Monat August stand bei Elena und Vebrowa eine Brigade der russischen 9. Division mit einigen Batterien und Eskadrons, nur hin und wieder durch feindliche Streifdetachements beschäftigt. Völlig unbemerkt versammelte SuleiMan Pascha ihr gegenüber zu Beginn des Dezembers die Divisionen Fuad und Ali Riza Pascha. Beide griffen am 4. Dezember mit großer Energie jene Brigade an und schlugen sie mit einem Verluste von nicht weniger denn 1800 Mann und 11 Geschützen. Zum ersten Male blieb eine nennenswerthe Zahl gesunder Gefangener in Osmanischer Hand. Die Avantgarde Ali Riza Paschas, welche auf der Straße von Osman Bazar nach Tirnowa verblieben war, ging gegen Kesrowa vor, um die daselbst stehende Division vom 11. Korps zu beschäftigen; denn diese konnte den Angegriffenen am ehesten Hülfe bringen. Am Abend des 4. Dezember standen die türkischen Avantgarden nur einen Tagemarsch von Tirnowa entfernt. Die Richtung von Osten her gegen diese Stadt wäre von je her die beste für die türkische Offensive gewesen. Mehemed Ali hatte sie um den 20. August gewählt, als Sulepman Paschas Ausbleiben ihn nöthigte, seinen Plan zu ändern. Auch jetzt noch hätte ein bedeutender Erfolg erzielt werden können, wenn nicht zwei Divisionen, sondern die ganze Armee den Vorstoß unternahm. So aber stellten die Russen im Laufe der Nacht durch schnelle Heranziehung von Theilen des 9. und 11. Korps das Gleichgewicht der Kräfte wieder her und Fuad Pascha hielt bald mit den weiteren Angriffen inne.
Wie am 4. Dezember der linke, so warf sich am 12. Dezember der rechte Flügel noch einmal auf den Feind. Das im Lager von Kadiko'i stehende türkische Korps Assaf Paschas griff das 12. russische auf den Höhen von Metschka an, doch vergeblich. Fast an derselben Stelle, wie am 26. November, kam es zu einem ebenso blutigen und resultatlosen Kampfe. Seitdem schwiegen nördlich des Balkan die Kanonen. Auch Elena wurde in denselben Tagen wieder geräumt. Der Abmarsch über das Gebirge war schon beschlossen.
Ein neuer Feind entstand gleichzeitig der hohen Pforte. Am 14. Dezember verkündeten Kanonensalven von den Wällen von Belgrad die zweite Kriegserklärung Serbiens an die Türkei. Herr Christic überreichte in Konstantinopel dem Minister des Auswärtigen, Server Pascha, die offizielle Notifikation. Der Fürst reiste vom Ministerpräsidenten und dem Metropoliten begleitet ins Lager von Alexinatz ab. Alsbald verlegte er sein Hauptquartier nach Krusevac.
Als Serbien im Juli des vorigen Jahres den ersten, später zwei Meilen von der Grenze Lei Ak Palanka kläglich gescheiterten „Marsch nach Sofia" antrat, war sein Beginnen vielleicht politisch und militärisch unklug zu nennen. Eine gewisse Sympathie aber durfte man demselben nicht versagen. Das serbische Volk erhob sich mit seinen geringen Kräften gegen den damals noch in voller Blttthe stehenden Ueberinuth der Türkenherrschast. Serbien hat in jener Epoche dennoch geleistet, was es konnte. Es hielt den Krieg gegen dieselbe Armee, welche seither von Rußland in einem halbjährigen Feldzug nicht niedergeworfcn werden konnte, vier Moiiate lang aus. Diese Leistung hat nirgends große Würdigung erfahren, am wenigsten von Rußland. Europa war entrüstet über den tollkühnen Friedensstörer. Seine Zeitungen wimmelten von Schilderungen über die Feigheit und Unbrauchbarkeit der serbischen Milizen.
.Heute tritt das kleine Fürstenthum, seine damals übernommenen Verpflichtungen brechend, auf der Seite des Stärkeren in dem Augenblicke in den Krieg ein, in welchem seine Hilfe unnütz ist, und seine Bundesgenossenschaft nur der Bethciligung an einem wohlfeilen Triumphzuge ähnlich sieht. Dennoch werden wir bald überall von der Tapferkeit derselben Milizbataillone hören und lesen, die einst geschmäht wurden, die aber jetzt mit großer Ueberwacht den an den Grenzen aufgebotenen türkischen Landsturm zu Paaren treiben. Die Bevölkerung Alt-Serbiens, welche die Befreier da
mals sehr frostig empfing, jubelte ihnen heute entgegen. Das ist der Laus der Welt. Der'Weise hält sich stets zum dicken Haufen.
