Rumänische Gesellschaft.
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sich in den letzten Jahren fast ganz ruinirt, zumal seitdem er ein Ministerium angenommen hatte, (er stand übrigens der augenblicklichen Regierung immer noch nahe) und seine Schwester Elise sah für ihn nach einer guten Partie aus. Catarina war sehr vermögend, außerdem aus tadellos guter Familie. Wenn nur nicht Vulteano ihnen einen Strich durch die Rechnung machte! Catarina verheimlichte ihre Vorliebe für ihn durchaus nicht.
„Was gieblls Neues, Stavros?" fragte George Veresco, der sich gern mit Politik beschäftigte, obgleich er that, als sei sie ihm etwas höchst Verächtliches.
„Die Russen kommen, das ist Alles, was ich weiß!"
„Wie fallen die Senatswahlen aus?"
„Für uns, gegen Euch, ohne Zweifel".
„Das ist mir desto lieber", sagte Veresco lachend, dann habt Ihr alle Verantwortung!"
„Warum ist wohl Olga Vulteano nicht in die Klosterkirche gekommen?" fragte Euphrosine.
„Ein frommer Schauer, weil wir da waren", entgegnete Catarina.
Elise schaute sie befremdet au: „Was hast Du gegen Olga?"
„Sie ist mir unausstehlich, weiter nichts!" sagte Catarina gleichgiltig.
Elise war beunruhigt; das war ein schlimmes Zeichen. Veresco, sein Glas austrinkend, warf dazwischen:
„FrauVulteano ist eine eigenthümliche Frau, sie hat viel Ueberspanntes!"
„So redest Du von Deiner Flamme, George?" fragte Euphrosine belustigt.
„Olga Vulteano war me meine Flamme", antwortete er, seine Frau etwas böse anschauend.
„Was machen wir, wenn die Türken kommen?" fragte Radescu.
„Ich bleibe hier", erwiderte Euphrosine. „Als sie das letzte Mal hier waren, sagt Mama, war es gar nicht so schlimm!"
„Da waren wir nicht ihre Feinde!"
„Warum schauen Sie heute so hoheitsvoll in die Welt?" fragte Stavros Frau Glogoruo.
„Ich habe noch den Klostereindruck in der Seele!"
„Ich habe auch noch das Bild vor Augen, wie Sie dort knieeten, die Kerze in Ihrer Hand verbreitete etwas wie einen Heiligenschein um Sie!"
„Herr Stavros wird sentimental!" ries Catarina lachend. „Da müssen wir wohl aufbrechen und zur Ruhe gehen".
„Was ist hübscher", fragte Euphrosine, „eine knieende Frau in der Kirche, oder dieselbe Frau, vorausgesetzt, daß sie hübsch ist, auf einem Balle? Sagt es ehrlich, Ihr Herren!"
„Wenn die Gewandung recht anliegend ist, würde ich sie knieend hübscher finden", sagte Stavros, Catarina sixirend.
„Immer oomms II kaut", rief Veresco lächelnd dazwischen.