Rumänische Gesellschaft.
wohl schon eher näher getreten. Seit zwei Monaten war er nun aber der häufige Gast ihres Hauses; zwei, drei Mal in der Woche fand er eine Stunde Zeit, um sie mit ihr zu verplaudern.
Am Morgen nach dem Fermannschen Ball, — am Morgen ist in Bukarest zwischen Zwölf und Zwei — lag Catarina auf dem Sofa ihres Boudoirs. Sie bewohnte ein hübfches, einstöckiges Haus, dessen sechs Zimmer fämmtlich um einen Mittelflur lagen und sich durch ihre Wohnlichkeit auszeichneten. Die Möbel mit leichten, bunten Stoffen überzogen, viele Statuetten, Blumen und Nippsachen, Helle Teppiche gleicher Muster bedeckten den Fußboden aller Zimmer. Das hellblaue Boudoir war mit Atlas tapezirt und barg einen großen Papageien-Käfig. Catarina lag in einen weichen Stoff gehüllt, ihr kohlschwarzes Haar hing lose in einem langen Netz, ihr Auge aber war so groß und glänzend, als habe sie nicht die ganze vorige Nacht getanzt.
Der Diener meldete ihr Radu Vülteano. Sie stand auf, und nachdem sie einen Blick in den Spiegel geworfen, trat sie in ihr Empfangszimmer.
Ihre Augenbrauen waren finster zusammengezogen, und sie warf dem eintretenden Radu Blitze zu. Dieser, mit bezaubernder Liebenswürdigkeit, erkundigte sich nach ihrem Befinden, und nachdem sie kurz geantwortet und auf einem Divan Platz genommen, rückte er sich einen Sessel nahe an sie heran.
„Was haben Sie, Catarina?" fragte er sanft und versuchte ihre Hand zu ergreifen.
Sie entzog sie ihm schnell: „Ich? ich habe nichts".
In feiner Stellung verharrend, sagte Radu:
„Verzeihen Sie, daß ich so früh komme, aber mir ist über Nacht eine Art Sorge aufgestiegen. Wir sind in einer bewegten Zeit. Rücken die Russen über den Pruth, dann können die Türken leicht über die Donau kommen und einen Streifzug nach Bukarest machen" —
„Und?" fragte sie gleichgiltig, die großen Augen kalt auf ihn richtend, „und?" —
„Und", fuhr er wie geschäftsmäßig fort, „und darum müssen Sie einen Paß haben, um sicher über die Grenze zu kommen; — hier ist er!"
Catarina sprang auf und rief zornig:
„Wer hat Ihnen das Recht dazu gegeben? Wer hat sie geheißen, sich um meine Sicherheit zu kümmern? Sind Sie mein Vormund, daß Sie sich in meine Angelegenheiten zu mischen wagen?"
Radu war ein wenig erstaunt über diesen Ausbruch; er ließ es aber nicht merken, sondern sagte, indem er sich erhob, lächelnd:
„Dem Unglück kann ich ja leicht abhelfen!"
„Wie abhelfen?" unterbrach sie, immer heftiger werdend, „nachdem Sie sich officiell in meine Angelegenheiten gemischt".
„Vor einem Polizeischreiber!"
„Das ist nicht wahr, der Polizei-Director selbst muß unterschreiben!"