Heft 
(1880) 41
Seite
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Rumänische Gesellschaft.

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bezeichnen können, als sie in einer Loge saßen und Euphrosinens muntere Augen mit einem Mal verschleiert in Costicas schöne, schwarze, etwas zu runde Augen blickten, bemerkte Olga, wie sie sich die Hand zum Abschied nur mit einem stummen Seufzer reichten. Olga verstand nicht, wie es möglich sei, daß zwischen zwei Menschen, die sich seit Jahren kannten, eine Leidenschaft plötzlich entstehen könnte, es war ihr unerklärlicher, als das Factum, daß Euphrosine überhaupt als verheirathete Frau noch Leidenschaften hatte. Mein Gott! Ihre , Mutter hatte sich drei Mal scheiden lassen und war dann das vierte Mal mit einem zwanzig Jahre jüngeren Manne nach Paris durchgegangen!

Und wie sollte Euphrosine fühlen, daß Verescu mehr Werth war, als die meisten Männer! Sie war ein liebes, gutes, kleines Ding, anschmiegend und weich, mit sich zufrieden und nur dem Augenblicke und dem Ver­gnügen lebend, kannte sie nur die eine Sorge, daß ihre schöne Fülle einmal in Corpulenz ausarten könnte. Sie betete ihren kleinen Sohn

an, wenn sie ihn sah, und hielt sich für eine ausgezeichnete Mutter, hatte sie ihm ein Sammetkostüm gekauft und einen Kasten voll Bonbons geschenkt. Einmal in der Woche fuhr sie auch mit ihn: spazieren und sah strahlend in die Welt hinein, wenn sie mit dem blondlockigen Knaben neben ihr in dem dunkelblauen Atlaskissen aus der Chaussse dahin rollte.

Olga hatte eine Art Muttergefühl für die gleichalterige Freundin, sie hätte sie gern vor Costica geschützt - und sie wollte es auch.

Ein Anderer wird es dann vielleicht einmal sein und ein weniger guter Junge, aber mein Bruder soll es nicht sein!" sagte sie sich, und mit dieser Sorge mischte sie sich in's Gespräch.

Wenn mein Mann einmal eine Andere liebte", sagte gerade Folicie, deren volle Figur und deren schönes Gesicht die größte Gleichgilitigkeit aus­zudrücken schienen (auch ihre Toilette bestärkte in diesem Glauben: ein kunst­voll aus Atlas und Seide hergestelltes Costüm, dem aber einige Knöpfe fehlten und das, obgleich augenscheinlich neu, einen großen Fleck am Aermel " zeigte: sie hatte eben die Ecke eines nassen Blumentisches damit gereinigt), wenn mein Mann einmal eine Andere liebte, würde ich mich jeder Verpflichtung gegen ihn für ledig halten, die Ehe ist ein Pact gegenseitiger Treue!"

Micie!" warf Olga etwas lebhaft hinein,Folicie, was ist Untreue bei einem Manne? Spielerei! Bei einer Frau ist sie Verbrechen!"

Nur nicht diese großen Worte!" unterbrach Euphrosine lachend.Ver­brechen! sollte man da nicht gleich an die Polizei denken?"

Frau Glogorno trat ein. Sie war ruhig und würdig wie immer.

Bei unserem beliebten Thema?" fragte sie, als sie die letzten Worte vernommen.

Ich schlage eine kleine Variante vor", sagte Marie Murano,woran merken wir die Untreue unserer Männer?"

Alle Frauen waren darin einig, daß Jede augenblicklich die verminderte Liebe fühlen würde.