George Allan in Bukarest.
„Nein, Sie waren zu voll von Ihrer Politik, um sich um eine Frau zu kümmern", sagte sie hart.
„Muß ich es Ihnen erst sagen, wie gleichgiltig mir politische Erfolge sind?"
„Wirklich gleichgiltig?" entgegnete sie schnell. „Mir war so bange, als ich Sie bewundert und umgeben sah, daß Ihr Herz daran hinge!"
„Aendert sich das Männerherz so plötzlich?" fragte er, ihr zärtlich in die Augen schauend.
„Sie sah sich scheu um, dann antwortete sie: „Und warum haben
Sie geredet, ohne mich zu benachrichtigen, für wen war es?"
Er lächelte ein wenig bitter.
„Sind sie stets dieselben, die Frauen, immer voller Persönlichkeit?"
Frau Glogorno wandte den Kopf ein wenig und sagte laut: „Herr
Mereanu!" Als dieser heran trat, fuhr sie fort: „Was ist Ihre Meinung, Herr Vulteano behauptet eben, Coppse würde Müsset nie erreichen, Sie kennen ja unfern Freund, er ist immer mehr mit allem Anderen, als mit seinen Erfolgen beschäftigt". Mereanu gab, wie aufgezogen, eine ganze Abhandlung über die neue französische Literatur zum Besten, während Radu Vulteano sich nach einigen Minuten zurückzog.
„Wenn es Krieg giebt, ziehe ich mit, ich kann das Leben mit Deinem Hohn nicht ertragen", sagte Joan Maraschesco zur schwarzen Coralie Bresco, seiner Cousine.
„Wenn Du mit in den Krieg ziehst, thnst Du es, damit Dir Dein Gut nicht Schulden halber verkauft wird, sondern Du von dem Moratorium profitiren kannst!" erwiderte sie.
Er lachte und sie lachte, und Beide gingen dann an's Büffet, Eis zu schlürfen.
Man tanzte jetzt -Quadrille. Beresco erbat sich Olgas Hand. Die ersten Takte tanzten sie schweigend. Olgas Augen schweiften suchend durch den Saal, ihr Mann war aber nicht zu sehen, er tanzte nie; ihre ganze alltägliche Welt streifte sie so mit Blicken, und es überlief sie ein nervöser Schauer. Sie lehnte ihren Kopf einen Augenblick an die Wand hinter ihr, und sagte, tief in Verescos Augen schauend:
„Wie gleichgültig ist mir die Welt, wie ekelt mich Alles an! Plötzlich, urplötzlich, mitten in der rauschenden Musik überkommt mich ein Gefühl der Verzweiflung".
Er sah sie besorgt an:
„Wie kommen Sie, gerade Sie, zu solchen Gedanken? Sie müssen sich übermüdet haben meine Freundin. Den ganzen Tag der Kammerdebatte folgen, Mittagsgäste empfangen und dann die Nacht durchtanzen, das ist zu viel, selbst für Ihre jugendlichen Nerven".
„Bin ich noch jugendlich? Ich habe in dem ewigen Einerlei ein Gefühl des Alters bekommen!"
„Sie darf man noch fragen: Wie alt sind Sie?"