- Rumänische Gesellschaft. - j59
besinnen, trat er ein. Catarina sprang vom Sofa auf: er lüftete den Hut vor ihr und sagte:
„Ich wollte Ihnen nur zur verabredeten Stunde Guten Morgen sagen", damit schloß er die zum Corridor führende Thür laut auf und ging hinaus, an Diener und Mädchen vorbei, die ihn ehrfurchtsvoll anstarrten, stieg in den Wagen und fuhr davon.
Catarina war starr ob feiner Rücksichtslosigkeit.
„Radu, Radu!" sagte sie bebend vor sich hin. „Die Sclavin eines Mannes zu fein, der sich wirklich als Herr und Meister fühlt, das verlohnt doch noch der Mühe!"
Und am Abend wurde Radu durch ein Billet verhindert, feine Frau in's Theater zu begleiten, und Catarina Glogornos Loge blieb leer.
IV.
Ten ganzen Märzmonat lag eine gedrückte Stimmung auf Bukarest und auch das Osterfest, das schon an das Ende desselben fiel, vermochte nicht, sie zu heben. Die regierende Fürstin selbst hatte einigen Familien gerathen das Land zu verlassen, die Archive wurden fort aus der flachliegenden, dem Feinde preisgegebenen Hauptstadt nach Tirgovesti in die Berge gebracht, wo sie natürlichen Schutz finden sollten. Bald hoffte man, daß der Krieg wirklich durch Schuwaloffs Mission vermieden fei, bald hieß es, die Russen feien schon eingerückt. Nirgends war Zuversicht, die Regierung selbst war wie ein schwankendes Rohr, suchte überall Stütze, Senatswahlen waren ausgeschrieben und wahrend der Zeit auch die Kammern vertagt.
Dabei begann ein schöner Frühling. Die Blumensülle um Bukarest herum drang auch durch die Straßen; an allen Ecken verkauften die phantastisch eingehüllten Zigeunerweiber und Mädchen ihre Sträußchen; durch alle Gassen zogen sie in der Frühe mit Krügen von Blumen, die sie in mehr oder minder harmonischen Tönen ausriefen, indem sie entlang eilten. Zum Osterfest schmückte sich wie immer die Vorstadt noch mehr, als die Stadt, ein jedes Häuschen wurde von seinen Bewohnern innen und außen geweißt und doch wollte die frohe, erlösende Osterstimmung nicht kommen.
Olga Vulteano brachte die Ostertage stets mit ihrem Gatten auf seinem Gute Broseni zu. Als sie am Sonnabend vor dem Fest hinausfuhren (es lag etwa fünf Stunden von der Stadt), glaubte Olga, es höbe sich der unheimliche Druck, den sie die letzten Wochen empfunden, von ihr. Der Abend nahte und der Horizont erglänzte in wunderbarer violetter Färbung, die unendliche Ebene war noch schwarz, aber friedlich lag sie da.
„Mir ist der Gedanke des Todes, den mir die Fastenzeit bringt, immer viel wohlthuender in der weiten Ebene. Ich möchte nicht im Gebirge oder in der Stadt sterben, draußen in Broseni jeden Augenblick — obgleich ich eigentlich so glücklich bin".
„Wenn der Tod kommt, ist er wohl in sich so mächtig, daß alle kleinen
Nord und Süd. XIV, 41. 12