in Nachwirkung ihres brüderlichen Verhältnisses in Leipzig und Dresden 1841 bis 1843 noch besonders eng und daher folgenreich. Wir machten auf die erste Erwähnung des jungen Dichters in der russischen Presse durch Wolfsohn aufmerksam, doch begann damals auch Wolfsohns Fürsorge für Fontanes Epos „Von der schönen Rosamunde". Da Gustav Schwab Ende 1847 kein Interesse für das Epos gezeigt hatte, nahm Wolfsohn das Manuskript im März 1848 mit in sein sächsisches Domizil, um ihm einen Verleger zu verschaffen. Wir schlußfolgern das Datum der Mitnahme des Manuskripts, von dem Fontane später sagte, daß es ohne sein Dazutun erschienen sei, da einer seiner „Dresdner Freunde . .. das Manuskript zufällig in Händen hatte" 20 , aus einem Brief Wolfsohns an Bertha Kummer vom 2. Juli 1848. Hier schreibt Wolfsohn auf Bertha Kummers briefliche Klage, sie besitze „keine Abschrift von Theodors schöner Dichtung", daß „die Verspätung [seiner Antwort] keinen andren Grund hat. als daß ich das Gedicht erst habe abschreiben lassen. Ich wollte in Theodors Interesse das Manuskript nicht aus den Händen geben". 21 In der für Lyrik ungünstigen Zeit des Nachmärz fand Wolfsohn erst anderthalb Jahre später, im Herbst 1849, in dem Dessauer Moritz Katz einen Verleger für das Epos, bei dem es Ende 1849 als erstes gedrucktes Büchlein Fontanes (kurz vor Herausgabe der „Männer und Helden") in einer goldverzierten Miniaturausgabe erschien. Dies zog wiederum kurzfristige gegenseitige Besuche — Wolf- sohns im November 1849 in Berlin und Fontanes Ende Dezember 1849 in Dresden — nach sich. Von dem letztgenannten Treffen berichtete Emilie Rouanet-Kummer am 28. Dezember 1849 aus Liegnitz an Bertha Kummer: „Theo ist in Dresden sehr gefeiert worden, hat aber trotz seiner beschränkten Zeit sich dennoch für mich in Öl malen lassen, und hoffen wir, daß in diesen Tagen Wolfsohn das Bild nachschicken wird." 22 Ein Vierteljahr später, am 14. April 1850, schrieb sie an Wolfsohn: „Ich danke Ihrer Güte viel; . .. Theodors Portrait und den Druck seiner .Rosamunde' habe ich mit Freudentränen empfangen und innig Ihnen gedankt, der sie diesen ersten Schritt in die Öffentlichkeit geleitet haben." 23
Anmerkungen
Aus allen mit FAP gekennzeichneten Briefen wird mit freundlicher Genehmigung der Deutschen Staatsbibliothek zitiert.
1 Theodor Fontane, Autobiographische Schriften, Bd. II: Von Zwanzig bis Dreißig, Berlin und Weimar 1982, S. 93.
2 Theodor Fontanes Briefwechsel mit Wilhelm Wolfsohn, hg. von W. Wolters, Berlin 1910, S. 32.
2a Über dieses Antrittsdatum vgl. Brief 4, Anm. 17.
3 Theodor Fontane und Bernhard von Lepel. Ein Freundschaftsbriefwechsel, hg. von J. Petersen, München 1940, Bd. 1, S. 91. — Wolfsohns Besuch im »Tunnel" könnte demnach frühestens am Sonntag, 20. Februar 1848 stattgefunden haben. — Frickes Fontane-Chronik (1960) gibt Wolfsohns Einführung in den .Tunnel" mit 30. 1. 1849 an. Dieser Tag fiel jedoch auf einen Dienstag.
4 Original im FAP, Sign. B 363.
5 FAP, Sign. C 108.
6 Am 1. März 1848 schrieb Emilie aus Liegnitz an Bertha Kummer: .Heute vor drei Wochen habe ich Dich verlassen."
7 FAP, Sign. B 346. — Der Brief ist undatiert; das Datum ergibt sich aus Wolfsohns erster Lesung, die im Brief erwähnt wird.
8 FAP, Sign. B 378.
9 FAP. Sign. 379.
10 Vossische Zeitung, 1848, Nr. 36 vom 12. 2., S. 7: Wissenschaftliche und Kunstnachrichten.
11 Abendblatt der Wiener Zeitung, 1850. Nr. 245 vom 17. 10., Feuilleton.
12 Vgl. Emilie Rouanet-Kummers Brief an Wolfsohn vom 14. 4. 1850 (wie Anm. 2, S. 57).
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