stehen mochte, nicht aus dem Blickfeld geraten waren, ist vor allem der Dankbrief an Weiß vom 13. 8. 1889 ein schöner Beleg, und man würde gern den Inhalt des Briefes von Weiß kennen, zu dem Fontane geschrieben hat: „Haben Sie herzlichen Dank für jedes Wort. Daß es so ist, wie es ist, ist gerade das Beste und mir wohltuendste." Aufschlußreich ist auch die Genugtuung Fontanes, in Weiß einen Partner zum Gespräch über Franz Ziegler 27 und Mark Anton Niendorf 28 zu haben, beide Demokraten von 1848 und im Nachmärz auch als Erzähler hervorgetreten, deren Entwicklung nach der Revolution einen in unterschiedlicher Weise dramatischen Verlauf genommen hatte.
Weiß' und Fontanes Bemerkungen über Ziegler bildeten angesichts der Unmöglichkeit, in begrenzter Zeit einen Überblick über die Literaturkritik von Weiß zu gewinnen, den Anhaltspunkt, von dem aus eine dem Aufsatz von 1889 voraufgegangene Erwähnung Fontanes erschlossen werden konnte. An sich eher peripher, ist sie doch von großer Bedeutung für die spätere ausführlichere Darstellung und Bewertung. Als Weiß in seiner Arbeit von 1889, ironisch anknüpfend an Goethes Abfertigung des Pfarrers Schmidt aus Werneuchen, die Entwicklung einer spezifisch märkischen Dichtung zu verfolgen versuchte, schloß er sich damit Franz Ziegler an, der in seiner autobiographisch-novellistischen Skizze „Meine erste Rebellion", im Januar 1866 zuerst in der „Vossi- schen Zeitung" erschienen, Alexis, Hesekiel, Fontane und sich selbst in diesen Zusammenhang gestellt hatte. Nachdem Ziegler seine Prosa 1872 in der dreibändigen Ausgabe „Gesammelte Novellen und Briefe aus Italien" veröffentlicht hatte, widmete ihr Weiß (1874) in der „Wage" eine ausführliche Rezension, die sich über die literarische Kritik hinaus zu einer grundsätzlichen Darstellung des historisch-politischen und moralisch-psychologischen Phänomens der „altpreußischen Demokratie" auswuchs: in ihrem literaturkritischen Teil aber wurden Hesekiel und Fontane aus dem Kreis der „Musen und Grazien der Mark" verwiesen.
Es ist kaum vorstellbar, daß Fontane beide Texte unbekannt geblieben sein könnten: ihr Vor-Gang mußte schon vom Titel her seine Neugier auf den Essay von Weiß aufs äußerste reizen, umso mehr, als dort, wie er hörte, nun als „Held" agierte. Ist bereits die Konstellation von 1889 für sich reizvoll genug, so entsteht vor dem Hintergrund der Position von Weiß aus dem Jahre 1874 das bewegte Bild einer durch die Geschichte und deren Verarbeitung bewirkten offenbar wechselseitigen Annäherung, deren künftige Analyse vor dem Hintergrund nicht nur Fontanes, sondern auch des literaturkritischen Konzepts von Weiß einen Beitrag zur Erkenntnis der Wechselbeziehungen zwischen demokratischer Politik und wirklichkeitsverpflichteter Literatur zu leisten verspricht.
III
Der erste Text von Weiß wird um die ersten 6 und die letzten 4 Seiten seiner Veröffentlichung in der „Wage" vom 31. 7. und 7. 8. 1874 gekürzt wiedergegeben. Er ist dort eingeleitet von sehr lebendig, aus der Perspektive des Zeitgenossen, insbesondere des Parlamentsberichterstatters erzählten Szenen aus dem politischen Wirken Zieglers zwischen 1848 und 1850 sowie einem
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