- Rumänische Gesellschaft. -
Vielleicht komme ich nach dem Theater. Ist Dein Brnder Costica da?" flüsterte sie leise.
„Ich denke, er wollte kommen", entgegnete Olga zögernd.
„Dann erscheine ich also bald nach Elf!" und die übermüthige, glänzend schöne Frau wirbelte im Tanz davon.
Cardineanu und Veresco bewarben sich bei Olga um die Ehre des nächsten Tanzes. Veresco trat zurück, da Lanciers und nicht Quadrille gespielt wurde, und nur eine solche ihm versprochen worden war.
„Ihr Gatte hat superb geredet", begann Cardineanu das Gespräch; „das Ministerium ist in arger Klemme, es muß sich nach diesem Angriff entscheiden und wird, wie ich stets vorausgesagt habe, wegen seiner Russenpolitik sollen. Niemand im Lande will den Krieg".
„Meinen Sie wirklich?" sagte Olga leichthin. „Aber Sie vergessen Ihr Compliment!"
„Was mag er wollen?" dachte sie, „er läßt mich doch sonst mit seiner Politik in Ruhe. Radu muß viel Chance haben, Minister zu werden und er wünscht Jemand in der Verwaltung unterzubringen".
„Sind Sie persönlich Russenfeindin?" fuhr Cardineanu fort.
„Ich?" lächelte seine Dame, aus der Tour der Moulinets zurückkehrend, „ich habe überhaupt keine politische Meinung!"
„Das machen Sie mir nicht glauben. Ich habe heute in der Kammer Ihre gespannte Aufmerksamkeit bewundert!"
„Dann werde ich Sie beim Präsidenten anzeigen, weil Sie, anstatt aufzupasseu, uns Damen beobachten und noch dazu schlecht, denn sonst hätten Sie merken müssen, daß ich mir den Kopf zerbrach, ob Elise Radescus Toilette Faille oder Cachemire war. Ich dachte schon daran, den Augenarzt zu consultiren, weil mir doch sonst auf so kurze Entfernung keine so wichtigen Zweifel kommen. Doch jetzt sind Sie erlöst! Führen Sie mich ein wenig zur Fürstin, sie sieht heute brillant aus, und wie gut ihr die nicht gespielte Apathie steht!"
Die Prinzessin ging von Gruppe zu Gruppe. Die Herren sprachen meistens von Politik, unter den gemischten Gruppen war die Unterhaltung zu räthselhaft für einen Augenblickszuhörer: Witze, Spielereien, Andeutungen. So begnügte sie sich meistens mit einem hingeworfenen Wort und ihrem angenehmen Lächeln und ging weiter.
„Welch' beneidenswerther Fächer! Er bedeckt seit fünf Minuten die eine Hälfte Ihres Gesichtes!" Damit trat Radu Vulteano an die stolze, junge Wittwe Catarina Glogorno heran.
„Brauchten Sie diese Redensart, um mir Guten Abend zu sagen?"
„Ich vermochte bisher nicht, den Kreis Ihrer Verehrer zu durchdringen!"