I. kferm. Baas in Worms.
gerade dieser Verlust kam von allen, die ihn getroffen, Harvey am schwersten an; doch alles Forschen darnach und alle Geldanerbietungen verhalfen ihm nicht zu deren Wiedererlangung.
Daß Harvey alsbald nach seiner Rückkehr die Untersuchungen über Entwicklungsgeschichte wieder ausnahm, versteht sich bei dessen nimmermüdem Forscherfleiße von selbst. Daß er aber im Stillen, allerdings nur nach dem Auslande hin, fort und fort auch noch seine Kreislaufslehre vertheidigen mußte, und daß er die Entdeckung der Lymph - Chylusbahn durch Pecquet u. A. auffallenderweise nicht in seinen Kreislauf einzufügen im Stande war und sie deshalb zurückwies, beweisen die noch vorhandenen Briefe aus seinen letzten Lebensjahren. Es kann der Ausspruch Hobbes, daß Harvey der einzige Entdecker sei, den er kenne, welcher schon bei Lebzeiten den Triumph seiner Entdeckung habe feiern können, nur für England Geltung haben. Schaden konnten ihr die Angriffe freilich nicht mehr viel, sicher am wenigsten aber that ihr die Opposition des Professor Joh. Bernhard Wilbrand noch Eintrag, der noch in den vierziger Jahren unsers Jahrhunderts den Kreislauf leugnete.
1649, im Jahre der Hinrichtung von Harveys Gönner Karl I., soll der nunmehr 71jährige Forscher mit seinem Freunde Ent eine Reise nach Italien gemacht haben; doch sicher gestellt ist dies nicht, wenn auch bei der dankbaren Anhänglichkeit Harveys an seinen König glaublich. Ob sich derselbe jemals mit Cromwells Regiment auch nur äußerlich befreundete, ist sehr unwahrscheinlich.
Um die Mitte des 17. Jahrhunderts hielt sich Harvey jedenfalls oft und länger zu Combe in der Grafschaft Surrey, einer Besitzung seines Bruders Eliab, auf. Hier lag er wieder unausgesetzt seinen entwicklungsgeschichtlichen Studien und der Sammlung seiner diesbezüglichen Beobachtungen ob. Er hatte sich dort Keller Herstellen lassen, einestheils, weil er die Kühle, anderntheils, weil er die Dunkelheit liebte; behauptete er doch, dann besser denken zu können. Jedenfalls war dies kein Spleen, sondern eine physische Eigenthümlichkeit Harveys.
Mindestens 23 Jahre hindurch, höchst wahrscheinlich aber schon viel länger, hatte nunmehr Harvey mit einzigartiger Ausdauer wieder den Stoff für sein zweites epochemachendes Werk, die Entwicklungsgeschichte der Thiere, gesammelt, auch in Friedens- und Kriegszeiten mit sich herumgetragen. Immer aber zögerte der gewissenhafte Forscher noch, das Buch herauszugeben. Da erhielt er eines Tages den Besuch seines damals 47jährigen Freundes Ent, der ihn, wie er sagt, gleich Demokrit der Natur der Dinge nachforschend, antraf — und ließ sich durch denselben bestimmen, den Druck endlich bewerkstelligen zu lassen. Er gab Ent das Manuscript und ertheilte ihm die Vollmacht, dieses zu vernichten, wenn dessen Inhalt ihm nicht genüge, andernfalls es drucken zu lassen. Welch' eine erstaunliche Bescheidenheit! Als Grund seines langen Zögerns gab Harvey die schlimmen Erfahrungen an, die ihm