Die Strategie der Serben ist die der excentrischen Operationen, mit denen sie auch 1876 den Feldzug erösfneten. Ein Drinakorps hält die Grenze gegen Bosnien besetzt; ein Javorkorps ist in den türkischen Distrikt von Novibazar eingedrungen, hat dort vor Sienitza und Novibazar einige unbedeutende Gefechte gehabt, scheint aber zur Zeit vor diesen Städten festzustehen. Jedes von ihnen ist auf..eine schwache Division von 10,000 Mann zu schätzen. Eine stärkere Heersäule unter General Horvatovic bildet die „Timokarmee", die man auf 20,000 Mann annehmen kann. Sie operirt theils gegen Widdin, wohin auch die Rumänen abgerückt sind, theils, nach Erstürmung des S. Nikolaja-Passes, in südöstlicher Richtung. Hier gilt es die Verbindung mit dem äußersten rechten Flügel der Russen nach Berkovac herzustellen. Der Rest der fürstlichen Landmacht hat die Haupt-, die Morawaarmee, formirt, die auf den bekannten Pfaden zum zweiten Male gegen Sofia vorrückt. Lesjanin, der ehemalige Antipode Tschernajews, kommandirt bei dieser Armee, die auch der Fürst persönlich begleitet.
Eine Fülle von Depeschen verkündete bereits die ersten Waffenthaten der neuen Bundesgenossen, und erschwert mehr den Ueberblick, als daß sie einen solchen fördert. Die Türken hatten bei Ausbruch des Krieges in der Linie Pirot-Ak Palanka-Nisch eine schwache Vertheidigungslinie aus Musthafiz- bataillonen gebildet. Diese nun durchbrach die Morawaarmee, von Horvatovic indirekt unterstützt, unter einer Reihe von Gefechten am 24., 26,27. und am Vormittage des 28. Dezember. Vor dem linken Flügel liegt, seit Pirat am letzten Gefechtstage früh 11 Uhr siel, die Straße nach Sofia frei da. Eine türkische Feldarmee in jener Gegend exiftirt nicht mehr. Das rechte Flügelkorps der Morawaarmee hat Nisch eingeschloffen. Avantgarden sind gegen Leskowac und Kursumlja vorgeschoben.
Unzweifelhaft wird General Gurko die Bestimmung erhalten, sobald der Vormarsch über den mittleren Balkan beginnt, am Fuße des Gebirges ostwüris zu marschiren und das Debouchiren aus dem Trojan-, Schipka-, Hainkiöj- und Elenapasse zu erleichtern. Sich ihm anzuschließen, und durch einen weiten Siegeszug nach Thrarien die alten Niederlagen vergessen zu machen, mag der wesentlichste Zweck der serbischen Heerführer und Politiker sein.
Auch die Montenegriner haben, da ihnen kein kräftiger Feind gegenübersteht, Fortschrittie außerhalb ihrer Berge gemacht und nach einer Reihe von kleineren Gefechten gegen muhamedanische Milizen und Freiwillige den schmalen Landstrich zwischen Skutarisee und dem adriatischen Meere in ihre Gewalt gebracht. Nur die Citadelle von Antivari*) wird seit fast zwei Monaten von einer Handvoll Türken hartnäckig vertheidigt. Drohend standen die Czerna- gorzen schon vor Skutari selb. Auch Dulcigno haben sie erstürmt, den letzten Hafenort, den der Feind noch hielt, und über den die einzige Verbindung der Besatzungen von Skutari, Podgorizza und Spuz mit dem übrigen Reichs führte. Abdi Pascha, der Vater des Kriegs- und Marineministers Reouf, und Muschir Ali Salb, die dort kommandiren, sind nunmehr ganz isolirt.
In Asien gebot der Winter Halt, und nur unter den größten Beschwerden ist es den Russen gelungen, Erzerum endlich zu isoliren. lieber den Zustand der Besatzung und ihre Stärke lauten die Nachrichten so verschieden, daß wohl erst der Tag der Capitulation, oder der Frieden Klarheit darüber verbreiten wird. DiOhöchsten Angaben beziffern sich auf 29,500, die niedrigsten auf 12,000 Mann.
Fryr. v. d. Goltz.
') Nach einer soeben einlanfenden Nachricht ist auch die Citadelle iu die Hände der Montenegriner gefallen. D. N.
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