Heft 
(1878) 43
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und sah verdrießlich vor sich hin, weil sie nicht recht wußte, ob sie weinen oder lachen sollte. Es war französisch, das war das Gute daran, aber das Aufkommen der Roture störte sie wieder. Ich für mein Theil habe nichts gegen die Roture. Kann mir nicht helfen, mir ist der Mensch die Hauptsache, war es mir immer, und ist dieser ganz allgemeine llomo, von dem ich als guter Lateiner wohl sprechen darf, wirklich um einen Kops gewachsen, seitdem sie drüben dem armen König um eben so viel kürzer gemacht haben, so scheint mir die Sache nicht zu theuer bezahlt, jsn vnnt In ollanäetls. Auch eine Guser Neminiscenz. Ach, Vitzewitz, das dümmste sind doch die Vor- urthcile. Wie gefiel Ihnen Drosselstein, als er heute wieder das ostpreußische Register zog?"

Und noch dazu an falscher Stelle," lachte Berndt.Ich habe zufällig in Erfahrung gebracht, von wem der Aufruf ge­schrieben wurde. Staatsrath Hippel. Ostpreußisches pur Lau» Aber ich wollte Drosselstein die Beschämung ersparen. In unseren Schwächen sind wir am empfindlichsten, Sie, ich, jeder. Seien wir froh, daß wir ihn haben; er ist doch der vornehmste Mann unseres Kreises und tont-ll-tnit ein Edelmann. Die meisten heißen blos so; er hat den Vorzug einer zu sein."

Bamme stimmte bei; damit brachen sie das Gespräch ab, und setzten ihre Pferde in Trab.

In Hohen-Vietz angekommen, hatten alle das Bedürfniß nach Ruhe; sie zogen sich zurück, unter den ersten Hirschseldt und Tubal, die dasselbe Zimmer inne hatten. Sie plauderten noch eine kleine Weile, dann wurde Hirschseldt still. Er schlief. Nur Tubal wachte noch.

Allerlei Gedanken gingen ihm durch den Kopf, deren er nicht Herr werden konnte.

Bin ich verlobt?" fragte er sich, als er endlich das Licht gelöscht hatte.Ich glaube ja. Da müßte ich ja glücklich sein. Und bin ich es? O gewiß, ich bin es, ich bin glücklich. Aber nicht glücklich genug; ich müßte sonst jubeln, und nichts hören und sehen als sie. Und seh'ich sie? Sonderbar, ich habe kein

deutliches Bild von ihr. Kanin ein Bild überhaupt.Und

doch lieb' ich sie.Wer liebte sie nicht!" sagte die Tante

Ach, Glück, Glück. Hab' ich Dich? Und ich frage noch.

Undankbarer, der ich bin!"

So sann er weiter. Immer schattenhafter zogen die Bilder an ihm vorüber, bis auch er entschlief. (Fortsetzung folgt.)

Am Aamikienlische.

Zur Geschichte des Rechenmeisters Adam Riese.

In Nr. 31 dieses Blattes findet sich ein Aufsatz über den berühmten alten Rechenmeister Adam Riese oder Ries, wie er sich eigentlich schrieb, welcher in biographischer Hinsicht einiger Berichtigungen bedarf.

