George Allan in Bukarest.
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Nebenumstände verschwinden", entgegnete Radu, aus tiefen Gedanken auffahrend. „Es ist eine furchtbare Zeit", seufzte er, „die der Thatenlosigkeit, schlimmer als der Tod".
Olga sah ihn besorgt an, dann sagte sie traurig:
„Das nennst Du thatenlos, was Dein Leben ist? Du bist ja auf allen Gebieten unseres Lebens das treibende, fördernde Element? Nur ist es zu gut für uns", setzte sie hinzu. „Glaubst Du, daß ein Dutzend Menschen Deine letzte Arbeit ,lieber die Wahrheib verstanden hat?"
„Ich habe sie auch nicht für ein Dutzend geschrieben".
Olga schwieg. Für sie war die Abhandlung nicht geschrieben, ihres Mannes und ihre Meinungen waren zu ausgeglichen, sie waren kaum jemals verschiedener Ansicht, aber da sie keine Art Eifersucht kannte, sagte sie sich: „es ist ja gut, wenn Radu schreibt, für wen immer es sei.
Und doch! Schwerer war ihr das Leben geworden und sie hatte oft über Leidenschaften nachgedacht, über das beliebte Thema ihrer Abendunterhaltung eu, und war zu dem Schluß gekommen, daß sie wohl keiner fähig sei. „Wenn sie mich nur nicht einmal ergreift, es scheint, daß nichts davor schützt, und je älter man wird, je heftiger soll sie kommen! Radu sagt zwar, Alles komme naturgemäß!"- Olga hatte bei Euphrosine die Leidenschaft beobachtet, sie hatte bemerkt, wie deren frohe Laune hin und wieder plötzlich verschwand, wie sie vom Tode und Selbstmord sprach, und gleich darauf doch lachte und tanzte, und hatte Achtung für die kleine Frau gefühlt, die eines förmlichen Kampfes fähig war.
„Radu", sagte Olga, „laß uns die Osteruacht hier in der Kirche beten, ich habe große Wachskerzen für das Kloster mitgebracht, da freuen sich die Nonnen doppelt unseres Besuches".
„Ich kann nicht recht", antwortete er nachdenkend, „es ist viel officielle Welt hier und ich stehe augenblicklich etwas schroff mit Allen!"
„Aber beten kann man doch mit Freund und Feind, es ist so viel feierlicher im Kloster!"
„Ich bitte Dich, auf mich Rücksicht zu nehmen, und außerdem bin ich der Meinung, daß, wer beten will, es eben so andächtig in einer kleinen, wie in einer großen Kloster-Kirche thun kann", erwiderte Radu etwas scharf.
Olga sah ihn befremdet und fast feindlich an, worauf er schnell hinzusetzte: „Mir scheint, daß ich selten Opfer von Dir verlange!"
„Radu belügt mich", war das Einzige, was Olga im Stande war zu denken, „es ist Jemand im Kloster, der in seiner Nähe sein soll, aber nicht zu uns aufs Gut kommt".
Mit dieser vorgefaßten Meinung fuhr sie in den Hof ein.
Der geschäftige Tag mit allen Vorbereitungen war vorüber. Die Leute sahen alle ausgehungert von den langen, strengen Fasten und überanstrengt aus. Unten im Speisezimmer, auf einem Seitenbüffet, standen alle die Osterspeisen, die Kuchen mit Mohnsamen und Nüssen, die Stollen und die