Rumänische Gesellschaft.
sd
„Ich bin im Herbst vierundzwanzig Jahre alt geworden. Man sagt so oft, daß die Frau erst in dieser Zeit sich zu ihrer vollen Blüthe entfaltet, ich hoffe, das ist ein Jrrthum, denn sonst bedeutete bei mir die Blüthe den Weltüberdruß!"
„Und muß das nicht in unseren Verhältnissen die Folge jeder tieferen Weltanschauung sein? Bei uns rettet nur Eines vor Schmerz, das ist „die Todesgleichgiltigkeit", in der wir erstarren, wenn ich das schöne Wort Ihres Mannes gebrauchen darf ..."
„Wir führen merkwürdige Ballgespräche", unterbrach ihn Olga mit der instinctiven Furcht der Frau vor Denktiefe. „Sagen Sie mir lieber, was Ihr Junge macht?"
Eine Wolke zog vor Verescos Auge. Sah er sein kleines, den Dienstleuten überlassenes Kind vor sich, oder war ihm Olgas scheinbare Reue ein ernstes Gespräch begonnen zu haben, peinlich? Er versank in Schweigen für den Rest des Tanzes, während Olga sich mit ihrem vi8-L-vi8 neckte.
In einer Gruppe junger Männer, welche die Vorgänge von Stavros neuem Renner und die Impertinenzen von Libette, der neuen Oaks-Ollantant- Sängerin besprochen, wurde Plötzlich auch die Aussicht eines Krieges erwogen.
„Bei uns Krieg?" sagte Vasleanu, „lächerlich! Wir sind ja keinen Schuß Pulver Werth!"
„Ja", sagte Coco, „es gab noch eine Sache, die bei uns nicht descreditirt war, das ist der Krieg, den brauchen wir, um ihn auch in's Lächerliche zu ziehen!"
„Ich gehe jedenfalls mit", sagte Stavros, „wir haben lange genug Soldaten gespielt, um uns zu schämen zurückzubleiben".
„Wird Vulteanos Appell an den Patriotismus der Regierung nützen?" fragte Bresco seinen Freund Cardineanu.
„Wenn wir ein ander Land wären, würde er nicht so Verhallen!"
„Ich glaube", sagte Murano herantretend, „ich glaube, daß Vulteano vom Ausland bezahlt war, so zu reden?"
„Ach! — Wirklich? Im klebrigen, bei uns ist Alles möglich!"
„Nach dem, was ich auf den Tribünen gehört, scheint mir, daß die Regierung ihn selbst veranlaßt hat, sie anzugreifen", meinte Baloglu.
Fürst Fermanu, der hinzutrat, war aber der Ansicht, daß Vulteano einzig und allein um an's Ministerium zu kommen, geredet habe. ,,Für Rußland, gegen Rußland, das ist ihm ganz einerlei".
Und sie traten sämmtlich noch ein Mal an Radu Vulteano heran, um ihn wegen seiner muthigen, patriotischen Rede zu beglückwünschen.
Nach einer Stunde, gegen vier Uhr, fuhr dieser mit seiner Frau nach Hause.