Heft 
(1898) 15
Seite
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Treffen zu senden ' aber seine Treijahrigen: Lebemailii, Irr­tum , Volapük, P-faueninsel und Kirsche, sowie der Zwei­jährige Habenichts erwiesen sich durchweg so außerordentlich nützlich, daß sie den totalen Mißerfolg des Jahres 1896 in mehr als glänzender Weise wieder gut machten. Auch Vollmond, Mummelgreis und Wintermärchen erwiesen sich als recht nützliche Pferde. Im ganzen hatte das Königliche Gestüt 25 Zweijährige und 16 Dreijährige im Training, von denen verschiedene, ihrer bisher gezeigten Form nach, für das kommende Jahr noch schöne Erfolge versprechen.

Bekanntlich werden die Ueberschüffe der Graditzer Ge­winne nach Abzug der Unkosten für den Trainer und die

sehen Vollblutgestüts aufzukommen, zumal der Stall auch in diesem Jahre wieder 31 Jährlinge einrangierte.

Unter den Privatställen marschiert der des Freiherrn v. Oppenheim mit einem Gesamtgewinne von 190 956 Mark an der Spitze. Die Hauptstütze dieses Stalles war Saphir, der prächtige Ehamantsohn, der nach 21 Jahren zum ersten Male wieder das österreichische Derby für Deutschland ans dem

earriere ein vorzeitiges Ende bereitet wurde. Er wird in Zukunft eine Zierde des seinem Besitzer gehörenden Gestüts Schlenderhan bilden und hoffent­lich als Vaterpferd seine hervorragenden Eigen­schaften recht ausgiebig vererben.

Unter ähnlichen! Mißgeschick wie der Oppen- heimsche Stall litt auch der des Grafen L. Heuckel, der mit 140490 Mark die dritte Stelle ein­preis (29 600 Mark) und das deutsche Derby (84 500 Mark) in Hambnrg-Horn gewann, dann aber vollständig versagte. Hütten nicht zwei andre Pferde im Herbst noch zwei kleine Rennen gewonnen, so wäre Flunkermichel der

die im Winter des vorigen Jahres in Hoppegarten ausbrach und namentlich die Dispositionen des letzterwähnten Stalles ans das schwerste beein­trächtigte. Fürst Hohenlohe, dessen Stall im Spätsommer vom Vater auf den Sohn uber-

aber alle standen unter einein Unstern und tonnten nur vereinzelt größere Rennen gewinnen. Der Favorit des Stalles, Wolkenschieber, mußte sich mit dein Staatspreis erster Klaffe in Hoppegarten

kleine Rennen und verscherzte sich dann die weiteren Siegesaussichten durch seiu unbändiges Temperament, und Vorgesehen konnte erst im Spätsommer durch ihren Sieg im Wäldcheusreuueu zu Frankfurt a. IR. ihre Klasse beweisen.

Zu den 129 550 Mark, die der Maysche Stall gewann, mußte Geranium, ein schwarzbrauner Ehamantsohn aus der Verbena, allein über 80 000 Mark beisteuern; außer­dem konnten Eiger und Armbruster noch je ein größeres Rennen heimbringen. Alle übrigen Pferde des Stalles waren durch den Husten zu unfreiwilliger lMnße verdainmt.

Zwischen den beiden letzterwähnten Ställen steht der des Fürsten Fürstenberg, dessen Pferde früher unter dem Pseudonym eines Mr. Trial liefen, mit 132 348 Mark. Fürst Max Egon hatte den von seinem verstorbenen Vetter Karl Egon ererbten großen Stall aus etwa ein Dutzend Pferde reduziert uud war trotzdem weit erfolgreicher als der Verstorbene es jemals gewesen. Er gewann mit En bloc

os Wales Stakes und auch Ausmärker brachte einige hübsche Rennen heim. Herr A. Beit, der bekannte Hamburger Großkaufmann, brachte es auf 125 612 Mark, zu denen Lobengula als Gewinner des Großen Preises von Ham-

Faddy, das Pseudonym einer gegenwärtig in Auflösung begriffenen Reuugesellschaft, zu der unter andern der be­kannte Züchter Graf Hahn-Basedow, der Major v. Goßler und andre Herren gehören, mit 101319 Mark erwähnen,

Melier Land und Meer.

so ist die Liste der deutschen Gewinne über 100 000 Mark erschöpft.

