Rumänische Gesellschaft.
s57
„Ich werde mir morgen um 11 Uhr den Beweis dafür holen!"
„Ich werde Sie erwarten", entgegnete sie kalt und begann mit Annette zu reden.
Vulteano sann nach: Was hatte er seit dem Augenblick, als sie ihm gesagt: „Ich liebe Dich zum Vergehen!" eigentlich gethan? Oder war das Bekenntniß ihrer lang bekämpften, glühenden Leidenschaft eine Laune gewesen, wie ihre jetzige Kälte? Wahrscheinlich; aber sie wurde ihm so desto lieber. Zu einer ernsten Leidenschaft waren ihm Herz und Kopf zu voll, aber eine pikante Spielerei konnte ihn nur frischer erhalten!
Vulteanos brachen bald auf. Olga konnte die Zeit gar nicht erwarten, ihren Mann zu fragen, was die Opposition beschlossen, ob Rumänien in den Krieg verwickelt würde, was aus Allem werden sollte!
„Liebe Olga", sagte ihr Gatte, „es herrscht wie immer Uneinigkeit. Große Phrasen, an die Keiner glaubt. Heute versprachen Alle gemeinsam vorzugehen, morgen geht doch ein Jeder seinen eigenen Weg. Alle wissen, daß dem so ist und beschwatzen sich in jeder Versammlung, daß nun plötzlich Alles anders werden würde. Aber selbst wenn Einigkeit bestände, vermöchten wir nichts, wir sind es ja nicht, die über uns bestimmen! — Was habt Ihr den Abend gemacht?"
„Wir haben geplaudert, und es ist merkwürdig, wie unsympathisch mir in letzter Zeit Catarina Glogorno geworden ist. Sie hat etwas Jrritirendes an sich! Wie findest Du sie, Radu?
„Sie ist ein launenhaftes Weib", entgegnete er gähnend.
„Ja, und kalt und eingebildet und tugendstolz! Da ist mir doch meine kleine Euphrosine lieber!"
„Euphrosine scheint mir aber in einem gefährlichen Uebergangsstadinm zu sein. Ihr Mann fängt an, sie zu langweilen und Strumo ist sehr gern bereit, sie zu amüsiren".
„Du erschreckst mich, Nadn, vor Strumo könnte ich sie nicht schützen, ich dachte, Costica wäre ihr gefährlich!"
„Vielleicht alle Beide", lachte Radu.
„Wenn es Zwei sind, dann ist es Keiner", sagte Olga bestimmt, und damit endete ihr Gespräch.
„Radu", sagte Olga, als dieser schon beinah eingeschlafen, „mich überkommt jetzt manchmal ein so furchtbarer Lebensüberdruß, wenn ich Dich nicht in der Nähe habe. Nicht wahr, Radu, wenn Du eine Andere liebtest, und mich nicht mehr, würdest Du es mir sagen?"
„Gewiß, mein Herz", entgegnete er gleichgültig und legte sich auf die andere Seite.
„Du hast es mir ja so oft und heilig versprochen, nicht wahr?"
„Gewiß", wiederholte er schon halb im Traum.
Und doch konnte Olga nicht schlafen. Wie traurig würde es sein,