Heft 
(1878) 24
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) Strümpfe waren, wie uns der alte Troll berichtet, selbst für Köni- k gmncn ein sehr großer Luxus.

i lieber die Erziehung der Kinder durch die Mutter berichtet

v. Stetten, daß dieselbe in der Hauptsache gut war. Die Kinder -! wurden zur Gottesfurcht, zu den Wissenschaften und zur Haushal- ; tung angehalten, aber dieVerfeinerung der Sitten wurde vernach- s lässigt." Mädchen hatten ihre Puppenstuben, die oft bis 1000 Gulden und mehr zu stehen kamen*), und womit sie sich, bis sie Bräute wurden, mit ihren Müttern unterhielten. Es war alles in ihnen enthalten; dagegen lasen die Frauenzimmer wenig und schlecht.

Schließlich lesen wir im Orelli: das Frauenzimmer scheint an­fänglich sehr verlegen im Umgang; bei näherem Umgang ist es je­doch so unbefangen wie die Männer. Das weibliche Geschlecht lebt ganz für die Haushaltung und für die Erziehung der Kinder, sie verrichten alle werblichen Arbeiten, besorgen die Küche und verfer­tigen viel weibliche Kleidungsstücke. Selbst in wohlhabenden Häu­sern ist sehr selten mehr als eine Magd und die Handwerksfrauen behelfen sich gar wohl ohne dieselbe, leisten wohl noch st.oft ihrem Manne Hilfe in seinem Geschäfte. So auch die Töchter. Die Frauen des Handwerkers gehen selbst auf den Markt, aus den vor­nehmen Häusern die Töchter, und die Minderjährigen aus dieser -Klasse bringen aus den Landgütern ihrer Eltern in sauberen Kör­ben mit Bändern gezieret, die kleinen Produkte, wie Eier, Baum- srüchte und dergl. zu Markte. Sie finden jederzeit bald Käufer ihrer Maare, den Dienstboten wird nur die harte Arbeit überlassen.

Nachdem wir in dem Vorstehenden die Hausfrau in ihrem Wirken und Treiben in und außer dem Hause kennen gelernt haben, sei es uns gestattet, in wenigen Worten sie in ihrem geistigen und sittlichen Wirkungskreise zu schildern.

Die Ehe, welche bis zur Reformation hin nur als eine Ver­einigung zweier Liebenden betrachtet worden war, hatte durch die fromme, ehrliche Innerlichkeit des protestantischen Bekenntnisses eine sittliche Weihe erhalten, welche sie als ein Amt von Pflichten und Rechten erscheinen ließ. In dieser Bedeutung wird sie von den hervorragendsten Schriftstellern der Zeit aufgefaßt und gewürdigt. Man lese nur Johann FischartsPhilosophisches Ehezuchtbüchlein" (1578) und man wird staunen über die Tiefe und Innerlichkeit, in welcher die eheliche Gemeinschaft in diesem wunderbaren Schatzkäft- lein praktischer Lebensweisheit erfaßt ist. Eine kleine Probe wird unser Urtheil rechtfertigen. Fischart schreibt:

,,Die menschliche Aumuth vergleichet sich einer Bienen, welche allein nicht leben mag, sondern stirbt, sobald sie allein ist. Darum suchet sie stets eine Gemeinschaft, da sie im gemeinen Werke trage und arbeite, und nicht allein für sich, sondern auch für Andre sorgt. Woraus aber bestehet die ganze Gemeinschaft anders, als aus vielen Geschleckten und Haushaltungen? Der Geschlechter Anfang aber find ja die Heirath: deshalben, wer dem Menschen die Ehe ent­ziehet, der tilgt auch die Geschlechter aus. Ja die Stadt, die Ge­meinde, das ganze menschliche Geschlecht, alle freundliche Zusammen- wohnung, einmüthige Vereinigung, nachbarlichen Willen, väterliche Fürsorge, mütterliche Herzlichkeit, kindliche Anmuth, geschwisterliche Liebe, 'schwägerliche Verwandtschaft, häusliche Treue, gesellige Kund- schaft, liebliche Einigkeit und das einhellige Regiment dieser Welt. Denn wo ist ein ordentliches Leben ohne die Ehe?"

Wie die Bienen des Menschen halber geschaffen sind, also der Mann und das Weib gemeiner Geselligkeit und Erhaltung der Ge­meinde halber. Wie die Bienen nicht allein Junge erzeugen, son- dern auch die Waben und das Nest, desgleichen auch das Wachs bringen, also zielen viel Eheleute nicht allein Kinder, sondern bemühen sich auch etwas Gutes zusammenzntragen, welches der Gemeinde diene. Wie die jungen Bienen gleich mit an die Ge­meinschaft und A.oeil anstehen müssen, also ziehen rechte Eltern ^gleich ihre Kinder an zu ehrlicher Haushaltung, daß die Gemeinde daraus erbauet werde, wie die Bienen keine faulen Hummeln unter sich leiden, also in einer Haushaltung muß Alles ernst zugehen. Die Frau muß aber gleichsam eine Königin im Jmmenkorb ihres Hauses fein, welche mit Anordnung aller Arbeit, Fürsorg, der Speise, der Aussendung des Gesindes an die Arbeit, den Jmmenkorbköuig an- maße."

