Heft 
(1880) 42
Seite
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Hans Hoffmann in Stettin.

29 §

wie einfach-prächtig das bunte Kopftuch über der bräunlichen Stirn faß! Das edle Köpfchen auf den feinen Schultern neigte sich leicht zur Seite und blinzte liebevoll aus den schwarzen Augen zu dem stillschaffenden Gefährten hinüber, und das sonnige Kinderlächeln schwebte noch ganz wie ehedem um die freundlichen Lippen.

Ein Weilchen ersättigte ich mich an dem lieblichen Anblick; dann trat ich hinzu und redete sie an. Natürlich kannten sie mich nicht; als ich aber sagte, ich habe sie als Kinder gesehen und gern gehabt, da freuten sie sich beide, luden mich ein, in ihrem Schatten zu weilen, und ich blieb. Ich bemerkte, daß der Checco alsbald mit drollig eitlem Bestreben mir gegenüber eine an­sehnliche Position einnahm und sich vollbewußt an seiner Hausherrnwürde erlabte, während sein kindisches Weibchen ihm mit schelmisch-vergnügtem Lachen die Haare ein wenig zurechtstrich, als gälte es, seiner erdichteten Schönheit den letzten Abschluß zu geben.

Ich bat das Pärchen, mir wie sonst auf dem Eisen ein Lred zu summen; und sie thaten es gern, und friedlich und lustig klimperten die anspruchslosen Weisen in den quellenden Sonnenschein hinaus. Währenddessen beugte ich mich unver­merkt zu Checco nieder und forschte in feinen Augen und wirklich,

ich konnte mich nicht täuschen, das Herz schlug mir in freudiger Erregung: dem armen Burschen mußte zu Helsen sein, hätte vor langen Jahren schon geholfen werden können: seine Blindheit war unzweifelhaft heilbar für eine kundige und geschickte Hand!

Nachdem ich mich dieser Entdeckung vergewissert zu haben glaubte,

stand ich auf, gab dem Checco die Hand zum Abschied und winkte Carmcla heimlich, mir ein wenig abseits zu folgen. Sie gehorchte willig mit leichter Ver­wunderung, und als wir weit genug von ihrem jungen Gatten entfernt waren, um nicht mehr von ihm gehört zu werden, sagte ich ernst zu ihr:

Wißt Ihr, Carmela, daß es vielleicht mir gelingen könnte, Euern

Checco von seiner Blindheit zu heilen?"

Sie blickte ohne große Ueberraschung zu mir auf und sagte ruhig:

Ich dachte es wohl, daß es möglich wäre. Aber was hilfts? Es

darf ja nicht fein".

Und warum dürfte es nicht sein?" fragte ich kopfschüttelnd.

Don Elemente!" erwiederte sie bedeutsam, und ich verstand sie. Doch ich war nicht gesonnen, den finstern Einflüssen jenes seltsamen Priesters nach­zugeben, vielmehr wollte ich mit allen Kräften das durchführen, was mir die Pflicht meines Berufes befahl.

Carmela", drang ich eifrig in sie,besinnt Euch, Don Elemente hat keinerlei Macht über Euch, daß er Euch zwingen könnte, seiner grausamen Strenge gehorsam zu sein, wenn ihr verständig seid und Eurem Glücke nicht selbst in den Weg treten wollt. Bedenket nur, wie anders würde Euer Leben werden, wenn der Checco wieder sehen könnte, ein ganzer Mann wäre,