Heft 
(1878) 38
Seite
597
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Ein deutsches Familienklatt mit Itlustrativnen.

Erscheint wöchentlich und ist durch alle Buchhandlungen und Postämter vierteljährlich für 2 Mark zu beziehen.

Kann im Wege des Buchhandels auch in Heften bezogen werden.

XIV. IktjrglMg. Aiiszcgrbrn lim 22. Juni 1878. Dir Jahrgang läuft aam Walicr 1877 bis dahin 1878. 18?8. 38.

II» «aprieeio.

Novelle aus der italienischen Gesellschaft von M. Lion.

Wohl sagt man in Bezug auf die Menschennatur, daß sie sich ihren Hauptzügen nach in kleinen wie in größeren Orten, im Norden wie im Süden gleicherweise ausprägt:Der Mond spiegelt sich sowohl im unbedeutenden Bach wie im weiten Ozean, die Leidenschaften und Bedürfnisse der Menschen sind schließlich dort wie hier dieselben."

Ach, wer das sagt, ließ nie seinen Blick auf Palmen und Cypressen, ans den Fluten des Mittelmeers oder den Kanälen der Lagunenstadt ruhen, währendSignora Luna" ihr klarstes Licht darüber ausgoß und einen Märchenglorienschein wob um Erdenschönheit und Wanderglück.

Verschieden wie die deutsche Mondscheinnacht von jener lichten Klarheit, so verschieden auch deutsche Neigungen und deutsches Wesen von italienischen Ansichten, von italienischer Form und Weise.

Wer das ergründen will, wen es lockt, sie kennen zu ler­nen jene Naturen,gereift auf einer anderen Flur, in einem andern Sonnenlichte", der folge mir aus jene Marmorterrasse in einer der Vorstädte Genuas, die lebendig in diesem Mo­ment vor meinem geistigen Auge steht, und höre, was ich einst von liebem Munde dort vernahm.

Einst" sage ich, und doch ist kaum ein Jahr seit jener frühen Abendstunde verflossen, da die schöne und sympathische Frau neben mir aus dem Eßsaal auf den Balkon hinaustrat, sich auf die Galerie stützte und den Blick ihrer ausdrucksvollen braunen Augen über die weiten Gärten schweifen ließ. So prachtvoll die Landschaft sich vor uns ausbreitete, ich fand anderes zu bewundern in meiner nächsten Nähe. Wie träu­merisch sanft schaute das liebliche Gesicht in diesem Augenblick!

Bon den blonden Haaren einer seltenen Schönheit in jenen Landen hatten sich einige Locken über die weiße Stirn ver­irrt; das kräftig gezeichnete Profil hob sich ernst und edel her­vor, und um den kleinen Mund hatte sich ein weicher, nach­denklicher Zug gelegt. Ja, sie war sehr schön noch immer sehr schön, konnte man sagen, denn es mochten wohl zehn oder elf Jahre dahingegangen sein, seit sie verheirathet war.

XIV. Jahrgang. S8. N

Nachdruck verboten. Ges. v. 11./IV. 70.

Wie sie jetzt in der gedämpften Abendbelenchtung neben mir stand, fragte ich mich, ob sie Wohl jemals schöner gewesen sein könne als eben jetzt, und ich war versucht, mir niitnein" zu antworten.

Da glitt es wie ein Sonnenstrahl über die eben noch so ernsten Züge; die Regimentsmusik erklang auf der nahen Wall­promenade, das Militär kehrte von den Exerzierplätzen zur Stadt zurück; das ganze holde Gesicht der Signora strahlte Helle Freude wieder.

Ja, sie war einst noch schöner gewesen; jetzt wußte ich es. Unvergleichlich liebreizend mußte sie gewesen sein, als ihr Mund noch oft so lachte, als ihre Augen noch oft in dieser Fröh­lichkeit strahlten; als sie jenes heiter-übermüthige Mädchen war, von dem noch jetzt die Freunde ihrer Jugend mit Be­geisterung sprachen.

Wie kommt es, Signora, daß gerade heute diese Musik solchen Eindruck auf Sie hervorbringt?"

Da!" Ich hielt eine rothe Nelke in der Hand. Die Blume hatte sich bei der lebhaften Bewegung des Hauptes aus dem weichen Blondhaar der Dame gelöst und wollte zu Boden fallen. Es war mir gelungen, sie aufzufangen.

Die schöne Signora sah lächelnd mich und dann die Blume an:

Vielleicht würden Sie nicht gefragt haben, hätten Sie meine Antwort geahnt," erwiderte sie mit einem eigenthümlichen Ausdruck in Stimme und Blick, den ich mir erst später zu er­klären wußte.Mein Geist hatte gerade ein wenig im Buche der Erinnerung zurückgeschlagen und überlas einige Blätter, die von Thränen befleckt und von Ungestüm fast zerrissen sind Da klang, wie die lebendigste Illustration zu jener Schrift, die Militärmusik zu uns herüber, und ich sehe das Regiment vor­überziehen wie zu jener Zeit wie zu jener Zeit, und doch wie hat alles gewechselt! Und es ist gut so!" fügte sie mit eigenthümlich tiefem Tonfall sanft und ruhig nach einigen Se­kunden hinzu.

Ich weiß nicht, Signora, was größer wäre, Ihre Grau-

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