-- Rumänische Gesellschaft. - ^55
„Irgend eine kleine, reiche Banquierstochter! Es ist entsetzlich, wie unser Adel verfällt".
„Und doch thut Borossi gescheuter daran, als Joan Maraschescu, der aus Liebe heirathete und mit Frau und Kindern jetzt buchstäblich an dem Bettelstäbe ist!"
„Das ist nicht die Folge seiner Ehe", sagte Coralie Bresco, seine Cousine, „sondern seiner furchtbaren Verschwendung, nichts war in Paris schön oder theuer genug für ihn oder sie, und jetzt trägt sie noch das schwarze Kleid, welches sie sich in der Trauerzeit um die Schwiegermutter machen ließ! Es ist furchtbar, daß Jemand so weit herunterkommen kann!"
„Und Du glaubst wirklich, der Fürst werde nichts für ihn thun? Eine unserer besten Familien sollte so untergehen?"
„Der Staat müßte ihm eine Pension geben!"
„Warum?" sagte Catarina Glogorno. „Weil er sein Vermögen im Kartenspiel durchgebracht?"
„Das ist gleichgiltig, wie er ins Elend gekommen", meinte Euphrosine, „die Pensionskasse ist dazu da, Bedürftigen zu helfen!"
Catarina aber, die ein gewisses Gerechtigkeitsgefühl hatte, bestand auf ihrer Ansicht, daß der Staat einem jungen Manne, der sein Geld vergeudet habe, nichts schuldig sei, er könne ja arbeiten.
„Arbeiten!" sagte Annette, „wenn er doch nun nicht die Gabe dazu besitzt. Es tödtet ihn, wenn er zwei Stunden auf einem Büreau still sitzen soll. Seine Nerven sind doch einmal so schwach".
Es war Zwölf Uhr geworden und da die Herren noch immer nicht zurückgekehrt waren, ließ die Wirthin den Thee bringen. Es fehlten zwei Tassen und eine wies eine Lücke auf, die silbernen Kuchenkörbe waren lange nicht gewaschen, aber der Diener war in Frack und weißer Binde.
„Ich danke für Thee", sagte Euphrosine, „ich habe zuviel Bonbons gegessen. xroxos, Fslicie, man merkt doch gleich, daß Du sie aus Paris geschickt bekommen hast!"
„Das ist Einbildung, Capscha ist vollkommen so gut als Boissier", meinte Marie Murano, und nun entspann sich ein längeres Gespräch über die Vorzüge der Bukarester Bonbons.
„Wer geht morgen in die Kammer?" fragte Euphrosine, die nie lange bei einem Gesprächsthema bleiben konnte.
„Was giebts denn morgen?" fragte Fslicie.
„Irgend eine Interpellation. Ich muß um Ein Uhr mein neues Costüm bei der Briole anprobiren, da bin ich auf dem Wege und fahre mit heran, vielleicht spricht Vulteano, ich habe ihn noch nie gehört, und es soll ja sehr amüsant sein!"
„Ich glaube nicht, daß er sprechen wird", meinte Olga.
Catarina Glogorno betrachtete Bilder, Fslicie schaute aus die schöne Rococo-Uhr und seufzte: „Ach die leidige Politik, man hat doch wirklich