kreislaufslehre zu überzeugen. Dies gelang ihm aber nicht; doch trennten sich die beiden Gegner, homerischen Helden ähnlich (damals waren die Gelehrten noch so!), nach stattgehabtem Streite in Eintracht, wie ein von Harvey im Mai 1636 aus Nürnberg an Hosman gerichteter, in den freundschaftlichsten und achtungsvollsten Ausdrücken abgefaßter Abschiedsbrief beweist, den Hofman mit ebenso höflichen Worten beantwortete. Jedoch sei hier bemerkt, daß der arme und kranke, aber ehrliche, wenn auch schneidige thüringische Grobschmiedsohn Hofman später, nachdem er sich von deren Richtigkeit überzeugt hatte, Anhänger der Harvey'schen Lehre ward.