Als ein besonderes Ereignis verdient noch der Sieg Tokios im Großen Preis von Berlin bemerkt zu werden. Dieses Rennen und die Hoppegarteuer Union, welche Destillateur gewann, waren die einzigen bemerkenswerten Siege, die österreichisch-ungarische Pferde aus deutschen Bahnen zu verzeichnen hatten.

Von den kleineren deutschen Ställen sei noch der des Freiherru v. Hartogeusis erwähnt, der mit nur drei Pferden mit nahezu 55 000 Mark den zehnten Platz in der Ge­winnliste einnimmt und außerdem in Gudrnn eine Zwei­blühenden deutschen Herrensport. Im ganzen konnten im vergangenen Jahre 299 Reiter als Sieger das Ziel pas­sieren, die fast ausnahmslos der Armee angehören und sich znm Teil sogar in hohen Stellungen befinden. An ihrer Spitze steht in diesen! Jahre wiederum Lieuteuant Suer- mondt, der bei 110 Ritteu 31 Siege und 22 zweite Plätze zu erringen vermochte. Im ganzen hat der hessische Dra­goner seit dein Jahre 1887, wo er zum ersten Male in

Die Kinder des rumänischen Thronfolgerpaares.

den Sattel stieg, 307 Siege und 173 zweite Plätze bei insgesamt 863 Ritten gelandet, ein Rekord, der von keinem andern Herrenreiter der Welt erreicht wird. Seit 1890

v. Kayser, der in diesem Jahre mit 23 Siegen an dritter Stelle steht, der Rang abgelaufen. Als der Liebling des Publikums, namentlich in Berlin, darf Lieutenant Gras Königs-

105 Ritten 27 Siege und 18' Zweite Plätze auf sein Eonto brachte, die nin so mehr ins Gewicht fallen, als sie zu»! größten Teil ans der sehr schweren Bahn in Carls- Horst erstritten wurden. Zahlreiche Erfolge haben ferner Lieutenant v. Reibnitz (1. Leibhusarenregimeut), Gras S.Lehu- dorfs, der Sohn des preußischen Oberlandstallmeisters, der Engländer Mr. I. Bell und Lieutenant v. Berken (15. Husaren) zu verzeichnen. Der letztere wußte sich namentlich in neuerer Zeit durch sein schneidiges Reiten in Carlshorst die be­sondere Gunst des Publikums zu erringen. Weniger glück­lich war in diesem Jahre der sächsische Karabinier Ritt­meister v. Eyuard, der früher ebenfalls zu den Lieblingen

Herrenreitern aus deutschen Bahnen 888 Siege und 496 zweite Plätze erstritten.

Bei den Jockeys gewinnt das deutsche Element von Jahr zu Jahr mehr an Boden. Aus der Flachbahn freilich dominieren

immer noch die Engländer. An der Spitze der Siegerliste steht hier Ballantine, der von dem Glück seines Stalles ge-

Nitten 61 Siege und 33 zweite Plätze. Es folgen.' Warne mit 199 Ritten, 44 Siegen und 46 zweiten Plätzen; E. Martin mit 203 Ritteu, 36 Siegen und 38 zweiten Plätzen und Robinson mit 127 Ritten, 28 Siegen und 14 zweiten Plätzen.

Die deutschen Bernssreiter, an Zahl den Engländern ungefähr gleich, bilden die zweite Hälfte. Sie sind den Engländern gegenüber namentlich deshalb im Nachteil, weil sie gerade zu der Zeit, uw sie Aussicht Hütten, erfolgreich einzngreisen, Soldat werden müssen und so aus ihrer

sagen, daß die Alleinherrschaft der englischen Jockeys auf deutschen Bahnen aufgehört hat, und daß sie mit der Kon­kurrenz ihrer deutschen Kollegen von Jahr zu Jahr mehr zu rechnen haben werden.