Diese ernste und tiefsittliche Auffassung der Ehe übertrug sich dann aber nothwendigerweise auch aus die Beurtheilnng aller Lebens- Verhältnisse und daher kam es, daß wir unter den Helfern und Förderern des Reformationswerkes so viele deutsche Hausfrauen finden. Wir wollen nur an Anna von Stolberg, an Argula von Grumbach, an Magdalena Haymer von Regensbnrg, an Katharine Junker von Eger und an so viele andre erinnern, welche mit Schrift, Wort und That für die neue Lehre eintraten.

Herzlich und innig spricht sich das Bekenntniß der neuen Lehre in einem Briese aus, welchen eine Nürnberger Bürgerssrau, Witwe

*) Im germanischen Museum zu Nürnberg sind solche kostbare Puppen­stuben erhalten

Ursula Tetzlin, am 1. Februar 1525 au den Rathvon wegen ihrer Tochter eoiwru die Aebtissiu und Konvent zu St. Clären allhisr (Nürnberg)" schreibt, damitihr gefangenes und gepeinigtes Gewissen zur Ruhe gestellt werde." Sie fleht den Hohen Rath an, ihr be­hilflich zu sein, ihre Tochter, welche, unwissend, was sie thue, mit dem vierzehnten Lebensjahre in das Kloster gegangen sei, ans letzte­rem zu befreien. Es heißt in dem Schreiben: .Mich drängt mein und meiner Tochter Seelenheil Euer Fürsichtigkeit um des barm­herzigen Gottes willen zu bitten und zu ermahnen, Ew. Fürsichtig­keit wollen zu Herzen nehmen, daß meine Tochter in nnverständigen Jahren in diesen Kerker gekommen ist, und daß Christus am jüngsten Gericht nicht erfordern wird Beten, Fasten, Schweigen, Eier oder Fleisch, sondern allein Glaub und Liebe des Nächsten."

Daß die Hausfrau, welche die traditionelle Würde des deutschen Weibes durch strenge Wahrung der sittlichen und gemächlichen Be­deutung der Ehe zu bethätigen wußte, überall geschätzt und gepriesen wurde, davon sind Stellen in den zeitgenössischen Schriftstellern uno gleichzeitige Sprichwörter beredte Zeugen. Zum Beispiel:

Ein fromm, gottesfürchtig Weib ist em seltsam Gut, viel edler und köst­licher denn eine Perle. Ihr Schmuck ist Reinlichkeit und Fleiß. Sie thut ihren Mund auf mit Weisheit, auf ihrer Zunge ist holdselige Lehre. Ihr Mann lobet sie, ihre Kinder kommen auf und preisen sie selig. Luther/

Es ist kein schöner Ding aus Erden

Als Frauenlieb', wem sie mag werden. Derselbe.

Wo die Frau wirthschaftet, wächst der Speck am Balken. Ngrieola.

Schöne Weiber machen schöne Sitten. Derselbe.

Alle Freundschaft weit übertrifft

Ein fromm Weib, das nichts Böses stift't.

Wenn alle Freunde von Dir gehen,

Wird sie getreulich bei Dir stehen,

Und wagen Alles in Freud und Leid

Zu Deinem Dienst allzeit bereit. Eoban Hesse.

Sie ist genug gezieret, die mit Ehrbarkeit, Tugend und gutein Herkommen bekleidet ist. Markgraf Albrecht von Brandenburg d. I.

Sei, was Du bist, ein Weib! Willst Du mehr sein, so bist Du keins.

Gregor Heimburger.

Das Weib und der Ofen sind des Hauses Zier. Sprichwort.

Mann ohne Weib

Ist Haupt ohne Leib;

Weib ohne Mann

Ist Leib ohne Haupt daran. Alter Spruch.

Aber diesem Lobe und Preise gegenüber macht sich auch manche Stimme laut, die es vorzieht, der Kehrseite der Medaille eine scharfe Würdigung zu Theil werden zu lassen. Schon um der Gerechtigkeit willen, nicht bloß um unser Helles Bild durch Schatten zu heben, wollen wir auch einigen derbösen Zungen" des sechszehnten Jahr­hunderts das Schlußwort gönnen.

Die Frauen haben jedes Jahr vier Krankheiten und jede dauert drei Monate. Seb. Frank.

Ein Weib verschweigt, was sie nicht weiß. Derselbe.

Wo es schlimm hergeht in der Welt

Da ist ein Weib und ein Psaff' zugesellt. Derselbe.

Ein Weib mit vielfältigem Rock hat einen einfältigen Kopf.

Joh. Fischart.

Es gibt nur zwei gute Weiber auf der Welt, die eine ist gestorben und die andre nicht zu finden. Derselbe.

An einer Frau und an einer Mühle gibt es immer etwas zu bosseln und zu sticken. Ehr. Lehmann.

Die der Teufel zusammengefügt, kann Keiner trennen und die Gott zu- sammengefügt, halten selten aneinander. Derselbe.

In der Weiber Kram findet sich immer etwas feil. Derselbe.

Drei Frauen, drei Gänse, drei Frösche dabei

Machen einen Jahrmarkt mit ihrem Geschrei. Joh. Buchler.

Es ist ein Kraut, heißt mulior,

Davor Hut' Du Dich sempsr.

Es trüget Dich tall-rciter.

Das glaube mir voraoiter. ?

Wer sich an Weibern thut vergaffen

Ist ein Schaf und wird zum Äffen. (Bürgerlust.)

Und endlich die Sprichwörter:

Kein Weib ohne nisi, die Beste, die es bedeckt.

Frauengunst ist nie umsunst.

Frauenlieb' ist fahrende Hab',

Heute lieb, morgen schabab.

Frauen haben mehr Launen als Locken.

Druck von C. Schönert in Leipzig.