Heft 
(1880) 41
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heruntergekommene Fürst bei seinen Standesgenossen, aber auch bei städtischen Magistraten, Fürsten und Adligen in naiver Unbefangenheit auf den Bettel auszog und nicht unzufrieden war, wenn man sich durch eine Summe mit ihm und seinem zahlreichen Troß abzufinden suchte. Schweinichens Tagebuch giebt uns überraschende Aufschlüsse über das Leben in seinen Kreisen.Des Morgens", so berichtet er,wenn man aus dem Bette aufgestanden, ist das Essen auf dem Tisch gestanden und gesoffen worden bis zur rechten Mahl­zeit, von da wieder bis zur Abendmahlzeit. Welcher nun reif war, der fiel abe" Diese Lebensweise wiederholt sich an den verschiedenen fürstlichen und adligen Höfen, und Schweinichen verzeichnet wie ein sorgsamer Haushalter alle mehr oder minderstarke Räusche", die er sich während seines ganzen Lebens getrunken, in seinem Tagebuche. Originell ist die Schilderung von einen: Bankett, welches seinem Herrn zu Augsburg im Fuggerhause gegeben wird, dessen fürstliche Pracht den schlesischen Landjunker in Staunen setzt. Das Mahl", so erzählt er,war in einem Saal zugerichtet, in dem man mehr Gold als Farbe sah. Der Boden war von Marmelstein und so glatt, als wenn man auf dem Eise ginge. Es war ein Credenztisch aufgeschlagen durch den ganzen Saal, der war mit lauter Trinkgeschirren besetzt und mit merkwürdigen schönen, venezianischen Gläsern. Nun gab Herr Fugger seiner fürstlichen Gnaden einen Willkomm, ein künstliches Schiff von venezianischen: Glas. Wie ich es vom Schenktisch nehme und über den Saal gehe, gleite ich in meinen neuen Schuhen aus, falle mitten im Saal auf den Rücken und gieße mir den Wein auf den Hals; das neue roth damastische Kleid, welches ich anhatte, ging mir ganz zu Schande, aber auch das schöne Schiff zerbrach in tausend Stücke. Es geschah jedoch ohne meine Schuld, denn ich hatte weder gegessen noch getrunken. Als ich später einen Rausch bekam, stand ich fester und fiel hernach kein einziges Mal, auch im Tanze nicht". Aber selbst ein weitgereister Weltmann wie Michel de Montaigne rühmt die Schönheit der Stadt, wie er denn überhaupt die deutschen Städte, wegen der Sauberkeit ihrer Straßen und Plätze und des Reichthums ihrer Bürgerhäuser an köstlichem Hausrath den französischen voranstellt. Besonders preist er den Palast der Fugger mit seinen prächtigen Sälen, wie er nie so schöne gesehen, sowie ihre Gärten mit den Springbrunnen und Lusthäusern. Ein andrer Berichterstatter jener Tage schildert die Häuser der Fuggermit ihren gewölbten Säulen­gängen, den weitläufigen und zierlichen Zimmern, den Stuben, Sälen und dem Cabinette des Herrn, welches sowohl wegen des vergoldeten Gebälkes, als der übrigen Zierrathen und der Pracht seines Bettes das allerschönste ist. Das Innere schmücken treffliche Gemälde, besonders aber viele und große Denkmale des Alterthums, in einem Zimmer eherne und gegossene Bilder und Münzen, in: andern steinerne, darunter einige von kolossaler Größe". Die reiche Vertäfelung der Wände, die vergoldeten Decken, die bunten Labyrinthe von eingelegter Arbeit auf den Fußböden, die Gärten mit ihren seltenen isländischen Pflanzen, ihren Blumenbeeten und Bäumen, den reich ansge-