Heft 
(1878) 24
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erging aber auch zum Konzil vvu Trient eine Ladung au die Evangelischen. Möchte die jetzige so gefaßt sein, daß sich die Hoffnung der Möglichkeit eines besseren Erfolges darauf grün­den ließe/'

Pius verstand mich, als ob ich überhaupt von den Er­gebnissen jener Synode geredet habe. Vielleicht wollte er auch nur einer direkten Antwort auf mein Bedenken aus dem Wege gehen. Er sagte:

Nun wir wollen ja wenigstens hoffen, daß die Erfolge diesmal nicht wieder so lange auf sich warten lassen werden, als vor dreihundert Jahren.""

In der Absicht Eurer Heiligkeit, Katholiken, Protestanten und Schismatiker zu einem Konzil zu laden, spricht sich die Hoffnung aus, daß es gelingen werde, unter den Gläubigen der verschiedenen Konfessionen eine Verständigung zu erzielen, unter ihnen einen festen Bund gegen Unglauben zu begründen. Daß in solcher Weise noch in unseren Tagen die endliche Ver­heißung des Herrn erfüllt werden möge, ist mein heißestes

Verlangen und das zahlloser mir Gleichgesinnter. Wolle Gott es zur Wahrheit werden lassen."

Solche Hoffnung ist ein lieber schöner Traum; aber sie ruht nicht auf dem Felsen Petri. Auf ihm ruht nur der Glaube der Kirche. Was kann innerhalb eines Jahres nicht alles ge­schehen, das solch schöne Hoffnungen zerstört! Wie viel neue Gewitter sehe ich nicht jetzt schon heranziehen! Wohlthuend bei dem allen, und erquickend ist es aber redlicher und treuer Ge­sinnung zu begegnen. Vertrauen Sie, daß ich für Sie beten werde: für Ihr zeitliches Wohl, für Ihre glückliche Heimkehr. Am innigsten aber werde ich dafür beten, daß Gott Sie mehr und mehr erleuchte und Sie den Weg in Sein Himmelreich geleite. Haben Sie Kinder?""

Fünf, heiliger Vater!"

Nun, auch für Ihre Kinder werde ich beten und für alles, das Ihnen angehört. Gott segne Sie! Leben Sie wohl, ok ^.ralmno'olaL Rapbnsl aoinitstur in itinero kuo.""

Noch einmal reichte er mir die Hand, die ich herzlich drückte.

Die Schützlinge.

Eine Episode aus Rietschels Jugendleben von Moritz non Rcichcnlmch.

Nachdruck verboten. Gel. v. tl./VI. 70.

I.

Das Städtchen Radeburg in Sachsen ist ein so hübsches, stilles, langweiliges kleines Nest, wie man es sich gar nicht besser oder schlimmer vorstellcn kann. Das ist heutigentags noch so, und im Jahre 1823 war es auch nicht anders. Dennoch bot der Marktplatz des Städtchens an einem Nachmittage jenes Jahres ein ganz belebtes Bild dar, und man konnte sämmt- liche Honoratioren mit Frauen und Töchlern im schönsten Sonn­tagsstaat zwischen sechs und sieben Uhr darüber hingehen sehen, was für Radeburgcr Verhältnisse außerordentlich merkwürdig war, da es an keinem Sonn- und Feiertage, sondern mitten in der Woche geschah. Und dazu machten die Radebnrger feierlich er­wartungsvolle Gesichter, und hinter den Fenstern des Gasthauses zum goldenen Lamm" standen mehrere junge Männer, welche den herannahenden Honoratioren ebenfalls sehr erwartungsvoll entgegensahen.

Eigentlich ist es doch ein kühnes Unternehmen, Ernst," sagte einer dieser jungen Männer zu seinem Nachbar,denn wenn unsere Stimmen uns auch selbst ganz gut gefallen, so haben wir doch noch nie versucht, uns damit vor anderen hören zu lassen."

Der mitErnst" Angeredele zuckte die Achseln.

Was blieb uns anderes übrig?" sagte er.Helfen wollten wir doch, und wenn das mit unseren Ersparnissen geschehen sollte, so wäre die Küsterswittwe Hungers gestorben und wir mit ihr."

Ja, es ist sehr unangenehm, wenn man in seinen Ver­mögensverhältnissen mit den Kirchmänsen in einen Rang ge­hört und dabei eine solche Antipathie gegen die Armuth besitzt, daß man sie sogar bei fremden Menschen nicht dulden will," brummte der erste wieder.

