Heft 
(1880) 37
Seite
151
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Nord und 5üd.

BezeichnungSagen" im Titel im engeren Sinne zu fassen. Solche Nachrichten dürften von diesem Gebiete der Lausitz nicht unan­gebracht sein, denn der Spreewald mit seinem sagenumwobenen Schloßberge ist und bleibt ein Stuck Land, das besondere Theilnahme beansprucht, auch wenn man nicht in ihn den heiligen Hain der Semnonen verlegt, wie das schon geschehen ist. Das Buch kann Jedem warm empfohlen werden, der an deutscher Sagenforschung Interesse nimmt; den Freunden von Fontanes ausgezeichneten Wanderungen durch die Mark Brandenburg wird es eine besonders erwünschte Gabe sein.

Alfr. R. Wallace, die Tropenwelt nebst Abhandlungen verwandten Inhalts. Autorisirte deutsche Uebersetzung von David Brauns. 8. XVI und 376 S. Braunschweig, 1879, View eg. -II. 7. Diese Arbeit eines der genialsten Mitbegründer der Solectionstheorie giebt in vier Capiteln eine klassische und in ihrer Art kaum übertroffene Darstellung der Tropenwelt. Im ersten Capitel werden das Kluna und die physikalischen Ver­hältnisse des Tropengebiets besprochen, im zweiten die Pflanzenwelt der Acquatvrial- zone; die Thierwelt der Tropenwälder im dritten, und im vierten endlich werden die Kolibris, als Beispiel der Pracht und Ueppigkeit der Tropenwelt, in Betrachtung gezogen. In den angehängten vier Capiteln ist von der Färbung der Thiere und Pflanzen, dem Alter des Menschengeschlechts, ferner von den Beziehungen zwischen geographischer Verbreitung der Thiere und den geographischen Veränderungen der Erdoberfläche die Rede. Mehr noch als in den früheren Werken des Verfassers, z. B. dem über den malayischen Archipel, erhebt sich die Darstellung zu einer Höhe, wie sic bei uns nur durch Alexander von Humboldt erreicht und in neuerer Zeit nur von Oscar Peschel und vielleicht Friedrich Ritzel fast erklommen ist. Die Klarheit der Schilderung und ihr poetischer Gehalt, welche hier im Dienste strengster Wissenschaftlichkeit wirksam sind, gestalten die Lecture des gut übersetzten und vor­trefflich ausgestattcten Buches zu einer überaus fesselnden.

LoävIMe liuünu. I'siiis3 xsräuss. Nu volums. Normal §r. iu 18. 341 pa§. Naris, 1880. Oalmanu Nsv^'.

3 Ir. 50 o.

Rudolph Lindau. Liquidirt. Novelle. 2. Auflage 8. 165 S. Stuttgart, 1880, Eduard Hallberger. -II. 4.

Schiffbruch. Novelle. 2. Auflage. 8. 184 S. Stuttgart 1880, Eduard Hall berger. -II. 4

Dem Begründer derNsvus äs8 äsux mouäsb" Franyois Buloz, wird das ge­flügelte Wort in den Mund gelegt, er habe nur zwei Schriftsteller gekannt, welche Französisch zu schreiben verstanden, und diese beiden seien Deutsche gewesen: Karl Hillebrand und Rudolph Lindau. Wenn das Wort des originellen Franzosen auch nicht in seiner ganzen schroffen Entschiedenheit zu acceptiren ist, so darf doch gesagt werden, daß Beide zu den wenigen Bevorzugten gehören, denen es durch ihr feines und volles Eindringen in den Geist noch einer anderen der großen Cultursprachen vergönnt gewesen ist, in der internationalen Literatur ehren­volles Bürgerrecht zu gewinnen. Beide sind nicht nur deutsche, sie sind wirkliche französische und englische Schriftsteller, nicht lediglich aus dem Deutschen über­setzte; was sie in diesen Sprachen schreiben und veröffentlichen, läßt in seiner sprach­lichen Unmittelbarkeit erkennen, daß es sich hier nicht um eine Transformation des deutsch Gedachten in ein fremdes Idiom handelt: selbst die haarfeine, oft nur für das schärfste Auge erkennbare Lücke zwischen Original und Ucbertragung, wie sic bei einem auch noch so schnell vollzogenen Umsetzungsproceß sich immer ergiebt, ist hier nicht sichtbar. Wenn Rudolph Lindau vielleicht noch mehr als sein geistvoller Genosse, der Meister des Essays, ein inter­nationaler Schriftsteller genannt zu werden verdient, so ist der Grund hierfür in dem Umstande zu suchen, daß die von Lindau m so scharfen Umrissen gezeichneten Figuren zumeist jener internationalen oder Welt- gcsellschaft angehören, die allein in Paris zu finden ist. In das Geheimnis; dieser Gesellschaft ist der deutsche Schriftsteller als legitimer Beobachter eingedrungen mit dem Apparate eines schnell erfassenden, sach­lichen, an großen Lebensräthseln erprobten Auges, der Kenntniß ihrer Sprache, Formen und Gebräuche, als Einer, dem nichts Menschliches fremd geblieben ist. Der pessimistische Zug, der durch die meisten Novellen Lindaus weht, ist den Ergebnissen entlehnt, welche er in dieser Welt gewonnen; er ist wahr, wie es die von Lindau geschilderten Conflicte einst gewesen und nicht etwa eine schriftstellerische