Heft 
(1880) 41
Seite
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Dann wurde das Evangelium gelesen und die Freudenbotschaft der Auferstehung war verkündet. Man das geweihte Brot, mit dem die Fasten endeten, und dasChristus ist auferstanden, ja, er ist wahrhaftig auferstanden" ging von Mund zu Mund.

Auch Olga ging mit dem Licht in der Hand am Arm des Gatten durch die Reihen ihrer Dienstleute. Sie war wohl andächtig gewesen, sie hatte all das Leid und dann die Freude innerlich miterlebt, aber es war ihr immer wieder einge­fallen, wie viel feierlicher es im Kloster gewesen wäre, wo Hunderte von Nonnen gesungen hätten, und wo das Gefühl der Jahrhunderte sie umschwebt haben würde! Ihre Kirche war neu, Radus Vater hatte sie erst bauen lassen, im Kloster aber umgab sie die ganze Heiligkeit der alten Tradition. Sie war eine eifrige Anhängerin des Möuchswesens und sagte immer: der Gedanke, daß seit so vielen Jahrhunderten zur selben Zeit, so weit der orientalische Glaube herrscht, die Tocca in den Bergen wiederhallt und in die weite Ebene hinaustönt, und Alle das Knie beugen vor dem Ewigen, der Gedanke thue mehr Gutes, als bändereiche, moralische Auseinander­setzungen. Und was den Müßiggang des Klosters anbelange, den man stets im Munde führe, geschähe der Menschheit mehr Segensreiches durch all die weltliche Geschäftigkeit? Gewiß nicht.

, Es war Fünf Uhr, als Olga in's Haus trat. Sie ein hartes Ei, dessen rothe Schale sie an einem anderen rothen Ei, das Radu in der Hand hielt, der alten Sitte gemäß, zerklopft hatte, dann, nachdem sie noch einige andere kalte Speisen gegessen, legte sie sich zur Ruhe.

V.

Eine halbe Stunde von Broseni, auf der anderen Seite des Klosters, lag Badeschti. Dort fand in der Morgenfrühe ein glänzendes Dejeuner statt. Elise Radescu mit ihrem Bruder, Nico Stavros, Frau Glogorno, Verescos und noch andere Freunde brachten die Ostertage auf dem Gute Radescus zu. Alle hatten der kirchlichen Feierlichkeit im Kloster beigewohnt; Catarina hatte Radu Vulteano das Versprechen abgenommen, daß er nicht mit seiner Frau dort hinkommeu würde. Sie hegte einen unbezwinglichen Haß gegen Olga, weil sie sah, wie noch dieselbe zu Radu nach wie vor stand, und weil sie die feste Absicht hatte, Radu dahin zu bringen, sich von Olga zu scheiden und sie zu heirathen.

Es ging wie immer lustig bei dem Frühmahle zu, die kirchlichen Pflichten waren nun erfüllt, man durfte wieder ausschließlich sich selbst leben.

Euphrosine fühlte sich durch das heilige Brot selbst wie geheiligt, sie dachte wohl manchmal, wenn sie ihren Mann ansah:ich wünschte, George hätte auch eine kleine Passion, dann wären wir quitt!" Im klebrigen erwartete sie Costica zu Tisch. Catarina war ein wenig kalt, wie gewöhnlich, aber doch nicht gleichgültig gegen Stavros Aufmerksamkeiten. Stavros hatte