Heft 
(1898) 06
Seite
104
Einzelbild herunterladen

104

Meöer Land und Meer.

M 6

Das Denkmal der Iiebenundfiinjziger bei Vionville. Nach Aufnahmen von Hofphotograph E. Iacobi in Metz.

Nach dem Abgänge der Grafen van Burghansen fiel ihr Erbe an die bayrischen Herzoge. Als deren Gebiet, etwa ein Jahrhundert spater, in Ober- und Niederbayern geteilt wurde, wählten die niederbayrischen Herzoge neben der Trausnitz ober Landshut auch Burghausen zur Residenz.

Während zweiundeinhalb Jahrhunderten hielten sie hier, abwechselnd mit der Burg an der Isar, ihren glänzenden Hof und verwahrten in den sicheren Gewölben ihre reichen Schütze; denn die niederbayrischen Fürsten liebten den Prunk, verstanden jedoch noch weit mehr klug zu wirtschaften, so

'Namentlich von den drei letzten Herzogen der Linie, Heinrich, Ludwig und Georg, gilt dieser Ruhm, und jeder von ihnen trägt daher den Beinamender Reiche". Unter ihnen erlebte Burg- Hansen seine höchste Blüte; zu ihren Tagen erhielt die Burg auch die Gestalt, die sie in der Gegenwart

dem anheimelnden Formen der späten Gotik. Die Burg zählt zu den größ­ten ans deutschem Boden; denn länger als eine Viertel­stunde gebraucht man, um in gutemSchritt über den schma­len, mauer- und zwinger­umfangenen Felsengrat zu wandern, dessen beide Enden ursprünglich durch je eine Burg, dasvordere"

jeden ein tiefer ^ aus dem Felsen geschroteter Graben und ein wappengeschmück-

sitzes sind allerdings nur kärgliche Reste geblieben, da die Gebäude in den letzten Jahrhunderten zu Amtsstuben und Wohnungen

Verwendung vor dem Schicksale, in Ruinen zu zerfallen.

Welch malerischer Reiz die alte Feste umschwebt, davon geben die duftigen Bilder des Zeichners eine Probe. Sie zeigen das Thor zum mittleren Teile der Burg, eine Partie aus dem inneren Schloßhof, das Haus, in dem der be­rühmte Geschichtsschreiber Bayerns, Johann Thurmayer genannt Aventin als Lehrer der jugendlichen Prinzen Ludwig und Ernst (1512) wohnte, ferner den von düsteren Sagen umrankteuPulverturm", der mit der Burg durch eine ziunengekrönte Mauer verbunden ist; die letztere sperrt den Zugang zum Becken des Wöhr, und der Turin deckt als Vorwerk die Höhe oberhalb desselben.

Allein nicht bloß von Prunk und Pracht wissen die Mauern und die Hallen Zu erzählen, auch von bitterein Kummer und Herzeleid, lieber das Weh ihrer Ehe trauerten

hier, von den Gatten verbannt, Amalie von Sachsen, die Gemahlin Ludwigs des Reichen, und die schöne Hedwig von Polen, die Gemahlin Georgs des Reichen, deren überaus glänzende Hochzeit einst die Welt in Erstaunen gesetzt hatte. Noch sieht man an verschiedenen Orten der Burg das Allianz-Wappen des letzteren Ehepaares, die verbundenen pfalz-bayrischen und polnisch-litauischen Schilde. Nach bei­nahe vierjähriger Einkerkerung beschloß hier sein unruhiges Leben Herzog Ludwig im Bart, im Alter von 81 Jahren, und acht Jahre saß hier in ritterlicher Hast der schwedische Feldmarschall Graf Horn, der in der Nördlinger Schlacht gefangen worden war. Herzog Ludwig der Reiche wurde hier erzogen und mit ihm sein Vetter, der junge Markgraf von Brandenburg, Albrecht, späterAchilles" genannt. Kriegslürm tobte oft um die Bollwerke, und kostbares Blut floß

blauen Soldaten des Königs wird eine staatliche Gemälde­sammlung den Einzug in die Burg halten. Dann wird neues Leben durch die lange Straßenzeile der Stadt pul­sieren , und gar mancher Wanderer wird seinen Schritt zur verlassenen nnd vergessenen vieltürmigen Perle des Snlzach- thales lenken und Auge und Herz erfreuen an dem Blick in das pittoreske Flußthal und auf die im fernen Süden blauende Alpenkette.

.. .

Deutsche und französische Grenzwächter.

um den Besitz der Feste, namentlich so oft Bayern und Oester­reich miteinander in Fehde lagen. Da wurde sie wieder-

thateu von Bayerns Söhnen. Im Spanischen Erbfolgekrieg erstürmte sie der Student Plinganser an der Spitze der niederbayrischen Bauern, nnd während des Oesterreichischen Erbfolgekrieges that sich der Kaminkehrer Cura besonders hervor, indem er mittels kühnen Handstreichs Stadt und Burg von den Oesterreichern befreite.

Still und stiller ist es nach und nach auf der Burg und in der Stadt geworden, nachdem sie im Anfang des Jahrhunderts die Provinzialregierung und vor wenigen Jahren auch die Garnison verloren hatten. Doch vor kurzem wurde eine Flügelbahn von Mühldorf hierher und damit die Verbindung mit der Welt eröffnet, und statt der I

Zu unfern VLlöern.

Aus dem Tiroler Volksleben, in dem die starken Wur­zeln seiner Kraft ruhen, schöpfte Franz v. Defregger anch den Vorwurf zu seinem GemäldeUnser täglich Brot gieb uns heute". Wollte das kleine, allzeit hungrige Volk der ur­sprünglichen Regung nach- geben, so führe es wohl sofort mit dem Löffel in die dampfende Suppe, aber nach gnter, frommer Sitte muß erst das Tischgebet gesprochen wer­den, bevor das Mahl be­ginnt.

Das Denkmal der Sieben uudfünfziger, das auf dem Schlachtfelde von Vionville am 8. Oktober feierlich enthüllt wurde, ist den gefallenen Kameraden gewidmet worden von ehe­maligen Angehörigen des Regiments, das heute den Namen führt: Infanterie­regiment Herzog Ferdinand von Braunschweig (8. West­fälisches) Nr. 57. An der äußersten Grenzmark des Deutschen Reiches gelegen, nimmt das Monument in künstlerischer Beziehung einen hervorragenden Platz unter den zahlreichen Krieger­denkmälern der westlichen Schlachtfelder ein. Aus einem Felsblock ruht, wie zum Sprunge bereit, ein Löwe, die von Kugeln zer­fetzte Fahne des Regi­ments gegen feindlichen Angriff verteidigend. Die südliche, mit dem Eisernen Kreuz geschmückte Seite des Felsblocks trägt die Inschrift:Den Heldentod starben 14 Offiziere, 337 Mann. Den Gefallenen gewidmet von den Kameraden des Regiments," während auf der nörd­lichen Seite die Worte zu lesen sind:Auf diesen Gefilden hat am 16. August 1870 Tapferkeit und Treue den jungen Fahnen des Infanterieregiments Herzog Ferdinand von Braunschweig (8. Westfälisches) Nr. 57 unvergänglichen Lor­beer erstritten."

Gleichfalls an die äußerste Grenze des Reiches versetzt uns die AbbildungDeutsche und französische Grenzwächter". Daß es uns möglich war, durch Moment­aufnahme die Angehörigen beider Nationen am Grenzpfahle zu einer gemütlichen Gruppe zu vereinigen, ist ein erfreu­licher Beweis friedlichen Einvernehmens.