Viel besser stellt sich das Verhältnis aus der Hindernis­bahn. Hier hat sich seit dem Jahre 1887 ein vollständiger Umschwung vollzogen. Während vor dieser Zeit nur eng­lische Berussreiter die Hindernisrennen bestritten, ist heute das englische Element fast ganz von unfern Hindernisbahnen

mehr an Boden gewinnen, so darf mau mit Recht hoffen, daß der deutsche Sport mit der Zeit die Oberherrschaft des internationalen Ele­ments ganz und gar brechen wird.

In den züchterischen Resultaten inacht sich ebenfalls ein Aufschwung bemerkbar, namentlich seitdem hervorragende Persönlichkeiten aus der Finanzwelt an diesen Bestrebungen teilnehmen. So haben namentlich die Herren Saloschin in Alt-Golm, G. v. Bleichröder in Römerhos und V. May in Neu-Köln Mustergestüte mit zum Teil ganz hervorragenden Hengsten uud Mutter- stuteu angelegt. Wenn das Glück diesen Unter­nehmungen günstig ist, so werden sie voraus­sichtlich eher in der Lage sein, mit Graditz zu konkurrieren, als die bisherigen, meist der Aristokratie angehöreuden Züchter, von denen nur wenigen so reiche Mittel zu Gebote stehen, wie den Herren von der baute tinaiwe. Thatsächlich haben die mit beschränkten Mitteln arbeitenden Züchter heute einen schweren Stand, da infolge des erdrückenden Uebergewichts von Graditz die Vollblutpreise derart herabgegaugeu sind, daß die kostspielige Zucht bei weitem nicht mehr die Unkosten deckt.

In Württemberg wirkte namentlich das Hauptgestüt Weil, dank der verständnisvollen Fürsorge seines königlichen Besitzers, außer­ordentlich belebend auf die Vollblutzucht. Das gleiche gilt von Bayern, wo Prinz Ludwig mit großer Thatkraft für sie Antritt. Infolgedessen haben auch die Nennen bei Stuttgart uud München sehr an Bedeutung gewonnen, während das von Berlin leider nicht behauptet werden kann. Die Reichshauptstadt krankt unter dein Verbot der Sonntagsrennen, für dessen Auf­hebung bisher wenig Aussichten vorhanden sind, inaia. Zum Schluß möge noch ein kurzer Ver­

gleich zwischen dein deutschen Sport und

stattet sein. Wie bereits oben 'erwähnt, konnte von österreichischen Pferden nur Tokio und Destillateur je ein größeres Rennen in Deutschland gewinnen. Ans öster­reichischen Bahnen waren dagegen von deutschen Pferden Saphir, Wasa, Mummelgreis uud Vollmond iu größeren Konkurrenzen erfolgreich. Insgesamt gewannen deutsche Pferde in Oesterreich-Ungarn 240 523 Kronen, denen das Nachbarland nur 124 650 Mark gegeuüberzustellen vermag. Dieser lange nicht dagewesene Erfolg ist um so höher an- zuschlügeu, als die österreichisch-ungarische Zucht der unfern bedeutend überlegen ist uud außerdem infolge der klimati­schen Verhältnisse unter weit günstigeren Bedingungen ar­beitet.

Iic Mdtt des rMMsche» L!jmiU>,m»mcc.

EMach einer photographischen Aufnahme führen nur die beiden Kinder des rumänischen Thronfolgerpaares in rumänischer Nationaltracht vor. Prinz Ferdinand von

Erbprinzen Wilhelm, zum Prinzen von Rnmänien ernannt wurde, vermählte sich am 11. Januar 1893 mit der Prin­zessin Marie von Sachsen-Koburg, Tockter des regierenden Herzogs Alfred. Auf Schloß Pelesch iu Siuaia erblickten beide Sprossen der Ehe das Licht der Welt, Prinz Karl am 15. Oktober 1893, Prinzessin Charlotte am 11. Oktober 1894.