Ach, mache Dich nicht wieder schlechter als Du bist, Freund Thäter," rief Ernst,Du selbst warst ja der erste, welcher den Freunden meine Idee, für die arme Küsterfamilie ein Konzert zu veranstalten, vortrng. Und sieh nur, wie famos und vielversprechend unser Programm geworden ist."

Er nahm einen großen weißen Zettel vom Tisch und hielt ihn den: Freunde hin.

Da hör einmal: heute Mittwoch, den 15 . Juni, großes Konzert in Radeburg, ansgeführt von densingenden Ma­lern." Klingt das nicht vielversprechend? Und nun weiter: Erstens Chorgesang; ausgeführt vom gesummten Personal. Dann Duett, gesungen von Herrn Jul ins Thäter und Herrn Ernst Rietschel wir beide müssen als die Anstifter zu­erst daran, das ist auch in der Ordnung, dann"

Da ist der Bürgermeister," rief die Lektion unterbrechend eine fröhliche Stimme, deren Eigenthümer ein junger Maler namens Georg war, vom anderen Fenster her,nun muß es

los gehen! Thäter, Rietschel, habt Ihr den Bürgermeister ge­sehen? Kommt, den dürfen wir nicht warten lassen."

Die jungen Männer, sechs oder sieben an der Zahl, schritten der Thür zu. Da wurden sie plötzlich durch einen jungen Mann, welcher die Stufen hinaufstürmte, aufgehalten.

Sind Sie die Herren Maler von der Dresdner Akademie?" rief der Fremde ihnen entgegen.

Allerdings, was soll's damit?" antwortete Thäter.

O, dann bin ich sehr glücklich, Sie gesunden zu haben! Es sind auch Bildhauer unter Ihnen?"

Nun, wenigstens einige, die es werden wollen," meinte Rietschel.

Aber was wollen Sie eigentlich von uns? Reden Sie schnell, wir haben Eile," riefen die anderen durcheinander.

Der Fremde, ein stattlicher junger Mann mit hübschen: offenen Gesicht, welches nur durch das allzuüppige dunkle Haar, das ihm etwas wild über die Stirn siel, entstellt wurde, schien einen Augenblick etwas verlegen. Er nuckelte seine schwere goldene Uhrkette um die Finger, blickte unsicher von einem znm andern und sagte endlich:Ja, so schnell kann ich Ihnen mein ^ Anliegen nicht vortragen, und wenn Sie jetzt zu dem Konzert müssen, so will ich lieber warten, so unangenehm mir dies auch ist."

Ihren Namen werden Sie uns doch wenigstens nennen können?" fuhr Thäter dazwischen.

Verzeihen Sie, aber ehe Sie mein ganzes Anliegen kennen, möchte ich Ihnen auch nicht meinen Namen nennen, es ist so eine eigenthümliche Geschichte."

Wenn Sie in unsrem Zimmer auf uns warten wollten," wandte sich Rietschel an den Fremden,in zwei Stunden wird das Konzert beendet sein. Jetzt haben wir keine Zeit." Da­mit stiegen sie, an dem Fremden vorbei, die Treppe hinab.

Ich bleibe also in Ihrem Zimmer und erwarte Sie," klang die Stimme des Fremden ihnen nach.

Die Freunde hatten nicht Zeit ihre Verwunderung aus­zusprechen, denn im nächsten Angenblicke öffnete der Kellner diensteifrig die Thüren des Konzertsaales, und die singenden Maler standen dem erwartungsvollen Radeburger Publikum gegenüber. Uebrigens begrüßten sie schon manchen alten Be­kannten unter diesem Publikum, denn die Schüler der Dresdner Kunstakademie hatten schon öfter Sonntagspartien nach Rade­burg veranstaltet. Singen aber hatte man sie nie gehört. Nun aber sangen sie und befriedigten die Ansprüche ihrer Zuhörer ! in so vollständigem Maße, daß die Beifallssalven, welche nach ! jeder Piece losgelassen wurden, bis in das stille Zimmer drangen, ! in welchem der räthselhafte Fremde wartete. Dieser lief mit ^ großen Schritten darin auf und ab, blieb endlich vor einem der beiden Fenster stehen und trommelte im Geschwindmarsch­tempo auf den Scheiben. Dann setzte er sich auf einen am Fenster