Nicht zu Staffelstein in Franken, wie dort und im Brockhans'schen Konversationslexikon behauptet wird, ist Ries geboren, sondern als der Sohn eines armen Bergmanns am 12. April 1492 in der Bcrgstadt Zwönitz im sächsischen Erzgebirge, wie dies die sächs. Kirchengalerie, Bd. VIII, S. 99 (Dresden 1842) Art. Zwönitz und Pierers Univ.- Lexikon nachweist. Er wählte den Stand seines Vaters und diente bis 1507 als Karrenjunge in Eibenstock. Im Jahre 1517 zog ihn sein Hang zur Mathematik nach Wittenberg, wo er dieselbe zwei Jahre lang studirte. Was seinen nachherigen angeblichen Aufenthalt in Er­furt und seine spätere Anstellung zn St. Andreasbcrg auf dem Harz betrifft, so wollen wir dies nicht bestreiten. Daß er aber schon 1533 sich in Annaberg aufhielt, wo damals der Silberbergban blühte, ergibt sich aus der Dedikation einer in der Zwickauer Rathsbibliothek vorhan­denen, wenig oder gar nicht bekannten Druckschrift in 4" und tabella­rischer Form, welche unter dem TitelEin gerechnet Büchlein auff den Scheffel, Eimer vnd Pfnndgewicht, zu Ehren einem Erbarm Weisen Rath auff St. Annenberg, durch Adam Riesen 1533; gedruckt zn Leipzig durch Melchior Lotter vnd vollendet am Abend des neuen Jars 1536" erschienen ist. Und daß er sich vielleicht in Folge seiner Be­theiligung am erwähnten Silberbcrgban in guten Verhältnissen befand, bezeugt der Umstand, daß er bereits 1539 ein eine halbe Stunde nordöstlich von Annaberg gelegenes Landgut kaufen konnte, welches nach ihm noch heute die Riesenbnrg heißt und zur Communewiese ge­hört. Im Jahre 1542 wurde er als Bergschreiber bcun Annaberger Bergamt eingestellt und ist als solcher an: 30. März 1559 in einem Alter von 67 Jahren gestorben.

Von feinem berühmten sprichwörtlich gewordenen Rechenbuche, dessen eigenhändiges Manuskript noch gegenwärtig die Marienberger Kirchenbibliothek verwahrt, ist die erste Ausgabe 1525 zn Erfurt in Druck erschienen, und später bei seinen Lebzeiten zweimal, als 1535 zu Frankfurt und 1550 zn Leipzig neu aufgelegt worden, nach seinem Tode aber 1561 und 1611 zu Leipzig, sowie 1629 zu Nürnberg und noch öfter. Die beiden Leipziger Oktavansgaben von 1561 (gedruckt in der churfnrstlichen Stadt Leipzig durch Hans Rhambaw) und von 1611 (Leipzig, Lssmvaläinis, gedruckt durch Jakob Popporeich) finden sich in der Zwickauer Rathsbibliothek und führen den Titel: Rechnung auff der linien vnd federn in zal, maß vnd gewicht auff allerlei) Handirnng gemacht durch Adam Riesen". Beide sind gleich der Ausgabe von 1550 mit dem Brustbilde des Verfassers in Holzdruck als Titelvignette verziert, mit der Umschrift:Tclairc Riss sainss Altars im UVIll. llar. Vnno 1550", also nichtim UVI. Jahr", wie cs auf dem reproduzirtcn Titelblatt der 1550er Ausgabe in Nr. 31 dieses Blattes heißt. Ein eigenhändiges Manuskript des Adam Ries findet sich auch im Zwickauer Rathsarchiv, nämlich eine sogenannteSatzungs­tafel", welche der Zwickauer Stadtrath, als er im Jahre 1553 eine neue Back- und Mühlenordvung einführte, durch den zu diesem Zweck eigens von Annaberg nach Zwickau verschriebenen berühmten Rechen­meister anfertigen ließ. Sie ist 28 Blatt stark in Folio, sehr leserlich geschrieben, und hat bis in die 1820er Jahre zur Grundlage der Zwickauer Brotsatzung gedient. Zu bemerken ist noch, daß sich auch

seine drei Söhne Abraham, Isaak und Jakob Riese als arith­metische Schriftsteller ausgezeichnet haben.

Zwickau. Dr. E. Herzog.

Künstliche Edelsteine.

