Heft 
(1878) 12
Seite
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6. Holzfigur aus dem Anfang des XIX. Jahrh, von Fichtel.jnn. Eigenthum der Mericlschen Familienstistuug.

emporgearbeitet,. Berlin wird in der vor­liegenden Branche durch eine großartige Firma (G. Sohlte) vertreten, welche von 100 Arbeitern nur ganz feine Artikel Herstellen läßt. Ein weiteres Haupt­centrum ist Sonneberg im Thüringer­walde. Es sind erst dreißig und einige Jahre verflossen, daß in jener rauhen Gebirgsgegend mit der Fabrikation von Spielwaaren in bescheidenem Maße be­gonnen worden ist. Jetzt bestehen in Sonneberg allein gegen 30 Firmen, die diesen Industriezweig cultiviren und hier­durch einen jährlichen Umsatz von fünf­zehn Millionen Mark erzielen. Die hauptsächlichsten Artikel sind Schreipup­pen, Pnppenbälge,

Papiermachöthiere,

Fuhrwerke. Diese Waaren werden meist in der Umge­bung Sonnebergs durch kleinere Ar­beiter angesertigt und den Kausleuten überbracht, welche dieselben alsdann verpacken lassen und den Verkauf besor­gen. Wie großartig diese Industrie ist, erkennt man dar­aus, daß 1871 auf der Werrabahn

453.000 Centner Spielwaaren hin und her gingen.

Kennzeichnet dies nach einer Richtung die Masse, so ge­nüge es, um die Vielseitigkeit der Industrie begreif­lich zu machen, zu sagen, daß Sonne­berger Kaufleute ihren Reisenden Musterbücher mit­geben , die bis

16.000 verschiedene Nummern enthal­ten. In der kleinen Stadt gibt es aber auch viel weit­gereiste Leute, welche die Welt kennen, die in den Nord- und Ostseehäfen, in England und Frankreich, in den skan­dinavischen und amerikani­schen Ländern ihre Geschäfte und Zweigniederlassungen ha­ben. In der Nähe von Son- neberg, bei Steinach, ist die Griffel- und Schiesertasel- fabrikation zu Hause und auch die allbekannten Marbel (Schusser, Klicker, Schnell­käulchen, ein schriftdeutsches Wort existirt für diese Ku­geln nicht) erblicken dort das Licht der Welt, desgleichen die Schaumperlen und bun­ten Glaskugeln für die

l. Thonfigürchen ans dem XIV. Jahrh., unter dem Straßenpflaster Nürn­bergs gefunden. Die Ver­tiefung bei Mgnrchen a diente zum Einlegen des Pathenpfennigs.

Orig, im Germ. Museum.

2. Zinnfigur ans dem XIV. Jahr­hundert. Flucht nach Aegypten. Orig, im Germ. Mnfeum.

I. Puppe ans dem XVIII. Jahrhundert.

5. Sansculotte. Holzfigur vou Fichtel fnu. XIX. Jahrh. Eigenthum der Mertelschen Familiensliftuug.

3. Zinnfigur ans dem XVIII. Jahrhund. Preuß. Grenadier. Orig, im Germ. Mus.

S. Kaiserwagen.

Zinnfigur von Heinrichsen (Nürnberg).

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8. Einsteckbild.

Christbäume kommen von dort. Und nun zu Nürnberg, dessen Name unzer­trennlich scheint von dem Begriff der Spielwaaren, das seit alter Zeit bahn­brechend voran ging auf dem in Rede stehenden Gebiete. Leider liegen so gut wie gar keine verarbeiteten Materialien über die Geschichte der Nürnberger Spiel- waarenindnstrie vor, doch bietet uns das Germanische Museum daselbst, in dem manches alte Spielzeug gesammelt ist, immerhin einige Anhaltepunkte. Die Fi- gürchen (Nr. 1), welche wir dort haben zeichnen lassen, stammen ans dem XIV. Jahrhundert. Es sind Thonpüppchen, gefunden unter dem Nürnberger Straßen- pslaster, von denen das eine (a) wohl bei der Taufe vom Pathen überreicht worden sein mag; denn die an der Brust befindliche Vertiefung war da­zu bestimmt, den Pathenpfennig anf- zunehmen. Wenn dies nun auch ursprünglich kein Spielzeug war, so wurde doch un­zweifelhaft aus die­sem und dem an­dern Figürchen, das wohl einen Heili­gen darstellt, in der Hand des Kindes die schönste Puppe. Nummer 2, eine Zinnfigur, stammt etwa aus der näm­lichen Zeit und stellt die Flucht nach Aegypten vor, wenn das Christnskind wirklich da gesessen hat, wo es durch den Zeichner punk- tirt angedeutet ist. Weit reichhaltiger fließen die Nach­richten über deutsches Kin­derspiel im Mittelalter. Neh­men wir z. B. das Kleider­buch der beiden aus Augs­burg stammenden Schwarz vor, das mit trefflichen Bil­dern geziert ist, so finden wir 1508, daß der eine Schwarz mit Schnellkügcl- chen spielt und einen Reifen treibt.Dies war meine Kurzweil, wenn ich aus der Schule kam," schreibt er da­zu. Der jüngere Schwarz ist 1543 mit einem Stecken­pferd, die Peitsche in der Hand abgebildet und im Jahre darauf läßt er einen Maikäfer an einem Faden fliegen. Das verstand man also damals schon!

7. Baschkir. Holzfigur von Fichtel fnn Anfang des XIX. Jahrhundert. Eigenthum der Merkclfchen Familien- stiftung.