Heft 
(1880) 41
Seite
158
Einzelbild herunterladen

George Allan in Bukarest.

(58

wenn Radn nicht mehr sein Ein und Alles in ihr sähe! Wie sollte sie es überleben, sie, eine kinderlose Frau.

Allerdings, es haben so viele Frauen mit gebrochenem Herzen gelebt, warum sollte mir gerade das Unglück erspart werden. Radu hat so glänzende Eigenschaften, hat er nicht auch das Recht, unglücklich zu machen, nachdem er so lange beglückt hatte?"

Sie schaute ihn an, er schlief fest und tief, seine Brauen waren zusammen­gezogen, er sah sehr finster aus.

Gott, mein Gott, erhalte ihn nur am Leben, mir oder Anderen, es ist ja Alles gut, wenn er nur ist!" flüsterte Olga, als sie sich vorsichtig über ihn neigte und ihn leise küßte.

Olga ging Sonntags immer in die Kirche, seitdem die Fasten begonnen, sogar zwei Mal. Sie war nicht sehr gläubig, aber sie hatte doch so ein geheimes Vertrauen, daß durch irgend einen übersinnlichen Vorgang ihr, wenn sie die Fasten hielt und alle Satzungen der Kirche erfüllte, vielleicht Kinder geschenkt werden würden, und der Wunsch nach Kindern war mit jedem Jahre ihrer Ehe lebhafter in ihr geworden. Während also Radu am Sonntag vor dem Frühstück zu Frau Glogorno fuhr, ging Olga schnell in die gegenüberliegende Kirche, um einer Messe beizuwohnen.

Radu war gehetzt: er hatte trotz des Sonntags einige juristische Conferenzen, dann sollte wieder eine politische Zusammenkunft sein, dann hatte er einen Zeitungsartikel zu schreiben versprochen, nöthige Visiten waren zu machen, das Leben verzehrt mich vollständig", damit fuhr er in den wohlgepflegten Hof von Catarinas Haus ein.

Der Diener trat heraus, schon ehe der Wagen anhielt:Die gnädige Frau ist nicht zu Hause!"

Für mich ist sie zu sprechen", entgegnete Radu etwas geärgert.

Der Diener ging in's Haus, um die Kammerfrau zu holen, auch diese sagte, ihre Herrin sei nicht da.

Radu stieg aus dem Wagen und ging direct an die Thür des Boudoirs; sie war verschlossen!

Ihm stieg das Blut in den Kopf, aber auch zu gleicher Zeit kam ihm die Ueberlegung, welch' unwürdige Rolle er vor den Dienstboten spielte. Sein Mannesgefühl empörte sich in ihm, er hatte nur den einen Gedanken, zu ihr zu gelangen.

Er ging in den Salon (die Zimmer hingen alle miteinander zusammen), die Leute wagten nicht ihm zu folgen. Das Boudoir war auch von der Seite verschlossen! Radu griff sich an den Kopf, ihm schwoll die Zornader und mit einem mächtigen Ruck riß er die Thür auf.

Er war selbst erstaunt über den schnellen Erfolg, aber ohne sich zu