Wenn auch bis auf den heutigen Tag noch keine einigermaßen begründete Hoffnung vorliegt, den Kohlenstoff als Diamant zu krystalli- siren und somit den König der Edelsteine künstlich herznstellen, ist es doch den Chemikern gelungen, die werthvollen Vasallen Rubin und Saphir derart ans ihren Schmelztiegeln hervorgehen zn lassen, daß die Erzeugnisse der Kunst mit denen der Natur in jeder Beziehung über- cinstimmen. Der tiefblaue Saphir, ebenso wohl wie der rothscheinende Rubin, sind, wie die chemische Analyse dargethan hat, nichts anderes als kristallisirte Thonerde, der ein kleiner Gehalt an Chrom die rothe, eine Spur von Kobalt und Chrom die blaue Farbe verleiht, während reine krystallisirte Thonerde ohne die Beimischung färbender Metall­oxyde als sogenannter edler Korund dem Diamant an Härte und Glanz von allen übrigen Edelsteinen am nächsten steht. Da nun die Thon­erde der chemischen Behandlung nicht dieselbe Hartnäckigkeit enigegcn- setzt wie der Kohlenstoff, für den bis jetzt weder ein geeignetes Anf- jösnngsmittel, noch eine Methode gefunden wurde, ihn diamantartig aus feinen Verbindungen abzuscheiden, so kam es nur auf die richtigen Versuche an, die Thonerde zur Krystallisation zn bringen. Den Fran­zosen Fremy und Feil gelang es nun, durch Znsammenschmelzen von Thon und Mennige in großen Mengen und längeres Glühen der Masse in geeigneten Oefen nach dem Abkühlcn prachtvoll kristallisirtcn farb­losen Korund zu erhalten, und durch den Zusatz von doppcltchrom- sauren Kali oder Kobalt Rubine und Saphire zu erzielen. Die der Akademie zn Paris vorgelegten künstlichen Rubine und Saphire hatten insgesammt ein Gewicht von mehreren Kilogrammen und zeigten alle Eigenschaften der natürlichen, sowohl was die Farbe, die Härte und Glanz, als spezifisches Gewicht und optisches Verhalten anbetraf.

Bei der Bearbeitung von Seiten der Steinschneider wurden die genannten künstlichen Steine ebenso hart gefunden wie die natürlichen und oft selbst härter; sie griffen die besten Schleifsteine von gehärtetem Stahl an. Erhitzt man einen echten kleinen Rubinkristall zum Glühen, so wird er beim Erkalten farblos, dann aber färbt er sich nach und nach grün und erlangt darauf seine ursprüngliche rothe Farbe wieder. Ganz dasselbe Verhalten zeigten die künstlichen Rubinen der Herren Fremy und Feil. Dem Uhrmacher wird diese Erfindung willkommen sein, da sie ihm die harten Steine, deren er zn den Achsenlagern be­darf, billiger liefert als bisher, und auch die Jnwelicrknnst dürfte über kurz oder lang sich der Edelsteine bedienen, welche die Natur nur sparsam darbietet, der Schmelztiegel des Chemikers jedoch in er­wünschten Quantitäten zu liefern vermag. Ste.

Inhalt: Erkämpft. Fortsetzung) Novelle von M. Franck. Bilder aus den Sevennen IV. Von A. Ebrard. Am Eisloch. Von Chr. Schwarzkopf. Zn dem Bilde: Die Fischotter im Teller­eisen. Von F. Specht. Die Einwanderer Palästinas. Bon Her­mann Weser. Vor dem Sturm. (Fortsetzung.) Historischer Roman von Theodor Fontane. Interessante Vergleiche. Originalzeichnung von W. Hasemann. Am Familientische: Zur Geschichte des Rechenmeisters Adam Riese. Von Dr. E. Herzog in Zwickau. Künstliche Edelsteine. Von Ste.

Herausgeber: vr. Aovert Koenig und Theodor Kermann Z>antenius in Leipzig. Für die Redaktion verantwortlich Htto Klastng in Leipzig. Verlag der Iaheim-Krpedition (Welhagen H Klastng) in Leipzig. Druck von U. H. TeuSner in Leipzig.