Heft 
(1880) 42
Seite
304
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30H - Hans Hoffmann in Stettin. -

Scham und Bangigkeit, und rief mir entgegen: Was willst Du noch von dem häßlichen Checco?

O Checco! sagte ich, so laut ich konnte, Du bist wahrhaftig nicht häßlich, glaube es nicht, ich finde Dich ja so schön! Nun weiß ich gewiß nicht, lieber Herr, warum ihn diese Worte so ganz zornmüthig machten, aber er sprang wild und heftig empor und schrie mich an:

Lüge! Lüge! Ich weiß nun Alles, wie Du mich betrogen hast!

Ihr könnt nicht glauben, Herr, wie sehr ich erschrak, daß er sich so grimmig geberdete. Aber nun sah ich, daß er Thränen in seinen armen schönen Augen hatte, und das that mir zu Weh, ich vergaß meine thörichte Furchtsamkeit und trat grade aus ihn zu, daß er auf mich hören sollte. Aber er wollte es nicht und drängte mich hart von sich, als ob ich ihm etwas Uebles gethan hätte oder jetzt thun wollte. Und dazu rief er: Fort! Ich merke ja, daß Du mich noch immer belügen willst, aber es gelingt Dir nicht mehr!

Nun, Herr, ich hätte früher gewiß auf solche Reden nicht allzu viel gegeben und hätte ihm leicht als einem Kinde verziehen: aber jetzt seht, es ist Alles anders geworden in meinem Kopfe, seit ich seine Augen gesehen; ich war unsäglich gekränkt und betrübt und dennoch trotzig zugleich und stolz' und ich konnte mich nicht überwinden, das von ihm zu dulden und mich weiter mit Bitten vor ihm zu demüthigen. Gott verzeih' mir das Unrecht, aber ich kehrte mich um und ging schweigend hinaus. O Madonna! er konnte ja nicht sehen, wie sehr ich über ihn weinte, sonst hätte er mich gewiß nicht so zürnend gehen lassen.

Und wie ich nun draußen stand und nicht wußte, wohin ich mich wenden sollte in meinem Kummer, denn Ihr wäret verschwunden, Herr, da erblickte ich Don Elemente von fern und ging sogleich auf ihn zu und be­gann ihn von Herzen mein Leid zu klagen. Und er tröstete mich und wollte mir gerne helfen und ging mit mir unserm Hause zu. Und wie er nun so meine Hand gefaßt hielt und mein Kopf an seinem andern Arme lag, denn ich war ganz von Kräften vor Schreck und Noth, da sehe ich auf einmal, wie der Checco mitten auf der Straße steht und zu uns herüberstarrt. Und in demselben Augenblick wußte ich auch, obgleich es mir doch Niemand, und er selbst auch nicht sagte, denn er war zu weit entfernt von uns, daß er einen bösen Gedanken hatte über mich und Don Elemente. Ach Herr, und doch hat wohl Mancher schon von andern Priestern Schlimmes gedacht und geredet, von Don Elemente aber noch Keiner; darum vertraute ich ihm auch so von Herzen. Nun aber machte ich mich dennoch hastig von ihm los und eilte dem Checco entgegen. Der aber wandte sich zornig ab und lief, und ich sah, er schwankte wie ein Trunkener, aber er kam doch vor mir- in sein Haus und ich hörte, daß er es von innen verschloß.

Wir klopften und riefen von draußen, Don Elemente und ich, aber er antwortete nicht und öffnete nicht. Und nachdem Alles vergeblich war, ging