s52 - George Allan in Bukarest.-
„Und indem ich für meine Frau einen Paß nahm, ließ ich auch einen für die ihr befreundete Frau Glogorno ausstellen!"
„Ich will aber nichts, weder mit Ihnen, noch mit Ihrer Frau zu thun haben!"
Radu wandte sich zur Thür. Sie sprang dazwischen: „Geben Sie
mir das Papier, eher dürfen Sie das Zimmer nicht verlassen!"
Er reichte es ihr schweigend, warf dann den Kopf etwas zurück, und schaute sie ruhig an, während sie den Paß in tausend Stücke riß.
„Und wie viel haben Sie gezahlt?" fragte sie laut.
„Nichts".
„Pardon, ich weiß, daß mau etwas zahlt". —
„Sie wollen mir doch nicht die zehn Francs Gebühren erstatten?"
„Gewiß will ich das!" und sie ging an eine kleine Schatulle, zählte das Geld ab und reichte es ihm.
Er warf es zu den Papierfchnitzeln, dann plötzlich herantretend, erfaßte er hart ihre beiden Arme.
„So", zischte er zwischen den Zähnen hervor, „so, nun ist die Sache vorbei — wenn Du es so willst, — so sei es auch so!" und sie in die Arme nehmend und zum Divan tragend, schaute er sie mit weit geöffneten Augen zornig an und ihre beiden Hände immer fester drückend, bedeckte er sie mit Küssen. Sie aber schmiegte sich schweigend an ihn an.
III.
Am Sonnabend war eine große, politische Versammlung, und die beabsichtigte Lectüre von Brescos neuem Theaterstück bei Fslicie Cosiuescu konnte nicht stattsinden. Nur eine beträchtliche Anzahl von Damen hatte sich eingefunden und erwartete dort die Rückkehr der Herren, welche versprochen hatten, sei es auch noch so spät, den Thee bei Frau Cosinescu zu nehmen. Einige junge, der Politik ferner als der Rennbahn stehende Herren, brachten einige Abwechselung in die im Ganzen gelangweilte Gesellschaft. Erst als Euphrosine Verescu, die in glänzender Laune war, weil Costica Barollo (dessentwegen sie ihre Theaterloge unbenutzt gelassen) anwesend war, das beliebte Thema der Liebe und Treue anschlug, wurde der Ton animirt.
Olga Vulteano war verstimmt. Sie hatte ihrem Bruder Costica einen freundlichen Brief geschrieben, mit der Bitte, nicht zu Fslicie zu kommen — bei seinem Leichtsinn und Euphrofinens Uebermuth wußte sie genau, was zu befürchten bestand.
Euphrosine und Costica kannten sich von Kindheit an, sie waren entfernt verwandt, beide in Paris erzogen, wo sie sich die Sonntage regelmäßig sahen, und sie waren immer gute Kameraden gewesen. Nie hatte sich eine Spur von Liebe in ihre Beziehungen gemischt, zumal Costica ein paar Jahre jünger war, und Euphrosine eine große Leidenschaft für Veresco, ihren späteren Gatten, hatte. Eines Tages — Olga hätte den Theater-Abend