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XIV. AiiLgkgkkcn KM 27. Juli 1878. Der Jahrgang läuft asm Gktaltt 1877 bis bahin 1878. 18?8.
Erkämpft.
Novelle von M. Flamin
(Fortsctzung.)
Nachdruck verboten. Ges. v. ii./VI. 70.
Wie verwandelt kehrte Ernst Römer nach Berlin zurück! ! — Ja, er war ein anderer Mensch geworden! Das fanden nicht nur seine Kameraden, deren munterem Kreise er ferne blieb, und seine schönen Cousinen, die ihn vergebens am Piano oder in der Oper erwarteten, sondern auch seine Vorgesetzten. Er war nie müßig gewesen, er hatte sich nie gehen lassen, aber seine Zeit hatte sich oft in angenehmen, geistigen Genüssen zersplittert — von jetzt ab aber kannte er nur ein Ziel: „Vorwärts, vorwärts zum Oberförster!" Keiner der jungen Leute erfüllte so gewissenhaft seine Pflichten nach jeder Richtung hin, keiner verbrachte seine freie Zeit so ausschließlich bei den Büchern wie Ernst Römer. Das Lachen war von seinem Antlitz verschwunden und hatte einem Ernst Platz gemacht, der in Melancholie ausgeartet wäre, wenn nicht Julius Sternberg mit treuer Freundeshand dafür gesorgt hätte,
! daß die Wucherblume nicht zu viele Schößlinge triebe. Saßen die beiden jungen Leute gemächlich in ihrer Stube zusammen, dann brach wohl der alte Humor, die alte Freudigkeit am ^ Leben wieder einmal durch, und kamen die Briese von daheim, l die nur von dem Glücke der Eltern über Louisens und des
j Kindes Besitz sprachen, und in denen die junge Mutter (Ernst
pflog einen eifrigen Briefwechsel mit ihr) nicht genug von den t Fortschritten des kleinen Otto erzählen konnte, dann klangen wohl die Gläser aneinander, und die jungen Freunde träumten und planten von einer schönen Zukunft, von Glück und Liebe. Aber nur auf Augenblicke hielt solche Stimmung bei Ernst vor. Sein von Natur verschlossener Charakter, wie das Gefühl seiner Schuld und seiner Verpflichtungen machten den jungen Manu um viele Jahre älter als er war. — Von dem nicht allzu großen Zuschuß der Mutter schickte er, was er irgend ( entbehren konnte, an Louise, obgleich die Pastorin versicherte,
( daß Louise vermöge ihrer Kenntniß in allen häuslichen Obliegenheiten und durch ihren unermüdlichen Fleiß ihr tausendmal mehr leiste als das Bischen Essen und Trinken koste, während
xiv. Jahrgang. 13. r.
sie die Ausgabe für ihre und Ottos Kleidung ja durch den Erlös aus den seinen Stickereien bestreite, die sie für ein Geschäft in E. anfertige. Ernst schrieb, sie möge letzteres sein lassen und sich in den Mußestunden mit Ottos Erziehung beschäftigen. Er schickte ihr Bücher, die sie belehren und fortbilden sollten, und sandte Geld wie zuvor.
Ernst hatte bei seinen alljährlichen Besuchen, die er meist gemeinsam mit Julius unternahm, stets Gelegenheit, zu sehen, wie Louise es verstanden hatte, sich durch ihre Bescheidenheit, ihren treuen ernsten Sinn und ihre Tüchtigkeit die Herzen ihrer Umgebung zu gewinnen. Sie glich eben einem Veilchen, das still im Verborgenen blüht und schafft, und nur, wenn sie mit dem Knaben im Garten um die Wette lief, wenn sie mit ihm schäkerte und spielte, konnte sie laut jauchzen und lachen wie das fröhlichste glücklichste Kind.
In solchen Augenblicken freute sich die gute Frau Pastorin doppelt über ihren Liebling und bedauerte immer wieder von neuem, daß diese Heiterkeit nie zum Ausbruch kam, wenn Ernst zugegen war. Kam er, so opferte Louise alles dem einen Wunsch, ihn inne werden zu lassen, daß das Herz seines Kindes ihm vor allein gehöre; scheu und ängstlich zog sie sich in sich selbst zurück, und so oft auch die Frau Pastorin ihr vorstellte, daß dieses dem jungen Manne gegenüber nicht das Rechte sei, sie ließ sich nicht davon abbringen; — der Gedanke, daß sie zu Ernsts Unglück geboren sei, daß sie die Kette sei, die den Adler am stolzen Flug in höhere Sphären hindere, verließ sie in seiner Gegenwart keinen Augenblick, und so schien sie kalt und verschlossen, wo sie so heiß und innig liebte.
Ernst war von ihrer innigen Zuneigung überzeugt; erhalte in tausend kleinen Handlungen Beweise davon, aber erahnte nicht im entferntesten die Glut und Stärke ihres Gefühls. Wäre es der Fall gewesen, es hätte sich vielleicht sein ganzes Leben anders gestaltet; so aber lernte er von Jahr zu Jahr mehr in Louise nur die Mutter seines Kindes achten