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George Allan in Bukarest.
„Welch mächtigen Eindruck Deine Rede gemacht hat, Radu", sagte Olga zärtlich. „Alle waren voll Deines Lobes".
„Ich glaube, sehr oberflächlich", entgegnete er. Sie lachte ein wenig bitter auf:
„Oberflächlich! Ist irgend etwas bei uns anders, als oberflächlich! Meinst Du nicht, daß es mir das Herz bricht, wenn ich sehe, wie Du Deine Jugendkraft, Dein Genie einem Lande, einem Volke weihest, das nie im Stande fein wird, dieses unendliche Opfer zu begreifen?"
„Gehörst Du nicht auch zu meinem Volke und Veresco und die vielen anderen Freunde?"
„Die nichts als Neid für Deine Größe haben! Und was das Schlimmste ist, Du rettest uns auch nicht mehr!"
„Liebe Olga", sagte er sanft, „Jeder muß dem Volke, dem er angehört, fein Bestes geben und wenn es auch nur dazu wäre, daß einmal das Durchfchnittsmaß feiner Nation höher ausfällt. Du hassest die Engländer aber Du liebst Shakespeare, und Shakespeare muß vertheilt werden aus alle Engländer, wenn Du die Nation beurtheilst".
Damit fuhren sie in ihren Hof ein.
„George", sagte die Fürstin Fermanu, als alle Gäste sich verabschiedet hatten und das Ehepaar sich in seine Gemächer zurückzog, „man sprach heute so viel von Vulteanus Rede, ist wirklich etwas daran?"
„Nein, mein Herz. Nur thut man gut, sich den Mann zum Freunde zu halten, er muß mächtige ausländische Beziehungen haben", entgegnete der Fürst ermüdet.
Bald war Alles in dem alten Bojaren-Palais mit den modernen Bewohnern zur Ruhe gegangen.
II.
Frau Glogorno galt für eine ernste Frau. Sie iuteressirte sich lebhaft für Literatur, etwas für Politik, sprach viele Sprachen, brachte stets einige Monate des Jahres in Paris zu, kurz sie war eine Frau, mit der man sich gut unterhalten konnte.
„Sie muß krankhaft ehrgeizig sein!" sagte Vulteano, als er ihr vor ungefähr einem Jahre vorgestellt worden war. Sie hatte, so lange ihr
Mann lebte, ausschließlich ihre Güter bewohnt, so kam es, daß Vulteano sie nicht früher hatte kennen gelernt.
„Catarina Glogorno hat ihren Mann leidenschaftlich geliebt, daher ist sie so ernst und stolz", sagte die Welt. Vulteano aber glaubte nicht an Leidenschaften für Verstorbene bei dreißigjährigen Wittwen mit glühenden, schwarzen Augen. Sie war ihm allmählich die pikanteste Erscheinung im geselligen Leben geworden; hätte er mehr Zeit gehabt, wären sie einander